Reinach
Schluss mit dem Dornröschenschlaf

Mit grossem Baggerzahn wird die Alte Mühle von den hässlichen Vorbauten befreit.

Peter Siegrist
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Mit Wasser rückt Lukas Rüetschi gegen Staubwolke vor, die bei den Abbrucharbeiten entsteht. Peter Siegrist

Mit Wasser rückt Lukas Rüetschi gegen Staubwolke vor, die bei den Abbrucharbeiten entsteht. Peter Siegrist

Das vierteilige Ensemble der historischen Gebäude im Reinacher Dorfkern ist im Aufwind. In diesen Tagen trägt die Firma Hauri aus Seon die stillosen Vorbauten bei der alten Mühle ab. Das Gebäude wird in einen früheren Zustand zurückversetzt. Architekt Peter Styner bringt es auf den Punkt: «Es wird einfach sehr schön.»

Von den vier historischen Gebäuden sind drei im Besitz der Gemeinde. Da ist der Grosse Schneggen, renoviert in den 80er-Jahren, heute ein Hotel und Restaurant. Gegenwärtig sucht die Gemeinde für den Schneggen einen neuen Pächter. Dann das Schneggli, das Museum, das mit seinen Ausstellungen weit über die Region hinaus ausstrahlt. Dieses Gebäude wurde nach einem Brand 1999 wieder instand gestellt und steht unter Denkmalschutz. Weiter ist das Reinacher Gemeindehaus zu erwähnen, einstiges Korn- und Kaufhaus, erbaut 1588. An diesem Gebäude wurden kürzlich das Dach und die Fassaden renoviert. Die letzten Arbeiten werden in diesen Tagen abgeschlossen.

Die Geschichte der ehemaligen Mühle reicht bis ins Mittelalter zurück. Jetzt wird das Gebäude von seinen Vorbauten befreit und saniert. Besitzerin dieser Liegenschaft ist die Generalunternehmung Kurt Weber AG, Reinach.

Teil der Überbauung Casa Schneggli

Der Beginn der Abbrucharbeiten ist zugleich der Start für den Bau des Wohnprojektes Casa Schneggli. Hier entstehen 49 Mietwohnungen für die Klientel von 60+. Verfolgt man die Arbeiten vor Ort, wird rasch klar, weshalb die Fachleute von Rückbau und nicht von Abbruch sprechen. Maschinist Ueli Ledermann macht es mit seinem Bagger vor: Schicht um Schicht trägt er mit der Baggerzange ab und sortiert das Material sogleich. «Das Altholz wird in besonderen Heizöfen verbrannt», sagt er, «die anderen Materialien werden dem Recycling zugeführt, und nur ein Rest landet in der Kehrichtverbrennung.»

Büro und einen Mehrzweckraum

Die Kurt Weber AG saniert das Gebäude. In den Obergeschossen, wo einst die Verwaltung der Voco Draht AG untergebracht war, werden die Büroräume renoviert. Bereits eingezogen ist der Energieunternehmer Urs Löpfe mit seiner Energiedenkfabrik. Im Untergeschoss entsteht ein Mehrzweckraum. Was hier untergebracht wird, ist noch offen. «Von Boutique, Bar oder Ausstellungsraum ist fast alles möglich», sagt Styner, «entschieden sei noch nichts.» Die Gemeinde Reinach sähe hier eine Möglichkeit, die Ausstellungsfläche des Museums Schneggli zu vergrössern, erklärt Gemeindeammann Martin Heiz. Bedarf für Büros, wie einst angekündigt, hat Reinach nicht mehr.

Ein besonderes Bijou steht im Keller der Alten Mühle: ein kleines Kraftwerk mit Turbine und Generator. Es ist Heiz’ erklärtes Ziel, dieses Technikdenkmal mindestens zum Ansehen zu restaurieren. Noch schöner wäre es, die Anlage wieder in Betrieb nehmen zu können. Da seien Abklärungen im Gang, sagt Heiz.