Schöftland
Todesstoss für «Hegmatte»-Pläne? Aus Bundesbern gibt's schwere Kritik

Statt im März werden die Schöftler frühestens im kommenden Jahr über die Teilrevision der Zonenplanänderung abstimmen können. Mit zwei Studien versuchen die Initianten des WSB-Bahndepots, ihr umstrittenes Projekt zu retten.

Flurina Dünki
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Das Mühleareal in Schöftland.

Das Mühleareal in Schöftland.

Bild: Urs Helbling

Bisher stand der Natur- und Landschaftsschutz im Fokus, wenn über den geeigneten Standort von Depot und Werkstatt der AVA (ehemals WSB) in Schöftland ging. Jetzt tritt für einmal der Ortsbildschutz in den Vordergrund. Die Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) hat die möglichen Beeinträchtigungen, die der «Hegmatte»-Plan auf das Ortsbild hat, unter die Lupe genommen.

Nach einem Augenschein fordert sie Abklärungen darüber, ob der Komplex der Oberen Mühle (mit Fabrikantenvilla und alten Mühlegebäuden) als Ganzes erhalten werden soll. Das würde gegen den Abriss der maroden Industriegebäude sprechen. Zudem bemängelt sie, dass mit den geplanten Bahngebäuden auf der «Hegmatte» ein «massiv wirkender Riegel» entlang der Suhrentalstrasse entstehen würde. Wegen dieser könnte man dann den Dorfkern aus der Ferne nur eingeschränkt sehen.

Dieses Jahr keine ausserordentliche Gemeindeversammlung mehr

Die ENHK hat ein grosses Gewicht, wenn es um die Umsetzung von Planungsprojekten geht. Ihre abschliessende Beurteilung, die sie nach den nun anstehenden vertiefteren Abklärungen abgeben wird, ist entscheidend betreffend das Wo und Wie der neuen Bahngebäude. Da sie beantragt, den Komplex der Oberen Mühle hinsichtlich ihrer «architektur-, industrie- und wirtschaftshistorischen Bedeutung und Qualitäten» untersuchen zu lassen, verzögert sich der Prozess erneut. Eine ausserordentliche Gemeindeversammlung zur «Teiländerung Nutzungsplanung Mühleareal/Hegmatte» kann frühestens nächstes Jahr durchgeführt werden.

Kommissionspräsidentin ist die Urner Ständerätin und einstige Bundesratskandidatin Heidi Z'graggen (Die Mitte). Im Mai 2020 führte eine Delegation der Kommission zusammen mit Vertretern des Gemeinderats Schöftland, des Kantons und der AVA einen Augenschein durch.

Prozess wird auch teurer

Gemeindeammann Rolf Buchser.

Gemeindeammann Rolf Buchser.

Severin Bigler

Für die AVA, die ihre Neubauten eigentlich jetzt schon planen müsste, wird die Zeit also noch knapper. Und das Vorhaben wird wegen der externen Abklärungen nochmals teurer. Gemäss Ammann Rolf Buchser (FDP) werden Kanton, Gemeinde und AVA zwei vertiefte Untersuchungen in Auftrag geben. «Wie von der ENHK beantragt, soll zum einen das Mühleareal mit der Oberen Mühle betreffend der architektur-, industrie- und wirtschaftshistorischen Bedeutung untersucht werden, zum anderen sollen die neuen Depot-, Werkstatt- und Gleisanlagen in der Hegmatte bezüglich Optimierungspotenzial hinsichtlich Ortsbild, Höhe und Lage der Bauten untersucht werden.»

Gemeinderat, Kanton und AVA bringt das ENHK-Gutachten aber nicht schlechte Nachrichten. Denn darin wird auch gesagt, dass nur der «Rückbau der bestehenden Depot- und Werkstattbauten der Bahn» im Mühleareal eine Aufwertung des Ortsbildes ergibt. Der Gemeinderat kann sich also bestätigt darin fühlen, dass Bahnbauten im Mühleareal, wie es die «Hegmatte-Retter» wünschen, ungeeignet wären.