Schöftland
Ortsbürger kaufen Bankliegenschaft für 3,5 Millionen Franken

Die Schöftler Ortsbürger kaufen die Bankliegenschaft für 3,5 Millionen Franken, welche die Besitzerin, die Valiant Bank, angeboten hatte. Ausserdem treten sie dem neuen Forstbetrieb Oberes Suhrental bei.

Peter Weingartner
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Grillplausch mit Maske: Dank Schutzkonzept mussten die Ortsbürger nicht auf die Wurst verzichten.

Grillplausch mit Maske: Dank Schutzkonzept mussten die Ortsbürger nicht auf die Wurst verzichten.

Peter Weingartner

263 Stimmberechtigte zählt die Ortsbürgergemeinde Schöftland. 50 davon nahmen am Montagabend an der Gemeindeversammlung teil: drei zu wenig, um den Beschlüssen ein fakultatives Referendum zu ersparen. Seis drum, die Gemeinde mit einem Vermögen von mehr als 35 Millionen Franken genehmigte einen Kredit von just 3,5 Millionen für den Kauf der Liegenschaft Dorfstrasse 1 (2691 Quadratmeter), welche die Besitzerin, die Valiant Bank, angeboten hatte.

«Eine interessante Liegenschaft», sagte Gemeinderat Daniel Wehrli: Sie arrondiert den Schlosskomplex, eine Liegenschaft an der Picardiestrasse und das vor einem Jahr gekaufte Gebäude der ehemaligen Bank Suhrental, beide im Besitz der Gemeinde. Die Bank will den Bankbetrieb auf das Erdgeschoss konzentrieren. Damit werden Büroräume, rund 520 Quadratmeter, im ersten Stock frei. Wie sollen sie genützt werden? Da nimmt der Gemeinderat eine Nutzungsplanung in Angriff, realisiert vorzuziehende bauliche Massnahmen. Dafür sind von den 3,5 Millionen 150'000 Franken budgetiert. Das Gebäude mit Baujahr 1976 soll natürlich eine Rendite abwerfen. Der Erwerb erfolgt per 1. Juli 2022.

Gebäude der Valiant Bank in Schöftland, das an die Ortsbürgergemeinde verkauft wird.

Gebäude der Valiant Bank in Schöftland, das an die Ortsbürgergemeinde verkauft wird.

Wif

Der Gemeinderat geniesst das Vertrauen der Ortsbürger. Diese verlängerten die seit 56 Jahren geltende Generalvollmacht um weitere vier Jahre: Der Gemeinderat darf den Erwerb und den Tausch von Grundstücken bis zu einem Betrag von einer Million Franken pro Einzelgeschäft tätigen. Er erhält die Kompetenz, Grundstücke bis zum Betrag von 100'000 Franken zu verkaufen.

Ja ohne Gegenstimme zu neuem Forstbetrieb

Fragen gab's nur zu einem Geschäft: zur Auflösung des Forstbetriebs Oberes Suhrental und dem Beitritt zum neuen Forstbetrieb Suhrental Ruedertal. Diesem neuen Forstbetrieb, einem Zusammenschluss von drei bestehenden Forstbetrieben, gehören zehn Gemeinden an. Einzig Schmiedrued hat sich schon ausgeklinkt, bevor die Gemeindeversammlungen darüber befunden haben. Reitnau hat sich an seiner Gmeind für einen eigenen Weg entschieden. Damit der neue Betrieb zustande kommt, müssen die zustimmenden Gemeinden mindestens 80 Prozent der insgesamt gut 17'000 Einwohner repräsentieren. Da kommt Schöftland die zentrale Rolle zu.

Sozusagen als Startkapital sagten die Ortsbürger ohne Gegenstimmen Ja zu einer Kapitaleinlage von 132'500 Franken. Dieser Betrag basiert auf Waldgrösse und Einwohnerzahl. Insgesamt braucht der Betrieb 640'000 Franken Eigenkapital. Dazu kommen pro Jahr für Schöftland, nach dem gleichen Schlüssel, gut 46'000 Franken jährlich wiederkehrende Kosten.

Für 300 Franken Ortsbürger werden

Die Zahl der Ortsbürger nimmt stetig ab; von 2019 bis 2020 um sechs Personen. Mit einer Einbürgerungsaktion will man da Remedur schaffen. Vor 10 und vor 20 Jahren habe man das bereits erfolgreich gemacht: 69, beziehungsweise 79 neue Ortsbürger. Voraussetzung sind 20 Jahre Wohnsitz in Schöftland, davon die letzten fünf ununterbrochen.

Wenn nur ein Ehepartner dies erfüllt, muss der andere mindestens fünf Jahre in Schöftland gewohnt haben. Auch Kinder von Bewerbern können Ortsbürger werden. Die Gebühr pro Ehepaar oder Einzelperson beträgt 300 Franken; Bewerbungen müssen bis zum 30. Juni 2022 eingereicht werden.

Dass die Schöftler Ortsbürger dank dem Kies- und Sandwerk finanziell sehr gut dastehen, zeigt die ebenfalls genehmigte Rechnung 2020. Die schliesst mit einem Gewinn von 1,19 Millionen Franken ab.

Unter «Verschiedenes und Umfrage» orientierte Gemeindeammann Rolf Buchser über das Dorffest, das nach zweimaliger Verschiebung am 19. und 20. August 2022 stattfinden soll. Zudem gings um Vandalismus beim Waldhaus mit 5000 Franken Schaden: Alt-Nationalrätin Sylvia Flückiger wollte wissen, ob man da aktiv geworden sei. Trudi Müller verwies auf eine Anzeige gegen Unbekannt, und Rolf Buchser weiss, dass die Regionalpolizei solche Hotspots besucht. Er ermunterte die Anwesenden, die Augen offen zu halten und Beobachtungen der Polizei zu melden.