Gontenschwil
Schulleiter Markus Läser: «Ich bin kein Reformturbo, ich wollte die Schule wachsen lassen»

Markus Läser, Leiter der Primarschule Gontenschwil, geht im Sommer in Pension. Von Lehrern und Schülern wird immer mehr abverlangt, findet er.

Peter Siegrist
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Engagiert: Markus Läser ist seit 25 Jahren an der Schule Gontenschwil tätig.

Engagiert: Markus Läser ist seit 25 Jahren an der Schule Gontenschwil tätig.

Peter Siegrist-Bild und Text

«Ja», ich würde diesen Berufsweg wieder einschlagen», sagt Markus Läser, Schulleiter der Primarschule Gontenschwil, der diesen Sommer mit 66 Jahren in Pension geht. Wer so ein Fazit ziehen kann, dem war die Arbeit mehr als nur ein Job. Markus Läser lehnt sich an die Brunnensäule und blickt über den Pausenplatz. Hier hat er während der letzten zehn Jahre die Primarschule geleitet, und seine Aufgabe gefällt ihm noch gleich gut wie am ersten Tag. Läser war in Gontenschwil erst Primarlehrer, dann Rektor, und 2007 übernahm er als erster Schulleiter den Aufbau der geleiteten Primarschule.

In dieser Zeit ist er vom Kollegen zum Vorgesetzten der Lehrpersonen geworden. «Markus Läser ist fachlich und menschlich kompetent», sagt Gemeindeammann Renate Gautschy. «Er pflegte mit der Behörde einen bewussten Umgang.» Läser habe immer gewusst, wo er stehe in seiner Funktion, und habe auf klare Prozesse geachtet. Er habe sich für seine Anliegen mit stichfesten Argumenten eingesetzt. «Wir konnten ihm kaum etwas ausschlagen», schmunzelt Gautschy. «Sein Rücktritt ist ein Verlust für das Dorf.»

Exkurs in die Privatwirtschaft

Markus Läser wuchs in Oberkulm auf, sein Vater führte in Gontenschwil eine Druckerei. 1971 bestand er in Aarau die Matura und liess sich daraufhin am Oberseminar in Zürich zum Primarlehrer ausbilden. In die Praxis eingestiegen ist Läser in Schöftland, wo er seine erste Stelle an der Unterstufe übernahm «Das war meine Stufe», sagt er. Die Kinder in den Schulbetrieb einführen und ihnen Lesen, Schreiben, Rechnen beibringen, das wollte er tun. Auf Schöftland folgte eine Anstellung in Hunzenschwil, bis ihm dann sein Vater einen Weg ausserhalb der Schule vorschlug. Markus Läser wurde Verkaufsleiter der Druckerei in Gontenschwil.

Hier musste er sich in der freien Wirtschaft mit ihren eigenen Gesetzen bewähren. Nach sechs Jahren allerdings zog es ihn zurück in die Schule, in seinem Innern war er trotz aller Begeisterung für das Geschäftsleben Pädagoge geblieben. Dass er Erfahrungen ausserhalb des Schulkosmos hatte, habe man gespürt, sagt Renate Gautschy.

Läser übernahm 1992 in Gontenschwil im Schulhaus Oberdorf eine Primarschulstelle. Er unterrichtete eine gemischte Klasse mit Erst- und Zweitklässlern. Den Kontakt zu Oberstufenschülern holte er als Fachlehrer für Englisch an der Sekundarschule. Als 2003 der Kanton die ausschliessliche Führung von Jahrgangsklassen verlangte, wechselte er ins Dorfschulhaus und übernahm gleichzeitig das Rektorat und bildete sich zum Schulleiter aus.

2007 beauftragte die Schulpflege Markus Läser mit der Funktion des ersten Schulleiters an der Primarschule. Eine sehr gute Wahl sei dies gewesen, ist von Margareta Keller, der Schulpflegepräsidentin, zu hören. «Er ist ein weiser Mensch», sagt sie, «er sucht immer das Beste für Schüler und Lehrpersonen.» Läser habe über die letzten vier Jahre zu seinem 60-Prozent-Leitungsjob keinen Unterricht mehr gegeben. «Ich weiss, dass er über weit sein Pensum hinaus gearbeitet hat, das rechne ich ihm hoch an.»

«Ich bin kein Reformturbo, ich wollte die geleitete Schule wachsen lassen.» Läser konnte bei der immer umfangreicheren Bildungsadministration auf die Unterstützung der Schulsekretärin Brigitte Erismann zählen. Der Kanton verlange von den Schulen immer mehr Daten. «Alles ist vernetzt und kontrolliert in alle Richtungen.» Einfache Anstellungen von Lehrpersonen und Stellvertretungen würden zum eigentlichen Formularkrieg, der Ressourcen binde.

Läser hat auch Unterstützung von aussen angenommen. In Begleitung des kantonalen Schul-Coachs, Roland Härri, hat er das neu verlangte Qualitätsmanagement aufgebaut. Wichtig sei stets gewesen, die Lehrkräfte in der Entwicklung dabei zu haben. Die Trennung der operativen Tätigkeit des Schulleiters von der strategischen Arbeit der Schulpflege habe seit Beginn funktioniert. Läser denkt dabei an die Einführung des Schwimmunterrichts für Zweitklässler oder des Skilagers. An regelmässigen Klausurtagungen habe man die Schule weiterentwickelt.

Immer neue Knacknüsse

Permanentes Zuckerschlecken war die Schulleitung nicht. Da sei zum Beispiel die vom Grossen Rat verordnete Erhöhung des minimalen Klassenbestandes von 12 auf 15 Kinder zur Knacknuss für die Pensenzuteilung geworden. Heute werde den Lehrpersonen und Schulkindern von den Bildungsfachleuten immer mehr abverlangt, sagt Läser. Auch in Gontenschwil wird integriert unterrichtet. Kleinklassenschüler besuchen die Regelklassen und erhalten Unterstützung von Heilpädagoginnen. Weiter ist das altersdurchmischte Lernen (AdL) Programm geworden. Und es befinden sich in den Klassen Kinder mit verstärkten Massnahmen (VM). Zu viel werde da einer Klasse zugemutet: Altersdurchmischt, integrativ, besondere Fördermassnahmen plus zwei Fremdsprachen. «Für mich ist es bis heute überhaupt nicht geklärt, ob ‹integrativ› besser ist als ‹separativ›, da bleiben zu viele Fragen offen», sagt Läser.

Wenn er im Juli das Schulleiterbüro räumt, will er sich vorerst mit seiner Photovoltaik-Anlage beschäftigen. Energiefragen und der Weg zur energetischen Unabhängigkeit interessieren ihn. Und selbstverständlich will er sein liebstes Hobby, das Singen im Luzerner Konzertchor Klangwerk, weiterpflegen.

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