Eben erst das Hallenbad für fünf Millionen Franken saniert und nun schon die nächste teure Badi-Sanierung? Das kommt bei vielen Menzikern nicht gut an und sorgte an der Gemeindeversammlung vom Mittwoch für rege Diskussionen.

Der Hintergrund: Menziken leistet sich seit Jahrzehnten ein für seine Verhältnisse sehr teures Freizeitangebot: Die Badi Walzimatt ist allein für acht Prozentpunkte des 120 Prozent hohen Steuerfusses verantwortlich. 2017 sprach die Gemeinde einen Kredit von fast fünf Millionen Franken für die Rundum-Sanierung des in die Jahre gekommenen Hallenbads. Nach elf Monaten Bauzeit wurde es vergangenen Januar neu eingeweiht. «Es ist nicht alltäglich bei unserer Finanzlage in Menziken, dass wir einen so grossen Beitrag in ein Hallenbad investieren können», sagte damals der verantwortliche Gemeinderat Hans Heinrich Leuzinger vor Sportminister Alex Hürzeler.

Damals war bereits klar, dass auch in der Aussenbadi noch Arbeiten notwendig sein werden: Die Folien, die die zwei grossen Schwimmbecken abdichten, haben mit 25 Jahren ihren Zenit längst überschritten. Das Unternehmen, das sie mit Flickarbeiten notdürftig zusammenhält, kommt mit seinen Möglichkeiten an seine Grenzen. Das Chlor frisst sich zunehmend durch Risse in den Beton und greift das Fundament an. Soweit war an der Gemeindeversammlung alles unbestritten. Die Krux: Der Gemeinderat hat das Budget für die Sanierung des Freibads vor der Gemeindeversammlung überraschend von wenigen hunderttausend Franken im Finanzplan auf rund 1,7 Millionen Franken erhöht und einen entsprechenden Kreditantrag gestellt. Plötzlich ging es nicht mehr nur um die Folien, sondern um Leitungen, die Wasseraufbereitungsanlage, Düsen und anderes, das erneuert werden müsse.

An der Gemeindeversammlung versuchte sich Gemeinderat Leuzinger zu erklären: Man habe erst bei den Aussenarbeiten ums Hallenbad gemerkt, dass noch mehr Arbeit nötig sein wird. Die nun nötigen Sanierungsschritte hätten ohnehin nicht in den Kredit fürs Hallenbad aufgenommen werden können, weil dieser dann so hoch gewesen wäre, dass er womöglich abgelehnt worden wäre.

Für viele der 114 Stimmberechtigten im Saal roch das nach «Salamitaktik», wie Redner Felix Matthias sagte. Er kritisierte, dass schon vor Jahren ein langfristiger Finanzplan für die Bäder gefordert worden sei, der Überraschungen verhindern sollte. Gemeinderat Leuzinger wendete ein, die involvierten Unternehmen hätten die Gemeinde besser informieren müssen. Ein Mitglied der Baukommission bestätigte, dass der Gemeinderat vom neuerlichen Ausmass überrascht worden sei und deshalb nicht von einer Salami-Taktik gesprochen werden könne. Viele der nötigen Arbeiten seien auf über die Jahre modernisierte Normen zurückzuführen.

«Können wir uns das leisten?»

Die vielen Zweifel am Vorgehen des Gemeinderats führten auch zum Aufkommen der Grundsatzfrage: «Können wir uns das Ganze in Zukunft überhaupt leisten?», fragte eine Teilnehmerin im Hinblick auf die acht Steuerprozentpunkte, die die Badi kostet. Gemeinderat Leuzinger antwortete kurz und bestimmt. «Wir hatten diese Diskussion schon, als es um die Sanierung des Hallenbads ging und haben damals gesagt, dass wir am Bad festhalten wollen. Ein Bad ist nie kostentragend.»

Auch wenn sonst niemand die Zukunft der Badi in Zweifel ziehen mochte: Ein Rückweisungsantrag wurde mit nur 43 zu 30 Stimmen abgelehnt. Am Ende wurde der Kredit mit grossem Mehr genehmigt, bei nur drei Gegenstimmen. Ein Redner bilanzierte: «Der Gemeinderat kommt mit einem blauen Auge davon. Ein wenig dilettantisch ist die Geschichte schon. Da hat man ein Bad und fragt sich erst nach 30 Jahren, wie es den Leitungen wohl gehen könnte?» Die Debatte bildete den Schlusspunkt einer intensiven Gemeindeversammlung. Beinahe – Am Ende durfte Gemeindeammann Erich Bruderer noch zu Erfreulicherem kommen.

Vierteljahrhundert für Gemeinde

Unter grossem Applaus verabschiedete die Gemeinde ihren langjährigen Gemeindeschreiber Heinz Gloor. Er lässt sich per Ende Juli pensionieren (AZ vom 28. 9. 2018). «Ich vergiesse eine Träne», sagte Gemeindeammann Erich Bruderer. Nach eineinhalb Jahren als Gemeindeammann dankte er Gloor für diese Zeit und dafür, dass er sein Mentor war. Gloor begann 1994 als Gemeindeschreiber und stellvertretender Zivilstandesbeamter. In seinen 25 Jahren hat er rund 70 847 Geschäfte behandelt und an 935 Sitzungen teilgenommen. Heinz Gloor bedankte sich mit Humor für die Worte: «Nach 25 Jahren habe ich es geschafft und stehe auch mal am Rednerpult», eröffnete er. Es sei immer spannend gewesen in Menziken, immer wieder sei etwas Neues, etwas Unerwartetes passiert. Und was kommt danach? «Viele Gemeindeschreiber haben das Archivsyndrom und glauben, nach ihrer Pensionierung ein paar Monate lang das Archiv aufräumen zu müssen. Das werde ich sicher nicht tun», witzelte Gloor weiter. Wie er seinen dritten Lebensabschnitt stattdessen verbringen werde, wisse er noch nicht genau. Fest steht nur, dass Velofahren eine grosse Rolle spielt. Und vielleicht der Garten, um den sich bis jetzt vor allem die Frau kümmert. Seinem 29-jährigen Nachfolger Michael Schätti wünschte er viel Erfolg. «Er hat die Möglichkeit, noch länger im Amt zu sein, als ich das war».