Das Schulhaus in Schmiedrued liegt idyllisch im Ortsteil Walde. Kinder spielen auf der Wiese mit Flugzeugen. Doch idyllisch ist es hier nicht immer. Hinter den Mauern spielte sich in den letzten Monaten ein Konflikt ab, der darin gipfelte, dass zwei Schulpflegemitglieder per sofort demissionierten.

Damit stand Annette Hunziker als Schulpflegerin alleine da, sie, die ihr Amt erst Anfang Jahr antrat. «Für mich gab es keinen Grund, aufzuhören», sagt sie.

Rückblende: In die Schlagzeilen geraten ist die Schule vor etwas mehr als vier Jahren mit der Geschichte um den damaligen Schulpflegepräsidenten René Schneider, der zwei seiner Kinder zu Hause unterrichtete. Dieser Umstand kam damals bei den Lehrern nicht gut an.

Konflikt auf allen Ebenen

Im laufenden Schuljahr ist schon der zweite Schulleiter am Drücker. Im Dezember trat der neue Schulleiter Rolf Roesen seine Stelle an, im November wurde er den Lehrern vorgestellt. Dies lief nicht ganz im Sinne der Lehrer. «Wir wissen, dass wir keine Entscheidungsgewalt haben, aber ein gewisses Mitspracherecht haben wir erwartet», sagt Primarlehrerin Gaby Epper, die seit über 30 Jahren an der Schule tätig ist. «Es gab keine Zusammenarbeit und die Pensenplanung für das neue Schuljahr blieb bis Anfang März liegen.»

Es gab immer mehr Unstimmigkeiten und Missverständnisse zwischen Schulpflege, Schulleitung und Lehrpersonen. «Der neue Schulleiter hätte bereits Erfahrungen in diesem Amt mitbringen müssen, doch mitten im Schuljahr findet man nicht so schnell einen neuen Schulleiter», sagt Ammann Marliese Loosli.

Roesen wohnt in Frankreich (Elsass) und unterrichtet als Fachlehrperson an anderen Schulen Englisch und Französisch. Zudem ist er im Bereich Qualitätsmanagement von Schulen tätig. Bis Ende Schuljahr ist er befristet angestellt, nun läuft ein ordentliches Bewerbungsverfahren für eine 40-Prozent-Stelle als Schulleiter.

Zum besagten Konflikt will er jedoch keine Stellung nehmen.

Weil die Situation zu überborden drohte, griff der Gemeinderat ein. Eine Mediation wurde einberufen, zu einer Lösung hat sie nicht geführt. «Das Vertrauen zwischen dem Lehrerteam und der Schulpflege ist zerrüttet», sagt Lehrerin Gaby Epper.

Sie könne sich vorstellen, dass dies bei einigen Lehrern auch auf die Situation vor vier Jahren zurückzuführen sei, als der damalige Schulpflegepräsident Schneider beschloss, seine Kinder zu Hause zu unterrichten.

Vor drei Wochen haben Schulpfleger René Schneider und Schulpflegepräsidentin Esther Müller die Demission per sofort eingereicht. «Ich habe dies aus familiären und persönlichen Gründen gemacht, sicher nicht, weil ich mich so aus dem Konflikt herausziehen wollte», sagt Esther Müller.

René Schneider sagt: «Der Gemeinderat hat mich darum gebeten, den Weg freizumachen für die neue Lösung, die schon organisiert war.» Trotz der Demission wären die beiden Mitglieder offiziell bis zu den Neuwahlen im Amt. «Es war wie ein Vakuum.

Wegen des Konflikts ist nichts mehr gegangen», sagt Marliese Loosli. «Die Unsicherheit bei den Lehrern war gross, weil sie nicht wussten, wie es im nächsten Schuljahr weitergehen soll», ergänzt Gemeinderätin Liliane Brunner, zuständig für das Ressort Bildung.

Neues Konzept genehmigt

Deshalb haben die zwei Gemeinderätinnen und die übrig gebliebene Schulpflegerin Annette Hunziker ein Konzept zur strategischen Schulführung ad interim ausgearbeitet, welches vom Gemeinderat genehmigt wurde. Auch die Gemeindeabteilung des Kantons Aargau hat dieses letzte Woche gutgeheissen. «Die Gemeindeabteilung hatte in den letzten Jahren keine vergleichbaren Fälle zu behandeln», sagt Martin Süess, Leiter Rechtsdienst der Gemeindeabteilung.

Das Konzept sieht vor, dass die zwei Gemeinderätinnen Loosli und Brunner bis zum 30. September als ausserordentliche Mitglieder der Schulpflege eingesetzt werden, um deren Handlungsfähigkeit sicherzustellen. Gibt es da keinen Interessenskonflikt? «Zwischen dem Mandat als Gemeinderat und demjenigen als Mitglied der Schulpflege besteht keine Unvereinbarkeit. Eine Person kann somit beide Ämter gleichzeitig ausüben», sagt Süess.

Am 28. September sollen zwei neue Schulpfleger gewählt werden. Zuerst brauche es aber wieder Ruhe, Stabilität und Konstanz im Schulbetrieb. «Eine geregelte Überführung der Oberstufe diesen Sommer nach Schöftland und die Umstellung auf das neue Schulsystem 6/3 wird sorgfältig geplant», steht in der Information an die Bevölkerung. «Mit diesem Konzept wollen wir den neuen Schulpflegern im Oktober einen optimalen Start ermöglichen», sagt Loosli.

Die Lehrerin Gaby Epper ist zufrieden, bereits seien die Pensen bewilligt worden. Nun gehe es an die Feinplanung. Sie ist sich sicher: «Der Stein ist erst dank diesem neuen Konzept ins Rollen gekommen.»