Zetzwil

Sanieren oder neu bauen? Das beschäftigt die Stiftung Schürmatt

Christoph Weber-Berg leitet als Präsident eine Institution mit 430 Mitarbeitenden.

Christoph Weber-Berg leitet als Präsident eine Institution mit 430 Mitarbeitenden.

Christoph Weber-Berg ist seit einem Jahr Präsident der Stiftung Schürmatt. Diese befindet sich momentan mitten in den Vorbereitungen für das anstehende Sommerfest. Aber auch Umbaupläne für die Liegenschaften in Zetzwil sind in Arbeit.

Am 23. Juni feiert die Stiftung Schürmatt ihr Sommerfest. Das ist das Ereignis vom Jahr – nicht nur für die Klienten, die sich seit Wochen vorbereiten und auf das Event mit den vielen Attraktionen hin fiebern. «Das Sommerfest ist eine gute Gelegenheit, bei der wir als Institution mit der Bevölkerung in Kontakt kommen und umgekehrt», sagt der neue Stiftungsratspräsident Christoph Weber-Berg.

Seit einem Jahr ist er an der Spitze des grössten Arbeitgebers im Wynental. Die «Schürmatt», die vielfältige Dienstleistungen für geistig und mehrfach behinderte sowie entwicklungsverzögerte Menschen aller Altersklassen erbringt, beschäftigt in Zetzwil und an 12 weiteren Standorten 430 Mitarbeitende. Diese bilden, therapieren und betreuen total 530 Menschen. Begonnen hatte alles vor 55 Jahren. Die Stiftung wurde 1963 von der Reformierten Landeskirche Aargau gegründet, ursprünglich als Kinderheim.

Dass der neue strategische Chef gleichzeitig Kirchenratspräsident und Geschäftsführer der landeskirchlichen Dienste ist, ist «eigentlich ein Zufall», wie Christoph Weber-Berg sagt. Zwar werde der Stiftungsrat noch immer von Organen der Landeskirche gewählt, «es muss aber nicht zwingend ein Kirchenmensch den Vorsitz haben».

Als er 2010 ins Gremium kam, war er als Dozent für Wirtschaftsethik und Leiter des Center for Corporate Social Responsibility an der Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ) tätig. Sein Engagement für die «Schürmatt» habe viel mit seiner Kindheit zu tun, sagt er. «Die Stiftung ist praktisch gleich alt wie ich.» In Teufenthal und Unterkulm aufgewachsen, sei er durch seine kirchlich und sozial engagierten Eltern schon früh in Kontakt mit der Institution und den Leuten dahinter gekommen.

Kirche und Wirtschaft im Fokus

Christoph Weber-Berg hat Theologie an der Universität Zürich studiert. Nach seinem Vikariat in Murten nahm er diverse pfarramtliche Stellvertretungen wahr. 1995 wurde er als Pfarrer in die Kirchgemeinde Lenzburg-Hendschiken gewählt. Seine Promotion zum Doktor der Theologie erlangte er mit einer Dissertation zur Kulturbedeutung des Geldes an der Universität Zürich.

Später erwarb er einen Master in Business Administration mit Schwerpunkt Nonprofit Management. Er baute für die evangelisch-reformierte Landeskirche des Kantons Zürich die Fachstelle Kirche und Wirtschaft auf und wurde Leiter des Nachhaltigkeitsresearch bei der Vermögensverwalterin Forma Futura Invest AG.

«Ich war immer ein bisschen ein Grenzgänger», sagt der heute 54-Jährige von sich, der mit seiner Frau und zwei Söhnen (18, 20) in Staufen lebt. «Ich habe schon während meines Theologiestudiums gleichzeitig auf der Bank gearbeitet.» Die Kombination von wirtschaftlichen und sozialen Aspekten interessiert ihn – und ist für ihn in seinem neuen Amt untrennbar verbunden. «Wenn man sich für ein solches Werk engagiert, kann man sich nicht nur auf die betriebswirtschaftlichen Zahlen fokussieren. Da müssen einem einfach auch die Menschen nah sein.»

Kanton hat Bedarf an Plätzen

Wo solls hingehen mit der «Schürmatt»? «Wir sind in den letzten Jahren stark gewachsen», sagt Weber-Berg. Mit der Übernahme der Trägerschaft der Heilpädagogischen Sonderschule (HPS) Aarau 2013 und der Eröffnung des Heilpädagogischen Zentrums für Werkstufe und Berufsvorbereitung (HZWB) 2015 in Othmarsingen hat die Stiftung ihr Tätigkeitsfeld erweitert.

Jetzt will man erst einmal konsolidieren. «Wir haben im Moment nicht im Sinn, aktiv nächste Wachstumsschritte anzustreben.» Allerdings habe der Kanton weiteren Bedarf an Plätzen für beeinträchtige Kinder, Jugendliche und Erwachsene angemeldet. «Da müssen wir nun ernsthaft prüfen, inwieweit die Stiftung Schürmatt einen Beitrag leisten kann.»

Liegenschaften am Ende

Unabhängig einer allfälligen Erweiterung stehen jetzt umfangreiche bauliche Veränderungen an. Die Liegenschaften in Zetzwil sind in die Jahre gekommen. Viele stammen noch aus der Gründerzeit und sind in einem entsprechenden Zustand. «Sanieren oder neu bauen? Diese Frage beschäftigt uns aktuell», sagt Weber-Berg.

Abklärungen seien im Gang, ein Projekt liege aber noch keins auf dem Tisch. «Das Vorhaben ist komplex, weil die behinderten Menschen auch während der ganzen Bauphase untergebracht werden müssen.» Die Projektplanung mit den Bewilligungsverfahren sollte bis Ende 2020 abgeschlossen sein. Die Baumaschinen würden nicht vor 2021 auffahren.

Nicht warten können die Zentralküche und weitere 16 Küchen in den Wohnungen. Der Stiftungsrat hat für deren Umbau einen Kredit in Höhe von 2,5 Mio. Franken gesprochen. «Hier gehts um mehr als nur um neue Geräte», sagt Weber-Berg, «die Infrastruktur als Ganzes wird den heutigen Anforderungen an den Betrieb nicht mehr gerecht.»

1800 Haupt- und 3000 Nebenmahlzeiten werden hier wöchentlich zubereitet oder bereitgestellt und nicht nur lokal serviert, sondern auch in verschiedene Aussenstationen geliefert. Anpassungen seien auch nötig, damit die Klienten besser in die Prozesse integriert werden können. Die Umbauarbeiten dauern drei Monate und sollten bis zum Sommerfest am 22. Juni 2019 abgeschlossen sein.

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