Schmiedrued-Walde
Schmiedrueder Zuzüger: Er kam mit langen Haaren – und blieb

Josef Brunner war ein Exot, als er vor 36 Jahren ins Ruedertal kam. Nun lässt er sich vielleicht einbürgern. Immerhin hat er den grössten Teil seines Lebens in Schmiedrued-Walde verbracht.

Peter Weingartner
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Zuerst bereiste er mit dem VW-Bus Indien. Nun ist Josef Brunner Mitglied des Männerchors Schmiedrued. Warum? Weil er gerne singt.

Zuerst bereiste er mit dem VW-Bus Indien. Nun ist Josef Brunner Mitglied des Männerchors Schmiedrued. Warum? Weil er gerne singt.

zvg Erwin Schmid

Seine langen Haare lassen ihn als Exoten erscheinen im Ruedertal. Josef Brunner, Schreiner, Gärtner, handwerklicher Allrounder, Chrampfer, ein Grüner in SVP-Landen, überlegt sich nach 36 Jahren, sich ums Bürgerrecht von Schmiedrued-Walde zu bemühen, «wenn sie mich wollen». Immerhin hat er den grössten Teil seines Lebens in Walde verbracht.

Dabei war der Einstand im Tal im Dezember 1979 speziell: «Eine Woche nach meinem Zuzug hat man an der Gemeindeversammlung diskutiert, wie man verhindern könne, dass Leute mit schlechter Moral und neuen Ideen ins Tal ziehen.» Gemeint war nicht explizit Josef Brunner, zugezogen aus dem Freiamt. Aber die Hippies.

Eins ist gewiss: Die Arbeitsmoral des Josef Brunner hat die Ruedertaler überzeugt. «Ich bin ein Macher; herumhängen ist nicht meine Sache», sagt er. Aus dem 50 Aren grossen Grundstück, die Gebäude darauf teilweise dem Zusammenbruch nahe, der Rest verwildert, hat er zusammen mit seiner Familie ein Naturparadies geschaffen, das Haus umgebaut und renoviert. «Ich wollte die Liegenschaft unbedingt und habe mich mit Hartnäckigkeit gegen 40 Bewerber durchgesetzt», sagt er. Und das mit 26 Jahren und wenig Eigenkapital. Die Kehrseite: viel Arbeit. Und die Beziehung zu seiner Frau hat gelitten.

Ein Kämpfer für die Umwelt

Gänse, Hühner, Enten, zwei Katzen tummeln sich auf dem riesigen Grundstück hinter dem Haus. Dazu holen Tagpfauenaugen, Schwalbenschwänze und Admirale Nektar von den Blumen. «Ich hatte auch einmal Bienen und einen Forellenteich», sagt Brunner. Selbstversorgung, soweit das möglich ist. Im grossen Gebäude hat der gelernte Gärtner seine Schreinerei eingerichtet. Er arbeitet nach baubiologischen Grundsätzen und kann auf eine treue Stammkundschaft zählen, im Tal und darüber hinaus.

Leben und leben lassen heisst Brunners Motto. «Mehr Leute sollten das Leben führen, das sie im Kopf haben», sagt Brunner. Möglichst selber Maschinen in Betrieb halten statt einfach als Rädchen im System funktionieren. Er hats als Gärtner nicht mehr ausgehalten, das Hetzen der Angestellten und das Spritzen von umweltschädigenden Mitteln. «Tragt Sorge zu unserem Planeten, wir haben nur diesen einen», ist seine Botschaft, «wir können uns den Ressourcenverschleiss nicht leisten.»

Männerchor und Gewerbeverein

Im Gegensatz zu anderen Zuwanderern ist Josef Brunner im Ruedertal geblieben. Und wie: Seit über 30 Jahren singt er im Männerchor mit. Am Ostermarkt der Landfrauen baut er jeweils als Mitglied des Natur- und Vogelschutzvereins mit den Kindern Nistkästen für die Vögel. Er ist auch im Kulturforum Schmiedrued aktiv und Mitglied im Gewerbeverein. Dabei hätte es ihn auch ins Ausland verschlagen können: Mit 20 besuchte er im VW-Bus den Wohler Entwicklungshelfer Dr. Ehrsam in der Wüste von Algerien und drei Jahre später bereiste er wieder mit Bus den Nahen Osten bis nach Indien.

Das Haus an der Dorfstrasse 118 ist gross; Josef Brunner wird in drei Jahren 65. Was dann? «Wir hatten vor drei Jahren ein Projekt: gemeinschaftliches Wohnen», sagt er. Doch die Banken wollten nicht mitmachen. Nun werden eine Wohnung nach der anderen, im Endausbau vier, umgebaut. Er denkt dabei auch an Familien mit Interesse an Gartenarbeit, aber auch an einen Nachfolger für den Betrieb, denn seine Kinder wollen nicht in seine Fussstapfen treten: ein Sohn ist Automechaniker, der andere Elektriker, die Tochter arbeitet als Model in London. «Mit Fleiss lässt sich damit leben, zumal ich einen sehr guten Kundenstamm übergeben könnte», sagt er.

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