Uerkheim
Seine Rosen machen keine weiten Wege

Die Schnittrosen-Produktion Koller, früher Rosenzucht Nydegger, rüstet sich für den Muttertag. Dafür ist gute Planung besonders wichtig.

Christine Wullschleger (Text)und Chris Iseli (Fotos)
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Schnittrosen-Produktion in Uerkheim
14 Bilder
Weisse Rosen.
Uerkner Rosen.
Natalia Huggenberger macht ein Rosengesteck.
Rote Rosen.
Erwin Koller schiebt die Rosen ins den Kühler.
Ruth Schweizer mit einem Strauss aus bunt gemischten Rosen.
Diese Rose blüht bald.
Der Kühler ist voll mit Gestecken und Sträussen für den Markt.
Die Gewächshäuser in Uerkheim.
DIe Uerkner Rosen.
Blick ins Gewächshaus.
Diese Röschen brauchen noch ein wenig Zeit.
Auch Rosenzucker und Rosenkonfi werden hergestellt.

Schnittrosen-Produktion in Uerkheim

Chris Iseli

In die Jahre gekommen sind sie, die Gewächshäuser der Rosenzucht in Uerkheim. Mehr als vier Jahrzehnte hielten sie Wind und Wetter stand.

Die Spuren davon sind aber gut zu sehen: Manche Dächer sind geflickt, manche Türen schliessen nicht mehr richtig, teuer ist das Heizen.

«Wir müssen jedes Jahr 10 000 bis 20 000 Franken investieren, um zu flicken», sagt Erwin Koller, Besitzer der Schnittrosen-Produktion in Uerkheim.

«So können wir nicht wirtschaften.» Es brauche deshalb eine neue Lösung und die scheint Erwin Koller auch gefunden zu haben: Er will ein neues, grosses Gewächshaus bauen und die alten abreissen.

Das Baugesuch für das mehrschiffige Folienhaus liegt noch bis Ende Mai öffentlich auf. Bis jetzt sind laut Auskunft der Gemeindeverwaltung noch keine Einwendungen eingegangen.

Erwin Koller ist seit Anfang des letzten Jahres Alleininhaber der Schnittrosen-Produktion Uerkheim. Er hat sie zusammen mit der Rosenzucht in Hagneck BE von Hugo Nydegger übernommen. Nydegger hat das Unternehmen in Uerkheim vor mehr als 40 Jahren auf einer Grösse von rund drei Fussballfeldern aufgebaut. Heute betreibt Erwin Koller ein Nischengeschäft. Denn in der Schweiz werden nur noch an wenigen Orten Rosen produziert, sagt Theo Keller. Er ist Präsident der Gesellschaft Schweizerischer Rosenfreunde. «Es ist schwierig, in der Schweiz Rosen zu produzieren. Gründe dafür sind einerseits die hohen Kosten in der Schweiz und auch das Klima», sagt er.

Vom Koch zum Rosenliebhaber

Erwin Koller hatte eigentlich nie etwas mit Rosen am Hut. Er ist gelernter Koch, er war Wirt im Restaurant Moos in Reidermoos. «Hugo Nydegger war damals dort Stammkunde», sagt Koller. Immer wieder habe er ihm von den Rosen erzählt. Und als Koller seinen Job als Wirt an den Nagel gehängt hatte, begann er in der Rosenzucht zu helfen. Hugo Nydegger lehrte ihn die verschiedenen Rosensorten: von «Creme de la Creme» über «Black Magic» bis zum «Weissen Träumli». Einige Jahre sind vergangen, vieles hat Erwin Koller gelernt und die Rosensorten kann er heute alle unterscheiden. «Wenn man röselen will, lernt man das nicht aus Büchern, sondern in der Praxis», sagt er.

In Uerkheim wachsen rund 80 000 Rosenstöcke, in Hagneck sind es gar 100 000. Die Rosen gedeihen in allen Farben und Grössen. Und jetzt – kurz vor Muttertag – läuft der Betrieb auf Hochtouren. «Am Valentinstag haben wir noch keine Rosen», sagt Ruth Schweizer, deshalb sei der Muttertag umso wichtiger. Ruth Schweizer geht seit 26 Jahren mit den Schnitt-Rosen und Rosengestecken auf die Märkte in Aarau, Olten und Wettingen. Ihre Tage beginnen meist mitten in der Nacht, dann bindet sie Sträusse – manchmal 50 bis 60 Stück – und geht auf den Markt. «Die Arbeit muss einem einfach gefallen, sonst geht es nicht», sagt sie. Und das Marktfahren, die Rosen, die Begegnungen gefallen ihr.

Gute Planung ist wichtig

Bis heute – kurz vor Muttertag – haben die Mitarbeiter fast pausenlos gearbeitet, Sträusse gebunden und Gestecke kreiert. Die Rosenstöcke bilden drei bis vier Mal im Jahr Blüten, dann werden die Rosen abgeschnitten. Eine gute Planung ist wichtig, damit nicht alle Rosen gleichzeitig blühen.

Bei grösseren Temperaturschwankungen sind die Rosen jedoch anfällig für Schädlinge. «Die Rosen sind hier in Uerkheim weniger krankheitsanfällig als in Hagneck, vielleicht wegen des Klimas oder wegen der Bodenbeschaffenheit», sagt Erwin Koller. Er versuche wenn möglich, keine chemischen Spritzmittel einzusetzen, rund 60 Prozent geschieht durch natürliche Mittel: Manchmal wirken homöopathische Kügelchen, ein Knoblauchkonzentrat oder sogenannte Effektive Mikroorganismen, also Organismen, die positiv auf die Rosenkulturen wirken. «Ohne Chemie werde ich aber nicht arbeiten können. Schliesslich muss ich geschäften», sagt er. Biologische Mittel seien gut, um präventiv zu arbeiten. Entdecke man Schädlinge, brauche es ab und zu chemische Mittel. «Die natürlichen Mittel sind viel teurer als die chemischen. Es stört mich, dass der Bund die natürlichen Mittel nicht fördert», sagt er.

Die Rosen aus dem Ausland sind für Koller keine Konkurrenz. «Da ich keinen Zwischenhandel habe und alles privat verkaufe, sind meine Rosen nicht überteuert», sagt er. Der Kunde müsse sich überlegen, ob er lieber Rosen aus Kenia möchte, wo die Rosenzucht ganze Umweltkatastrophen auslöse, oder Rosen aus der Schweiz, aus dem Uerkental.

Rosen Koller Der Laden in Uerkheim ist an Muttertag von 8 bis 11 Uhr geöffnet.

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