Reinach
Schule damals und heute: Als die Kindergärtler noch Heimarbeit leisteten

Die Ausstellung «Das grosse Klassentreffen» zeigt im Museum Schneggli auf, wie die Schule früher war. Auf einem alten Klassenfoto gibt es auch einen ehemaligen Bundesrat zu sehen.

Peter Weingartner
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Der pensionierte Sekundarlehrer René Fuchs hat diverse Archive durchforstet und eine Ausstellung mit zahlreichen Schulgeschichten zusammengestellt.

Der pensionierte Sekundarlehrer René Fuchs hat diverse Archive durchforstet und eine Ausstellung mit zahlreichen Schulgeschichten zusammengestellt.

Peter Weingartner

«Ich habe noch nie so viele Bilder aufgehängt», sagt Ursula Rüesch, Präsidentin der Vereinigung Museum Schneggli. Kommt dazu, dass viele Bilder viele Menschen zeigen: Klassenfotos. Beim Jahrgang 1941 ist der ehemalige Bundesrat Kaspar Villiger aus Pfeffikon LU als Bezirksschüler zu sehen. Ortsansässige haben die Chance, sich selber zu finden.
«Es geht um unsere Schulen, damals und heute», sagt der pensionierte Sekundarlehrer René Fuchs. Er hat in Archiven gegrübelt und Schulgeschichten der Gemeinden Beinwil am See, Birrwil, Burg, Gontenschwil, Leimbach, Menziken, Pfeffikon, Reinach und Zetzwil zusammengefasst.

Viel Material kam zusammen

«Die Idee hatte ich vor zwei Jahren», sagt René Fuchs. Auch Privatpersonen haben ihm Material zukommen lassen, Lokalhistoriker wie Karl Gautschi und Peter Steiner ebenso wie ehemalige Lehrpersonen, Schülerinnen und Schüler. Zusammengekommen ist ein Sammelsurium an Dokumenten, Objekten und Bildern, die René Fuchs nun sauber geordnet präsentiert. Bereit, viel Gesprächsstoff zu liefern, auch zwischen den Generationen.

Logisch: Die grossen Gemeinden erhalten auf dem beschränkten Raum des Museums mehr Platz. Zum Beispiel Reinach. Da ist zu lesen, dass 1899 drei Zigarrenunternehmer und zwei Apotheker mit einer Geldspritze den Bau des Centralschulhauses initiiert haben. Grosse Zimmer für je 60 Kinder, «gesunde und luftige Räume».

Die Ausstellung Sie ist geöffnet jeweils samstags und sonntags von 13.30 bis 17 Uhr, an allen vier November-Wochenenden. Für Schüler gibts ein Klassenquiz, für Abschlussklassen am Sonntag, 18. November, für Primarschulen am Samstag, 24. November, jeweils um 14 Uhr. Mit gesponserten Geldpreisen.

Die Ausstellung Sie ist geöffnet jeweils samstags und sonntags von 13.30 bis 17 Uhr, an allen vier November-Wochenenden. Für Schüler gibts ein Klassenquiz, für Abschlussklassen am Sonntag, 18. November, für Primarschulen am Samstag, 24. November, jeweils um 14 Uhr. Mit gesponserten Geldpreisen.

Peter Weingartner

Da treten interessante Details zutage, etwa die Tatsache, dass der Luzerner Liberale Franz Dula aus Buttisholz, Rektor der Bezirksschule Reinach, daselbst das Kadettenwesen eingeführt hat. Das war 1843, kurz vor den Freischarenzügen der Liberalen gegen die Konservativen in Luzern, was letztlich zum Sonderbundskrieg 1847 und zur ersten Schweizerischen Bundesverfassung 1848 geführt hat.

Kurioses und Tragisches

Die Ausstellung lässt schmunzeln. So hat offenbar ein Schüler 1945 einen (sicher nicht erlaubten) Schnappschuss getätigt, der einen Reinacher Lehrer beim genüsslichen Ausholen mit dem Stock – Ziel: der Hintern eines Mitschülers – zeigt. Man liest auch, wie 1918 drei Gontenschwiler Schüler bestraft wurden, weil sie im Wirtshaus einer Nachbargemeinde beim Alkoholkonsum erwischt wurden. Und der Lehrer J. Strebel hat im «Selbstferlag des ferfassers» ein Büchlein, «Di fereinfachung der ortografi» herausgegeben, das er vor knapp 100 Jahren der Gontenschwiler Schule schenkte.

Die Ausstellung zeigt ein Stück Sozialgeschichte. So leisteten noch 1910 in Beinwil 56,8 Prozent der Kindergartenkinder Heimarbeit, vor und nach der Schule. Zigarren. Ältere mussten bereits um 5 Uhr morgens anfangen. 1859, so ist zu lesen, waren von 42 Kindern nur 9 in der Schule. Im Sommer sollten sie «wenigsten drei Halbtage in der Woche» die Schule besuchen. Mithilfe war wichtiger. Krankheiten wie die Tuberkulose sowie eine Kindersterblichkeit von zeitweise über 10 Prozent illustrieren die Härte des Lebens im 19. Jahrhundert.

Vernissage in der Brau-Garage

Die Ausstellung zeigt auch einen Blick in die modernen Lernformen; man kann im Gang und im Café aktuelle Zeichnungen bewundern. Und Reinacher Primarklassen stellen sich in Figuren vor, wie sie 2040 aussehen.

Den Bogen von der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft spannt das Referat von Christian Aeberli, Leiter der Abteilung Volksschule des Kantons Aargau. An der Vernissage spricht er zum Thema «Die Schule der Zukunft». Dieser Anlass, musikalisch begleitet von den Reinacher Neumatt- und Menzo-Singers unter Ruedi Lehnherr, findet im Obergeschoss der Brau-Garage statt, und zwar am Freitag, 2. November, um 19 Uhr.