Zetzwil
Schürmatt erhält Auftrag für den Aufbau einer Übergangswohngruppe

Der Kanton Aargau reagiert auf die Tatsache, dass Jugendliche mit geistiger Behinderung häufiger von psychiatrisch bedeutsamen Leiden betroffen sind als ihre Gleichaltrigen ohne Beeinträchtigungen.

Peter Siegrist
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Polier Astrit Thaqi orientiert Heinz Linder, Bereichsleiter Kinder und Jugendliche der Schürmatt, über den Baufortschritt. (psi)

Polier Astrit Thaqi orientiert Heinz Linder, Bereichsleiter Kinder und Jugendliche der Schürmatt, über den Baufortschritt. (psi)

Die Stiftung Schürmatt in Zetzwil hat den Auftrag erhalten, eine Übergangswohngruppe zu schaffen für Kinder und Jugendliche, die nebst ihrer geistigen Behinderung mit massiven psychischen Störungen leben.

Heinz Linder, Bereichsleiter Kinder und Jugendliche in der Schürmatt, erklärt das neue Konzept «Passage», welches ab 1. November realisiert wird. «Mit dem neuen Angebot schliessen wir im Auftrag des Kantons eine Lücke zwischen Jugendpsychiatrie und Sonderpädagogik», sagt Linder.

«Bei dieser Passage geht es darum, dass die Sonderpädagogik, unterstützt von der Psychiatrie, die Förderung und Betreuung von Kindern mit geistiger Behinderung und massiven psychischen Störungen übernimmt», sagt Linder.

Interdisziplinäres Handeln

Auf die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen mit geistiger Behinderung und psychischen Störungen muss interdisziplinär eingegangen werden. Das vorliegende Konzept Passage wurde von Heinz Linder, Schürmatt, mit Jürg Unger, Chefarzt KJPD, erarbeitet. Ebenso ist in der täglichen Arbeit sonderpädagogisches und psychiatrisches Wissen und Können zu verbinden.

So sei psychiatrisch geschultes Fachpersonal zu wenig vertraut mit den Lebensumständen und der Kommunikation geistig behinderter Kinder und Jugendlicher, erklärt Linder. Andererseits seien Sonderschulen und ihr Fachpersonal nicht darauf ausgerichtet, Jugendliche zu betreuen, die in hohem Masse fremd- und selbstaggressiv handelten.

Aufenthalt in Passage ist befristet

Das Konzept der Passage trägt diesem Umstand Rechnung. Die Schürmatt schafft ein befristetes stationäres Angebot mit vorerst vier Plätzen für Jugendliche. In der Regel treten die Klienten nach einer stationären kinderpsychiatrischen Behandlung in die Passage ein. Das Raumangebot gewährt Sicherheit, Geborgenheit und Handlungsraum.

Essenziell ist dabei, dass ein Wohn-, Schul- und Therapiesystem aufgezogen wird, das sich den akuten individuellen Bedürfnissen der Jugendlichen anpasst. Dies wird durch eine «hochgradige» interdisziplinäre Zusammenarbeit im Team zwischen Heil- und Sozialpädagogen sowie Pflegefachleuten aus der Psychiatrie erreicht. Der Kanton rechnet mit einem Bedarf von vier Plätzen.

Am 1. November, wenn der provisorische Bau fertig ist, startet die Passage mit vier Klienten. Die Aufenthaltsdauer beträgt in der Passage maximal ein Jahr. Nachher sollen die Klienten wieder ins ordentliche sonderpädagogische System integriert werden.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden auf die neue Arbeit kompetent vorbereitet. Die multidisziplinäre Zusammenarbeit führt bei jedem Jugendlichen zu einem individuellen Gesamtbehandlungsplan.

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