Die beiden sehen im Schatten des herrschaftlichen Schloss Rued ziemlich klein und bescheiden aus: Das Knappenhaus und das kleinere Waschhaus nebenan. Doch zu Unrecht, sind sie doch beide stattliche Bauten. Wie das Schloss sind sie denkmalgeschützt und sahen einst ebenfalls den Adel ein- und ausgehen. Obwohl die Knappen ein etwas niederer Adel waren als die edlen Leute, die im Schloss nächtigen durften.

Das Schloss wurde im Auftrag des neuen Besitzers, Erowa-Gründer Hans Hediger, in aufwendiger Renovationsarbeit aus seinem Dornröschenschlaf geholt, in den es aufgrund jahrelanger Vernachlässigung gefallen war. Vor gut einem Jahr wurde es als Seminar- und Eventschloss wiedereröffnet.

Jetzt sind Knappen- und Waschhaus an der Reihe: Seit mehreren Monaten sind die Renovierungsarbeiten im Gange. Im ehemaligen Knappenhaus werden Hotelzimmer eingerichtet, ins Erdgeschoss kommt ein Frühstücksraum mit Cafébar. Gemäss dem 2017 eingereichten Baugesuch belaufen sich die Kosten auf 2,75 Millionen Franken.

Zwölf Zimmer stehen Gästen künftig zur Verfügung. Voraussichtlich ab Februar 2020 sind sie bereit – für das Brautpaar, das seine Hochzeit auf dem Schloss feiert, für den Partygast, der nach dem Feiern nicht mehr Auto fahren will oder für den Neugierigen, der das Erlebnis «Knappenhaus» ausprobieren will.

Zurzeit sind die Hotelzimmer noch leer, aus den Böden schauen Enden von Elektrokabeln hervor, und manche Zimmerübergänge kann man nur auf Brettern balancierend überwinden. Im Dachstock erkennt man jedoch schon, wie das Galeriezimmer für Frischvermählte einst aussehen wird. «Hier, gegenüber dem Bett, kommt eine grosse Badewanne hin. Und die schmale Treppe führt nach oben in die Galerie», sagt Elektroinstallateur Remo Hauri, dessen Arbeitgeber das historische Gebäude ins Internetzeitalter überführen muss.

Originales bleibt erhalten

Die alte Küche des Knappenhauses mit der Hutte, dem überdimensionalen Abzug, ist längst nicht mehr in Betrieb. Auch würde kein Küchendampf mehr zum Kamin aufsteigen, der Hohlraum ist zugemauert. Die Originaleinbauten sollten aber wenn möglich erhalten bleiben. Nicht zuletzt wegen Auflagen der Denkmalpflege des Kantons Aargau, die dem Projekt beratend beisteht. Alte Kacheln, alte Stuckverzierungen an der Decke: Alles wird wenn möglich ausgebessert. So wird der Gast in einem der Hotelzimmer den uralten Abzug vorfinden, der einst den Dampf des Knappenmahls zum Kamin hochzog. Auch alte Holzverkleidungen werden wiederverwendet. «Viele davon wurden herausgenommen, in der Werkstatt repariert und wieder eingesetzt», sagt Hauri.

Unter dem Gebäude liegt eine wahre Schatzkammer. Der uralte Gewölbekeller des Knappenhauses ist eine Augenweide. Ob hier dereinst Wein lagert oder ob er auch für Gäste zugänglich ist, wird sich noch zeigen. Für den Wein allein wäre das geschichtsträchtige Gewölbe jedoch fast zu schade.