Oberkulm
«Schliessen wir uns dem Verbund nicht an, bleiben wir Brachland in der Region»

Nun will man dem Projekt «Impuls – Zusammenleben aargauSüd» doch beitreten. Vor Jahresfrist hatte die Gmeind einem vorsorglichen Austrittzugestimmt, jetzt ist der erneute Beitritt traktandiert.

Rahel Plüss
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5 Franken pro Einwohner beträgt der Gemeindebetrag für das Projekt «Impuls – zusammenleben aargauSüd» jährlich. Im Oberkulmer Budget 2017 ist dafür ein Betrag von rund 13 400 Franken eingestellt.

5 Franken pro Einwohner beträgt der Gemeindebetrag für das Projekt «Impuls – zusammenleben aargauSüd» jährlich. Im Oberkulmer Budget 2017 ist dafür ein Betrag von rund 13 400 Franken eingestellt.

archiv

Vor Jahresfrist waren die Jugend- und die Integrationsarbeit im Wynental im Umbruch. Neun Gemeinden aus dem Tal plus Birrwil starteten das Projekt «Impuls – Zusammenleben aargauSüd», das die beiden Bereiche mit Unterstützung von Bund und Kanton zusammenführen sollte.

Oberkulm hatte Vorbehalte: Da die Angebote der Regionalen Jugendarbeit von den eigenen Jugendlichen kaum genutzt wurden, stand die finanzschwache Gemeinde dem neuen Projekt skeptisch gegenüber. Der Gemeinderat beantragte der Herbstgmeind 2015 deshalb vorsorglich den Austritt aus dem Verbund per Ende 2016, mit der Begründung, man wolle vor einem definitiven Beitritt weitere Ergebnisse abwarten.

«Heute zeichnet sich Nutzen ab»

Nun ist der Gemeinderat vom Projekt überzeugt. Er beantragt der Gmeind vom 25. November, dem Beitritt bis zum Projektende im Jahr 2020 zuzustimmen und das Vorhaben weiterhin mit dem jährlichen Beitrag von fünf Franken pro Einwohner zu unterstützen. Warum die Kehrtwende? «Heute zeichnet sich ein bedeutender Nutzen für uns ab», argumentierte Gemeinderätin Verena Brändli an der Partei- und Presseinformation vom Montagabend. Die Regionale Jugendarbeit sei weiterhin Teil des Projekts, wichtig für Oberkulm seien aber vor allem der Nutzen und die Projekt-Umsetzung im Integrationsbereich.

«Wenn wir uns dem Verbund nicht anschliessen, bleiben wir Brachland in der Region – das können wir uns nicht leisten», so Brändli. «Dank des Projekts kann die Gemeinde Oberkulm im Bereich des Zusammenlebens künftig aktiver und strategisch gestaltend wirken. Die relevanten Akteure werden vernetzt, Synergien werden genutzt», heisst es in der Botschaft zur Gemeindeversammlung. Verena Brändli sprach von «weniger Ausgaben im Sozialbereich und bei der Zusatzförderung in der Schule.»

Dass die Kehrtwende des Gemeinderats nicht bei allem Bürgern Unterstützung finden wird, zeichnet sich ab. Urs Bader, Präsident der IG Oberkulm, jedenfalls sprach sich dezidiert gegen einen erneuten Beitritt aus. Damit sich die Bevölkerung ein Bild vom Projekt machen kann, findet am Dienstag, 15. November um 19.30 Uhr in der Aula der Wynenschulanlage in Oberkulm eine Informationsveranstaltung mit der Projektleiterin des Bereichs Integration und Freiwilligenarbeit von «Impuls – Zusammenleben aargauSüd» statt.

Erneutes Defizit

Das Budget 2017 der Gemeinde Oberkulm rechnet bei einem unveränderten Steuerfuss von 122 Prozent mit einem Aufwandüberschuss von 281 200 Franken. Dieses Defizit falle gegenüber dem Budget 2016 um 113 300 Franken geringer aus, wie Gemeinderat Roger Schmid erläuterte. Höher sei der Betriebskostenbeitrag an die regionale Feuerwehr: Er steige um 26 900 Franken.

Auch die Beiträge an die Pflegefinanzierung dürften sich um 43 000 Franken erhöhen. Der Gemeindebeitrag an die Restkosten Sonderschulen und Heimaufenthalt nimmt um 25 700 Franken auf 632 100 Franken zu. Aufgrund der aktuellen Zahlen wird mit einem um 30 000 Franken geringeren Aktiensteuerertrag gerechnet. Bei den übrigen Steuern wurde mit einem unveränderten Ertrag budgetiert.

Der Beitrag des Kantons aus dem Finanz- und Lastenausgleich beträgt im 2017 gut 1,25 Mio. Franken. Die vorgeschriebenen, planmässigen Abschreibungen der Einwohnergemeinde steigen auf 417 500 Franken.

Von den Nettoinvestitionen von gesamthaft 873 300 Franken können lediglich 144 300 Franken aus eigenen Mitteln finanziert werden. Der grosse Rest von 729 000 Franken muss durch fremde Mittel gedeckt werden. Die Steuerkraft pro Einwohner lag 2015 bei 1854 Franken, das Kantonsmittel bei 2605 Franken. (az)