Gränichen

Samariter trennen sich nach 93 Jahren vom Verband

Die Gränicher Samariter haben während des Lockdowns einen Einkaufs-Service für ältere Einwohner angeboten. (Symbolbild, Archiv)

Die Gränicher Samariter haben während des Lockdowns einen Einkaufs-Service für ältere Einwohner angeboten. (Symbolbild, Archiv)

Der Gränicher Samariterverein heisst neu «Sanität Gränichen». Grund ist unter anderem ein Corona-Bettelbrief. Auch eine missverständliche Kommunikation des Verbands soll ausschlaggebend gewesen sein.

Nach 93 Jahren ist Schluss mit den Gränicher Samaritern. Der Verein hat sich aufgelöst und damit vom Schweizer Samariterbund (SSB) losgesagt. «Ein Grund dafür ist die geschmacklose Corona-Aktion des Dachverbands, hinter der wir überhaupt nicht stehen», sagt Präsidentin Sandra Huggenberger auf Anfrage. Damit spricht sie auf einen Bettelbrief an, welchen der SSB im April in die Haushalte verschickte. «In so einer schlimmen Zeit muss man für die Menschen da sein und sicher nicht betteln», so die 34-Jährige. So haben die Gränicher Samariter während des Lockdowns einen Einkaufs-Service für ältere Einwohner ins Leben gerufen, der laut Präsidentin rund 350-mal in Anspruch genommen wurde.

Allerdings sei das umstrittene Schreiben des SSB nicht der einzige Grund für den Austritt. Hinzu kamen laut der ehemaligen Samariterin eine missverständliche Kommunikation des Verbands sowie die Tatsache, dass der Ortsverein bei Sammelaktionen jeweils einen Teil für Ausbildungszwecke an den Samariterbund habe abtreten müssen.

Gränicher sind nicht die Ersten der Region

Neu helfen die ehemaligen Samariter im Namen des eben gegründeten unabhängigen Vereins «Sanität Gränichen». Für die Bevölkerung ändere sich abgesehen vom Namen nichts, so die Präsidentin. «Wir lassen uns weiterhin extern medizinisch ausbilden und schulen», sagt sie. Die 30 Mitglieder des Samaritervereins seien allesamt in den neuen Verein eingetreten. Auch die langjährigen Mitglieder stünden inzwischen hinter dem Entscheid.

Sandra Huggenberger ist zuversichtlich, dass der neue Verein seine ehrenamtliche Arbeit wie gewohnt weiterführen kann und an grösseren Veranstaltungen im Dorf wie dem Open Air und dem Bike-Rennen präsent sein wird. «Die Reaktionen bis jetzt sind positiv – auch von Seiten des Gemeinderats», sagt sie.

Gränichen ist nicht der erste Verein der Region, der unabhängig wird. Vor zwei Jahren wurde aus dem Samariterverein Entfelden nach 105 Jahren die «Sanität Region Entfelden Muhen». Grund dafür waren laut Verein unter anderem die wachsenden fachlichen Ansprüche des Dachverbands an die Laienhelfer im Zuge der Anbindung des Samariterbundes an den Interverband für Rettungswesen (IVR).

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