Bezirksgericht Kulm
Schikanestopp und «Schafseckel»: Autorowdy rastet wegen Velofahrer aus – und muss dafür büssen

In Unterkulm kam es vor einem Jahr zu einem Streit zwischen einem Auto- und einem Velofahrer. Ersterer bremste den Radfahrer aus, um ihn danach zu beschimpfen. Vor dem Bezirksgericht Kulm bedauert er sein Verhalten.

Larissa Hunziker
Merken
Drucken
Teilen
Der Velofahrer überholte das stehende Auto, das abbiegen wollte. (Symbolbild)

Der Velofahrer überholte das stehende Auto, das abbiegen wollte. (Symbolbild)

KEYSTONE/GAETAN BALLY

Der verhängnisvolle Vorfall passierte im Mai 2016. Herbert K. (Namen geändert), wohnhaft im Kanton Zug, macht mit seinem Alfa Romeo Spider eine Ausfahrt im Wynental. In Unterkulm auf Höhe der Böhlerstrasse überholt er ein stehendes Auto, das abbiegen möchte. Dabei übersieht er den von hinten nahenden Velofahrer Pascal T., der übers Trottoir ausweichen muss, um eine Kollision zu verhindern. Lautstark ausrufend macht dieser sich bemerkbar und fährt am Auto vorbei. Herbert K. überholt das Velo kurz danach, wobei Pascal T. seinem Ärger erneut hörbar Luft macht.

Herbert K. verärgert das. Er tritt brüsk und unnötig auf die Bremse. Pascal T. kann nicht mehr rechtzeitig abbremsen. Es kommt zu einer Streifkollision, bei der ein Kratzer am Auto von Herbert K. entsteht. Nach der Kollision hält Herbert K. an und steigt aus, die beiden Kontrahenten beschimpfen sich gegenseitig. Herbert K. teilt dem Velofahrer unter anderem «Schafseckel» und «I haue der d’Faust e d’Schnorre» aus. Dann packt er Pascal T. so am Unterarm, dass dieser gerötet wird, steigt anschliessend in sein Auto und fährt davon.

Nun muss sich Herbert K. wegen unbegründetem brüskem Bremsen (sogenannter Schikanestopp), Verlassen der Unfallstelle ohne Erlaubnis, Tätlichkeiten und Beschimpfung vor dem Bezirksgericht Kulm verantworten. Die Staatsanwaltschaft hatte ihn per Strafbefehl zu einer Busse von 2000 Franken und zu einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen à 350 Franken verurteilt. Dagegen hatte er Einsprache erhoben.

«Typisches Machoverhalten»

Die Befragung zur Person und Sache fällt kurz aus. Herbert K., der als Softwareverkäufer arbeitet, verweigert die Aussage zu seinem Lohn und möchte auch zur Sache nichts mehr sagen. Er spricht leise und undeutlich, zeigt sich aber reuig: «Ich bedauere diesen Vorfall ausserordentlich». Er habe eine grosse, grosse Dummheit begangen, es sei ein typisches Machoverhalten von ihm gewesen. Dann ist der Anwalt von Herbert K. an der Reihe. In seinem Plädoyer bringt er vor, schon bei einer normalen Bremsung bei Tempo 30 sei der Bremsweg so kurz, dass es für einen nachfolgenden Velofahrer schwierig sei, rechtzeitig zu bremsen. Ausserdem habe nie eine Gefahr für den Strafkläger bestanden. Das sieht der junge Familienvater anders. «Das Bremsen war sehr abrupt, ich hätte auf den Kopf stürzen können». Der Anwalt von Herbert K. argumentiert in der Folge, beim vorliegenden Schikanestopp handle es sich nicht um eine grobe, sondern nur um eine einfache Verletzung der Verkehrsregeln. Bei einer Verurteilung wegen einer groben Verletzung der Verkehrsregeln muss Herbert K. mit einem längeren Ausweisentzug rechnen.

Gerichtspräsidentin Yvonne Thöny Fäs lässt sich aber nicht erweichen und verurteilt Herbert K. wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln (Schikanestopp), Beschimpfung und Tätlichkeiten. Vom Vorwurf des Verlassen der Unfallstelle ohne Erlaubnis wird er freigesprochen. Dementsprechend sinkt die ausgesprochene Busse auf 1200 Franken und die bedingte Geldstrafe auf 20 Tagessätze à 340 Franken. «Der Vorfall hätte auch anders ausgehen können», sagt Gerichtspräsidentin Thöny Fäs bei ihrer Urteilsbegründung. Es sei zu gegenseitigen Provokationen gekommen, doch der Vorfall wäre zu vermeiden gewesen, hätte der Beschuldigte seinem Ärger nur verbal Luft gemacht.