Es war ein glücklicher Zufall. Jakob Bühler war im Militär und verbrachte während dreier Wochen die sogenannte «Dörfliverlegung» in der Gemeinde Schöftland. Und da passierte es: Der junge Luzerner lernte eine Frau kennen. Es war eine Liebe, die fürs Leben halten sollte.

Denn bereits vier Jahre später, 1974, zog Jakob Bühler nach Schöftland. Damals war er als gelernter Bauschreiner im Bau von Leichtmetallfassaden tätig. Doch er war auf der Suche nach einem anderen Job. «Ich suchte eine Stelle fürs Leben», sagt er rückblickend. Und schon zwei Jahre später war diese Stelle ausgeschrieben. In diesem Jahr wurde die grosse Dreifachturnhalle gebaut – und ein Hauswart gesucht. Jakob Bühler bekam die Stelle und wird nun, nach 37 Jahren, pensioniert. Heute Freitag hat er seinen letzten Arbeitstag.

Im Jahr 1977 wurde die neue Turnhalle eingeweiht – just an dem Tag, an dem Jakob Bühler seine Braut Heidi heiraten wollte. Also beschlossen die beiden, den Hochzeitstag zu verschieben und fixierten ein neues Datum. Doch damit nicht genug: Das Eröffnungsdatum der Turnhalle wurde erneut verschoben und fiel nochmals auf den Hochzeitstag von Jakob und Heidi Bühler. «So blieb es dann auch, ich habe meine Frau an dem Tag geheiratet, an dem die Turnhalle eröffnet wurde», sagt Jakob Bühler.

Glücklich beim Arbeiten

Jakob Bühler arbeitete sich in seinem neuen Job als Hauswart der nigelnagelneuen Schöftler Turnhalle schnell ein. Er fühlte sich wohl in Schöftland und die Turnhalle wurde bald zu seinem zweiten Zuhause. Jeden Tag putzte er zweimal den Hallenboden. Mit dem Flaumer zog er dann jeweils seine Runden und brachte den Boden wieder zum Glänzen.

Jakob Bühler und die Turnhalle, das gehörte zusammen. «Ein Knabe fragte mich einmal, was mit der Turnhalle passiert, wenn ich sterbe», sagt Jakob Bühler. Er hat viel erlebt in dieser Zeit und sagt, er sei jeden Tag glücklich zur Arbeit gegangen. Doch er hat auch mit ansehen müssen, wie das Abfall-Problem immer mehr zugenommen hat. Beinahe jeden Morgen musste er rund um die Turnhalle, bei den Veloständern und beim Kindergarten Abfall zusammensammeln. Das machte ihn weniger glücklich.

Jakob Bühler, Hauswart Turnhalle: «Ich habe meine Frau an dem Tag geheiratet, an dem die Turnhalle eröffnet wurde.»

Jakob Bühler, Hauswart Turnhalle: «Ich habe meine Frau an dem Tag geheiratet, an dem die Turnhalle eröffnet wurde.»

Ein Vorfall hat sich für immer in Bühlers Herz gebrannt. Vor ein paar Monaten ist ein Schüler auf das Turnhallendach geklettert und durch das Dachfenster rund acht Meter in die Tiefe gestürzt. Jakob Bühler war einer der ersten vor Ort. «Ich ging zu ihm und er hat mich mit meinem Namen angesprochen. Er hatte alle Schutzengel», sagt er. Heute gehe es dem Buben wieder recht gut. In den ganzen 37 Jahren, in denen Bühler Hauswart war, hat er nie einen solchen Unfall erlebt. Er ist froh, ist nun alles gut ausgegangen.

Eine Träne zum Abschied

In Jakob Bühlers Büro steht nun eine Kiste voller liegen gebliebener Fundgegenstände – gesammelt in 37 Jahren. Vor allem Uhren und Armbänder finden sich zuhauf. «Es ist verrückt, dass das niemand vermisst», sagt er. Die Kiste wird er seinem Nachfolger Daniel Galliker übergeben.

Bühler freut sich auf die Zeit nach der Pension. Er wird künftig im Spar, den seine Frau zusammen mit einer Freundin führt, aushelfen und Reparaturarbeiten erledigen. Auch für seine beiden Enkelkinder hat Jakob Bühler mehr Zeit.

Einen Abschied hat er bereits hinter sich. Vor den Sommerferien wurde er von den drei Kindergartenabteilungen eingeladen. Sie hatten für ihn ein Abschiedskonzert vorbereitet und drei Lieder gesungen. Noch heute rührt ihn diese Geste. Beim Erzählen putzt sich Jakob Bühler mit dem Taschentuch eine Träne weg.