Es ist ein einzigartiges Projekt in der 136-jährigen Geschichte der Heilsarmee Schweiz. Im Neubau an der Wiesenstrasse 8 in Reinach werden alle Angebote der Heilsarmee Aargau Süd unter einem Dach zusammengefasst: Sozialarbeit, Nahrungsmittelabgabe, begleitetes Wohnen, Notschlafstellen, Kinderhort, Gebetsraum und Brockenstube.

Die Heilsarmee Aargau Süd hatte schon lange mit Platzproblemen zu kämpfen. Seit acht Jahren wurden die Gottesdienste in einem Zirkuszelt abgehalten, das für die 60 bis 80 regelmässigen Besucher aber kaum genug Platz bot. Dies gehört bald der Vergangenheit an: Gestern wurde der Grundstein zum Neubau gelegt; läuft alles nach Plan, ist er im November 2019 bezugsbereit. Etwa 50 Leute, zu einem guten Teil in Heilsarmee-Uniform, waren beim Spatenstich anwesend. Die Bedeutung des Anlasses wird bei einem Blick auf die Rednerliste klar: Es sind einige Aushängeschilder der Heilsarmee Schweiz dabei. Eines davon ist Daniel Röthlisberger, Leiter Sozialwerk. Er betonte, dass ein Begegnungszentrum entstehen soll, in dem auf alle Bedürfnisse Rücksicht genommen wird. «Die Kombination von Sozialarbeit und Kirche wird und wurde im Korps Reinach schon immer gelebt», lobte Röthlisberger.

Die Reinacher Gmeind sagte Ja

Einen prominenten Platz im Neubau hat die Brocki: Sie wird eine Verkaufs- und Ausstellungsfläche von 1300 Quadratmetern auf zwei Geschossen besetzen. Weil die Verkaufsfläche so gross ist, war dafür eine Teilrevision der Nutzungsplanung nötig. Diese wurde im Sommer 2015 von den Reinacher Stimmbürgern genehmigt. Gemeindeammann Martin Heiz sagte am Spatenstich, er sei überzeugt, dass auf diesem Platz eine «gefreute Sache» entstehen wird. Ihn beschäftigte jedoch die ungeklärte Frage, was mit dem Zirkuszelt geschehen wird.

Seit gut einem Jahr obliegt die Leitung der Heilsarmee Aargau Süd einem Ehepaar: Peter und Katharina Hauri. «Mit dem Neubau können wir unser Angebot optimieren», erklärt Peter Hauri. Die Dienstleistungen der Heilsarmee sind gefragt: Etwa die Lebenmittelabgabe, wo die Zahl der Bezugsberechtigten stetig angestiegen ist. Damit es für alle genug hat, können Bezüger aktuell nur an einem von zwei wöchentlichen Abgabeterminen Lebensmittel holen.
«Mussten nie Leute abweisen»

Auch die Notunterkunft wird aufgestockt: Statt einem Platz stehen im Neubau zwei Plätze zur Verfügung. «Die Notschlafstelle war immer gut ausgelastet», so Hauri. «Da wir grossen Support von der Gemeinde Reinach bekommen und sehr gut vernetzt sind, mussten wir aber nie jemanden abweisen.» Beibehalten werden die drei Plätze für begleitetes Wohnen. «Das kommt Menschen zugute, die einen gewissen Schutzraum brauchen, und bereitet sie auf die wirkliche Selbstständigkeit vor», erklärt Hauri.

Fundraising geplant

Die Heilsarmee lässt es sich einiges kosten, alles nach den eigenen Vorstellungen gestalten zu können: 8,7 Millionen Franken. Die Ausgaben trägt die Organisation vollumfänglich selbst, allerdings soll ein Fundraising bei der Finanzierung helfen.