In der Beiz trafen sich die sechs Bezirksrichterkandidaten. Sie tranken Mineral und Minzentee, schliesslich mussten sie sich konzentrieren. Ging es doch am Donnerstagabend darum, sich während eineinhalb Stunden der Öffentlichkeit möglichst kompetent und menschlich zu präsentieren. Keine einfache Sache.

AZ-Redaktor Peter Siegrist leitete das Podium und versuchte die Kandidaten aus der Reserve zu locken. Auch keine einfache Sache. Alle sagten, dass sie über eine hohe Sozialkompetenz und ausserordentliche Menschenkenntnisse verfügten. Und jedem der sechs Kandidaten war es wichtig, dass jeder Gerichtsfall individuell beurteilt werde.

Unterschiedliche Meinungen zum Rasen

Das erste Mal ein bisschen Konturen zeigten die Kandidaten bei der Frage, wie sie mit Raser verfahren würden. So will Manuela Lafatas (SLB), dass Raser in hohem Mass bestraft werden. Vor allem wenn es Opfer gibt. «Damit der Täter merkt, dass die Gesellschaft sowas nicht toleriert.»

Sanfter äusserte sich der Zetzwiler Meisterlandwirt und Hagelschadensexperte Herbert Burgherr (EDU). Für ihn ist ein grosser Teil des Übels schon behoben, wenn der Raser vor Gericht die Wurzeln seines Verhaltens erkennt. Regula Kiechle (FDP), die als ehemalige Leiterin der Pflege- und therapeutischen Dienste der Psychiatrischen Dienste Aargau Erfahrung hat mit Menschen, die in einem Stadium ihres Lebens aus der Reihe fallen, sagte : «Rasen ist kein Kavaliersdelikt und Autofahren kein Menschenrecht.» Der Führerausweis müsse darum für lange Zeit wenn nicht sogar lebenslänglich entzogen werden.

Peter Hediger (BDP) setzt derweilen eher auf Schocktherapie: Raser sollten sich Videos anschauen müssen, welche die Konsequenzen ihres Handelns zeigen oder sollten das Paraplegiker-Zentrum besuchen müssen. Werben tut der Unterkulmer so für sich: «Ich bin ein bodenständiger Typ. Eines meiner Vorbilder ist der Dölf Ogi, wenn ihr einen in diese Richtung wollt, wählt mich.»

Matina Hämmerli (Grüne) findet das bestehende Raser-Gesetz gut. Sie wehrt sich gegen mehr Überwachung auf Strassen. Raser seien Menschen, die anders ticken als der normale Autofahrer. Deshalb sei es richtig, nicht alle mit mehr Überwachung zu bestrafen. Die fünffache Mutter ist Personalmanagerin und führt ein Hilfswerk in Indien.

Margrit Gautschi (SVP) äusserte sich nicht zu den Rasern. Sie ist dafür überzeugt, dass sie auch bei Tätern die ihr sympathisch sind, problemlos Distanz wahren könnte. Der Wahlslogan der 66-Jährigen: «Ich repräsentiere einen grossen Teil der Bevölkerung.»

Vorlaute und stille Kandidaten

Wichtiger als das, was die Kandidaten sagten, war aber, wie sie etwas sagten. Es gab die Vorlauten, wie Regula Kiechle, die fast immer zuerst das Wort ergriff, manchmal auch anderen das Wort abschnitt. Es gab die Stillen, wie Margrit Gautschi, die einmal antworte: «Darauf kann ich nicht antworten. Gewisse Fragen brauchen ein bisschen Bedenkzeit.» Manuela Lafatas sprach frisch von der Leber weg, verlor manchmal den Faden und wurde auch mal missverstanden. Matina Hämmerli hackte nicht darauf herum, sondern machte sich stark dafür, das Missverständnis aufzuklären. Herbert Burgherr sprach besonnen und menschlich. Ihm fehlte noch die Präsenz, die es braucht bei einem Podium - er war nicht der Einzige.

Wer neuer Bezirksrichter oder Bezirksrichterin wird im Bezirk Kulm, das entscheidet sich bei der Wahl am 3. März.