Kölliken

«Schweizweit einzigartiges Gebiet»: Wird aus der Sondermüll-Wüste eine Natur-Oase?

Das SMDK-Areal (mit dem Grossloch-Bohrer) erinnert heute an eine Wüstenlandschaft.

Das SMDK-Areal (mit dem Grossloch-Bohrer) erinnert heute an eine Wüstenlandschaft.

Pro Natura nutzte die Hitze am Freitag, um auf ihr Anliegen für die Schaffung eines Feuchtgebietes in Kölliken aufmerksam zu machen.

Das Problem der Sondermülldeponie Kölliken (SMDK) ist weitgehend gelöst – aber noch nicht ganz. Das Gift ist weg, aber die Grube noch eine hässliche Narbe in der Landschaft. Die Wiederauffüllung soll im Herbst – mit leichter Verspätung – fortgesetzt werden. Noch gar nicht gelöst ist, was dereinst auf der Oberfläche geschehen wird. Im Zonenplan ist das sechs Hektaren grosse SMDK-Gelände heute eine weisse, nicht definierte Fläche.

Das soll sich ändern, doch kommen die raumplanerischen Arbeiten viel langsamer voran als erhofft. Eigentlich hätte bereits im letzten Winter das Mitwirkungsverfahren durchgeführt werden sollen. Doch es fand noch nicht einmal die kantonale Vorprüfung statt. Diese soll demnächst eingeleitet werden. Es sollen vier Hektaren landwirtschaftliche Fruchtfolgeflächen entstehen (eine davon nur für extensive Landwirtschaft). Auf zwei Hektaren sind naturnahe Flächen vorgesehen.

«Der Kanton ist gefordert»

Damit sind die Umweltorganisationen nicht einverstanden. Pro Natura, WWF und Birdlife haben ihre Forderungen bereits im Rahmen des Baugesuchverfahrens «Endgestaltung des SMDK-Areals» mittels einer Einsprache eingebracht (AZ vom 13. 3.). Dieses Verfahren ist im Moment nicht mehr von Bedeutung.

Aber die Hitze und die Trockenheit der letzten Tage veranlassten Pro Natura, erneut auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. Dies umso mehr, als aktuell dem Köllikerbach (er verläuft südlich der ehemaligen Deponie) kein Wasser mehr entnommen werden kann.

Für Matthias Betsche, den Präsidenten von Pro Natura Aargau, ist klar: «Die Situation zeigt es überdeutlich: Damit das bestehende Ackerland nicht vertrocknet, braucht es über der einstigen SMDK nicht noch mehr Äcker, sondern die Wiederherstellung der verloren gegangenen Feuchtgebiete.» Diese würden die Oberflächengewässer speisen und helfen, den Grundwasserspiegel zu halten.

Betsche hat konkrete Vorstellungen, was mit dem SMDK-Areal geschehen soll: «Wir möchten statt der vom Kanton geforderten Fruchtfolgeflächen ein schweizweit einzigartiges Gebiet für Naherholung, Biodiversität und nachhaltige Landwirtschaft schaffen. Dieses soll nebst ökologischen Funktionen auch Erlebnis- und Erholungsräume für Mensch und Natur bieten». Pro Natura hofft, ihre Vision im Rahmen des Raumplanungsverfahrens mit einer Spezialzone umsetzen zu können. «Der Kanton ist gefordert», sagt Betsche.

Die Umweltorganisation möchte nicht auf das Mitwirkungsverfahren warten, sondern regt die Schaffung eines runden Tischs an.

Wiederauffüllung geht im Herbst weiter

Die Oberfläche der ehemaligen Sondermülldeponie sieht aktuell aus wie eine Wüste. Die Grube ist mit rund 400'000 Tonnen Ausbruchsmaterial aus dem Eppenbergtunnel (SBB-Strecke Aarau–Olten) teilweise wieder aufgefüllt. Nachdem die SMDK innert nützlicher Frist keine Bewilligung für ihr Baugesuch «Endgestaltung des SMDK-Areals» erhalten hat, reichte sie das Light-Gesuch «Hangsicherung ehemalige Sondermülldeponie» ein. Demnächst findet die Einspracheverhandlung mit dem einzigen Einwender statt. Die SMDK hofft, die für August geplante Fortsetzung der Wiederauffüllung im Herbst in Angriff nehmen zu können.

Fast abgeschlossen sind die Grosslochbohrungen. Weil im Südwesten mehr kontaminiertes Material gefunden wurde als erwartet, machte man statt 170 insgesamt 185 Bohrungen. Zudem wurden wie geplant 16 Brunnen installiert.

Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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