Am Dienstagabend wird Peter Studer in die Manege des Zirkus Knie treten und vor Hunderten von Leuten sprechen. Das macht der Reinacher eigentlich nicht gern, er mag es nicht, sich in den Vordergrund zu stellen. Doch er tut es für die Sache: Die Knie-Gala ist der Weiterführung der Spitäler von Beat Richner in Kambodscha gewidmet.

Vor einem Jahr sind für die Stiftung schwierige Zeiten angebrochen: Beat Richner (71) ist schwer erkrankt und musste Kambodscha verlassen. Sein jahrelanger Freund und Vizepräsident der Stiftung, Peter Studer, hat ad interim die Leitung übernommen und setzt sich mit allen Kräften dafür ein, dass das Lebenswerk von Beat Richner fortgesetzt werden kann. Grundlage dafür sind die Spenden.

Auf die Nachricht von Richners Erkrankung hat die Stiftung eine Solidaritätswelle gespürt. «Die Spendengelder waren erfreulich», sagt Studer. Viele Spender würden der Stiftung die Treue halten. Diese Entwicklung ist für Peter Studer äusserst wichtig. Denn sie zeigt, dass die Spenden auch fliessen, wenn Beat Richner die Stiftung nicht mehr selber repräsentieren kann. «Die Leute spenden für die Institution, das ist sehr erfreulich.»

Kambodscha zahlt einen Drittel

Peter Studer (71) hat sich 2013 aus seiner Kinderarztpraxis in Reinach zurückgezogen. Er verbringt viel Zeit in Kambodscha, zwei Tage nach der Knie-Gala fliegt er wieder. In den Kinderspitälern nimmt er zwar an Visiten und Rapporten teil, ist aber kein behandelnder Arzt. «Die 200 Kinderärzte vor Ort leisten hervorragende Arbeit», sagt er. «Medizinisch laufen die Spitäler einwandfrei.» Auch ohne die Präsenz von Doktor Richner, wie Studer ihn nennt.

«Es ist ein grosses Loch – er fehlt sehr»: Kinderarzt Peter Studer über seinen Freund Beat Richner.

«Es ist ein grosses Loch – er fehlt sehr»: Kinderarzt Peter Studer über seinen Freund Beat Richner.

Der Wynentaler kümmert sich darum, dass das Ziel von Beat Richner umgesetzt werden kann: «Das Spital soll nicht am Hilfsprojekt kleben bleiben.» Damit das Spital vollständig kambodschanisch werden kann, muss die längerfristige Finanzierung geklärt sein. Bei seinen Besuchen in Kambodscha führt Peter Studer Gespräche mit den dortigen Ministerien über die Zukunft von Kantha Bopha. Das Spital hat ein Budget von 42 Millionen Franken, sagt Studer.

Kambodscha ist heute so weit, dass es einen Drittel davon bereitstellen kann. Ein Teil des Gelds komme direkt vom Staat, ein weiterer vom Kambodschanischen Roten Kreuz. Auch der Tourismus hilft mit: Vom Eintritt jedes Besuchers der berühmten Tempelanlagen von Angkor Wat fliesst ein Beitrag an die Spitäler. «Solange es die Spenden gibt, wird die Stiftung bestehen», sagt Studer. «Doch falls die Gelder zurückgehen, muss sich Kambodscha etwas überlegen.» In den Spitälern von Beat Richner werden 80 bis 85 Prozent aller hospitalisierten Kinder in Kambodscha behandelt.

Richner hat Kambodscha vergessen

Heute arbeiten etwa 2500 Kambodschaner in den Spitälern und nach dem Ausfall von Beat Richner ist nur noch ein Ausländer ständig vor Ort: Ein französisch-kambodschanischer Arzt kümmert sich um die Labors, die Blutbank und die lokale Buchhaltung. Für die Chefärzte ist ohne Richner vieles anders geworden. Der Gründer hat viele Entscheidungen getroffen.

«Beatocellos Schirm»: Trailer zum Film aus dem Jahr 2012.

«Beatocellos Schirm»: Trailer zum Film aus dem Jahr 2012.

Gachot Films (2012)

Nun müssen sie selber Verantwortung übernehmen. Dies funktioniert gemäss Studer sehr gut. Der Respekt vor dem Gründervater, der in Kambodscha auch «Dr. God» (Dr. Gott) genannt wird, sei weiterhin sehr gross. Besonders tragisch: Aufgrund seiner seltenen Hirnerkrankung kann sich Beat Richner heute nicht mehr an seine Spitäler erinnern. Peter Studer konnte Beat Richner als engster Vertrauter zwei Jahre lang aus dem Hintergrund begleiten und unterstützen. Doch um das Lebenswerk seines Freundes weiterzuführen, tritt er ins Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit.