Unterkulm
Schon wieder soll eine Kapelle verschwinden

Die Chrischona prüft den vorzeitigen Abbruch ihres ehemaligen Versammlungslokals in Unterkulm. Das Gebäude steht aber unter kommunalem Schutz.

Rahel Plüss
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Die Chrischona-Kapelle an der Hauptstrasse 66 hat als Versammlungsraum ausgedient. Chrischona Schweiz hofft, das Areal neu überbauen zu können. Rahel Plüss

Die Chrischona-Kapelle an der Hauptstrasse 66 hat als Versammlungsraum ausgedient. Chrischona Schweiz hofft, das Areal neu überbauen zu können. Rahel Plüss

Rahel Plüss

Die ehemalige Neuapostolische Kirche in Unterkulm ist eingerüstet. Es erinnert kaum mehr etwas an das einstige Gotteshaus. Das markante Spitzdach ist weg, die Kirche wird zum privaten Einfamilienhaus umgebaut. Jetzt verschwindet auch noch die zweite Kapelle im Dorf. Das leerstehende Versammlungslokal der Chrischona-Gemeinde soll abgebrochen werden – zusammen mit dem leerstehenden Jungscharhaus nebenan.

Vor rund zwei Jahren hatte sich die Chrischona-Gemeinde Unterkulm aufgelöst. Seither steht die Kapelle leer. Eine sakrale Nutzung steht offensichtlich nicht mehr im Vordergrund. Chrischona Schweiz hat auf den beiden Parzellen in Zentrumsnähe andere Absichten. Man plane eine «strategische Neuausrichtung», heisst es auf Anfrage. Die kirchliche Gemeinschaft will in Immobilien investieren. Details sind noch keine bekannt.

Warten auf BNO-Revision?

Der Haken: Im Gegensatz zur Neuapostolischen Kirche, die mit Baujahr 1969 vergleichsweise jung ist, steht die Chrischona-Kapelle aus dem Jahr 1904 unter kommunalem Schutz. Jedenfalls solange die alte Bau- und Nutzungsordnung (BNO) noch in Kraft ist. Im Zuge der Revision soll das Objekt nämlich aus dem Inventar der geschützten Bauten gestrichen werden, wie Reto Müller, Bauverwalter Region Kulm, erklärt.

Bis die neue BNO Gültigkeit hat, kann es aber noch dauern. Das Planwerk lag bis Ende März zur öffentlichen Mitwirkung auf, nicht weniger als 40 Mitwirkungsbeiträge gingen ein. Als Nächstes werden diese Inputs nun durch die Planungskommission geprüft und dem Gemeinderat vorgelegt. Die öffentliche Auflage ist gemäss Bauverwaltung nach den Sommerferien 2017 vorgesehen. Läuft alles nach Plan, könnte die neue BNO im Jahr 2018 zur Abstimmung gebracht werden.

Die Chrischona möchte nicht so lange warten und hat deshalb bei der Gemeinde ein Vorentscheidgesuch gestellt. Die Kirchgemeinde will damit eruieren, ob es allenfalls möglich ist, das Haus vor Rechtsgültigkeit der revidierten BNO abzubrechen. «Das braucht eine Ausnahmebewilligung», so Reto Müller. Und da hat auch die kantonale Denkmalpflege ein Wörtchen mitzureden.

Frühzeitiger Abbruch vertretbar

«Wir haben aus fachlicher Sicht grünes Licht gegeben, dass man die Kapelle im Zuge der BNO-Revision aus dem Bauinventar entlassen kann», sagt Pius Räber von der Fachstelle der kantonalen Denkmalpflege auf Anfrage. «Anlässlich einer Innenbesichtigung der Kapelle musste festgestellt werden, dass das Gebäude heute nicht mehr seinem eigentlichen Zweck als Versammlungsraum dient und dass das Innere mit Ausnahme einer alten Fensterverglasung über keine relevante bauzeitliche Ausstattung mehr verfügt», so Räber. Damit habe das Gebäude doch wesentlich von seinem kulturgeschichtlichen Zeugenwert eingebüsst, so die Begründung der Fachstelle.

Kann die Kapelle aus Sicht der Denkmalpflege also vorzeitig abgebrochen werden? Pius Räber sagt: «Vom fachlichen Standpunkt her wäre aus unserer Sicht eine frühzeitige Freigabe des Objektes vertretbar, da es ja in der laufenden Aktualisierung der BNO nicht mehr als Schutzobjekt vorgesehen ist.»

Über den Grundsatzentscheid für einen vorzeitigen Abbruch wird der Gemeinderat nach Ablauf der öffentlichen Auflage und Prüfung der Stellungnahme der Denkmalpflege befinden. Gibt er das Gebäude frei, hat ein ordentliches Baugesuchsverfahren zu folgen. Das Vorentscheidgesuch liegt noch bis zum 17. Mai öffentlich auf.