Die Balzlis (Namen von der Redaktion geändert) mögen die Brunners überhaupt nicht. Die Brunners mögen die Balzlis auch nicht. Dumm, wenn die Balzlis und die Brunners direkte Nachbarn sind; noch dümmer, wenn die Balzlis ein Fuss- und Fahrwegrecht über den Vorplatz der Brunners haben, damit sie zu ihrer Garage kommen, respektive aus dieser wegfahren können. Beste Voraussetzungen für einen langwierigen und zähen Nachbarschaftsstreit, bei dem Balzlis und Brunners einander nichts schenken.

Fremde Autos, Mobbing, Video

So verwundert es nicht, dass sich Balzlis und Brunners kürzlich zum wiederholten Male vor dem Bezirksgericht in Unterkulm trafen. Diesmal hatte das Gericht zu beurteilen, ob die Brunners den Balzlis den Zugang zu ihrer Garage mehrmals mutwillig versperrt haben. Geklagt haben die Balzlis.

Die Brunners hätten gleich fünfmal das Fuss- und Fahrwegrecht verletzt. Sie hätten es zugelassen oder gar gefördert, dass fremde Autos jeweils in einer Weise auf dem Vorplatz parkierten, dass die Balzlis nicht mehr zu- oder wegfahren konnten.

Als Beweis legten die Balzlis fünf Fotos vor, die tatsächlich fünf vor der Liegenschaft parkierte Autos zeigten. Das brachte Herrn Brunner in Rage. Das sei wieder eine typische «Schikaniererei» der Balzlis, rief er, der Balzli könne einfach nicht Auto fahren. Jawohl, bestätigte Frau Brunner, das sei nichts weiter als Mobbing. Drei Videokameras hätten die Balzlis installiert, um den Vorplatz zu überwachen. Es folgten weitere Schimpftiraden in Richtung der Balzlis, die dazu schwiegen.

Nach gründlichem Insistieren von Gerichtspräsidentin Yvonne Thöny Fäs mochten sich Herr und Frau Brunner ansatzweise erinnern, wem die Autos auf den Bildern gehörten und was die Gründe für die jeweiligen Besuche waren. Aber sie bestritten vehement, dass sie irgendeinen Einfluss auf das Parkierverhalten ihrer Besucher genommen hätten. Und Herr Brunner fügte genüsslich an, die Balzlis hätten ja vorbeikommen können, wenn sie ein Auto wirklich gestört hätte. Dann hätte man sofort umparkiert.

Aber die Balzlis hätten halt kein «Hirni». Deshalb vermeide er jeden Kontakt und gehe denen aus dem Weg.

Nach kurzer Beratung sprach die Gerichtspräsidentin die Brunners frei. Ein Schuldspruch und eine Verurteilung seien aufgrund der vorliegenden Beweise nicht möglich, erklärte die Gerichtspräsidentin. Es lasse sich nicht nachweisen, ob es eine Verletzung des Wegrechtes gegeben habe, ob die Brunners dafür verantwortlich zu machen wären – und ob das Herrn oder Frau Brunner betreffen würde oder beide.

Gesunder Menschenverstand

Dann appellierte die Gerichtspräsidentin an den gesunden Menschenverstand der Balzlis und der Brunners; sie sollten doch versuchen, die geltenden Dienstbarkeiten schonend auszuüben und sich etwas zurückhalten; und wenn sie sich doch gegenseitig nicht leiden können, sollten sie doch bitte einfach versuchen, einander aus dem Weg zu gehen.

Doch ihre Worte fielen auf äusserst unfruchtbaren Boden; die nächsten Strafverfahren laufen bereits. Der Kampf Balzli gegen Brunner geht in die nächste Runde. Und ein Ende ist nicht abzusehen.