Gontenschwil
Schweizer Demokraten und Grüne wehren sich gegen Industriezone

Gontenschwil will seine Industriezone um 2,4 Hektaren erweitern. Dafür ist eine Richtplananpassung durch den Grossen Rat nötig. Grüne und Schweizer Demokraten wehren sich dagegen.

Peter Siegrist
Drucken
Teilen
2,4 Hektaren Landwirtschaftsland will die Gemeinde einzonen.

2,4 Hektaren Landwirtschaftsland will die Gemeinde einzonen.

psi

Die Gemeinde Gontenschwil hat am nördlichen Dorfrand ein gut erschlossenes und belegtes Industriegebiet. Um mehreren hier bereits ansässigen Firmen eine Erweiterung zu ermöglichen, will die Behörde das Industriegebiet Mättenfeld mit einer Teilzonenplanänderung vergrössern. Die Zonenplanänderung liegt nicht allein im Kompetenzbereich der Gemeinde. Weil der kantonale Richtplan angepasst werden muss, kommt dieses Geschäft vor den Grossen Rat.

«Keine Verschacherung von Land»

Die Schweizer Demokraten (SD), die Grüne Aargau und die SVP Aargau haben sich in Stellungnahmen bereits verlauten lassen. SD und Gründe lehnen beide die Richtplananpassung mit ähnlichen, landschaftsschützerischen Argumenten ab, während die SVP dem Geschäft vorbehaltlos zustimmt. Für die SD «ist es wichtig, dass im oberen Wynental Arbeitsplätze erhalten oder neue geschaffen werden». Trotzdem lehnt die Partei die Reduktion von Fruchtfolgeflächen ab. «Es ist für kommende Generationen verantwortungslos, wenn der Zerstörung von Fruchtfolgeflächen für Firmenneubauten auf Vorrat in unbedachter Art und Weise Beihilfe geleistet wird.» Für die SD ist dies «Raubbau an der Natur».

Es sei schlicht zur Unsitte geworden, so die Schweizer Demokraten, dass sich viele Gemeinden geradezu übertrumpfen wollten mit der Zuzonung von Industrieland. «Eine solche landschaftsvernichtende Politik kann die SD nicht unterstützen», steht in der Vernehmlassung. Es sei wohl nur eine Frage der Zeit, bis andere Gemeinden im Aargau Süd nachziehen wollten. Dabei habe Reinach alleine 21,5 Hektaren Industrieland, wovon 11 Hektaren sofort verfügbar seien.

Jede Gemeinde fahre im Oberwynental ein Extrazüglein, monieren die Schweizer Demokraten, statt «die Kräfte bezüglich Industriezonen zu bündeln». Da zeige sich wieder einmal, dass die «verantwortlichen Gemeinden in dieser Beziehung kein raumplanerisches Konzept aufzeigen können», folgern die SD.

Die SVP Aargau sieht den Sachverhalt anders. Kurz und knapp schreibt die Partei: «Die zusätzliche Fläche wird dringend benötigt und es geschieht nicht auf Vorrat. Es ist notwendig, damit im ländlichen Raum ein Weiterbestehen von angestammten Gewerbebetrieben mit wichtigen Arbeitsstellen möglich ist.»

Anpassung nur mit Kompensation

Die Grünen Aargau halten zu Beginn ihrer Vernehmlassung fest: «Für die Grünen ist der Boden eine ebenso wichtige Ressource wie Energie.» Und sie schliessen daraus, ähnlich wie die Schweizer Demokraten: «Für den effizienten Umgang mit dem Boden müssen die Gemeinden ihre Raumplanung aufeinander abstimmen.» Der kommunale Standortwettbewerb, wo jede Gemeinde für «sich möglichst grosse Zonen reklamiert», sei völlig kontraproduktiv.

Die Grünen möchten deshalb zuvorderst die Regionalplanungsgruppen stärken, in diesem Fall den Gemeindeverband aargauSüd impuls.

Zu viel eingezontes Bauland

Gontenschwil verfüge über eine überdurchschnittliche Baulandreserve von nahezu 25 Hektaren, was den Grundsätzen des Bundesgesetzes über die Raumplanung widerspreche. Zudem seien im Einzugsgebiet aargauSüd noch «ausreichend Industrielandreserven (baureif 21,5 Hektaren und baureif in fünf Jahren weiter 11,5 Hektaren) vorhanden». Diese Flächen und die Industriebrachen in Reinach und Menziken sollten zuerst genutzt werden, bevor wieder neue Bauzonen auf Kosten von Landwirtschaftsland geschaffen würden. Das Regionale Entwicklungskonzept (REK) verlange denn auch: «Die Siedlungen sind nach innen zu verdichten. Einzonungen sollen nur noch in Ausnahmefällen vorgenommen werden und womöglich mit Auszonungen kompensiert werden.»

Die Grünen folgern für Gontenschwil, der eben erst erstellte Richtplan sei höher zu gewichten, als die Forderung nach Ausdehnung der Industriezone. Sie lassen aber eine Tür offen: «Ohne gleichwertige, konkrete Kompensation von bestehendem Bauland am Siedlungsrand lehnen wir die begehrte Einzonung ab.»