Kölliken
Ruth Baumann, DJ Bobos Mutter, tritt als Sigristin zurück

Über drei Jahrzehnte war Ruth Baumann Sigristin in der Kölliker Kirche. In dieser langen Zeit hat sie viel erlebt.

Nora Bader
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Auf diesem Platz zuhinterst in der Kirche sass Ruth Baumann während 30 Jahren an Gottesdiensten. no

Auf diesem Platz zuhinterst in der Kirche sass Ruth Baumann während 30 Jahren an Gottesdiensten. no

Über drei Jahrzehnte lang war Ruth Baumann fast täglich in der Kirche in Kölliken anzutreffen. Und dies, obwohl sie sich selber nicht als strenggläubig bezeichnet. Aber ihren Job als Sigristin übte sie mit viel Herzblut aus. Das spürt man beim Gespräch auf der Kirchenbank heraus. Nun gibt Ruth Baumann ihr Amt ab. «Es ist einfach an der Zeit», sagt die 69-Jährige.

Wie es kam, dass Ruth Baumann Sigristin wurde: Die gelernte Floristin wollte nach einer etwas turbulenten privaten Zeit einen Neuanfang wagen. Neben der Arbeit als Sigristin war sie stets weiterhin als Floristin tätig. So waren etwa die Blumenkränze an Beerdigungen oft von ihr selber angefertigt worden. Im Sigristenverband gab Ruth Baumann Kurse für Blumenschmuck in Kirchen. «Das Auge macht eben mit. Die grössten Blumen müssen immer zuunterst stehen.»

Blumen und Glocken

Die Blumen waren Ruth Baumann besonders wichtig. Aber nicht nur die diese: «Ich mochte schon immer Kirchenglocken. Das Geläut fasziniert mich. Es sind die Glocken, die mich zur Kirche gezogen haben», sagt Ruth Baumann. Diese hat sie viele Jahre per Knopfdruck geläutet – etwa sonntags zwischen sieben und neun Uhr, stündlich. Die manuelle Einstellung der Kirchenuhr wurde erst bei der Renovation durch eine Vollautomatik ersetzt und entlastete ihre sonntägliche Arbeit.

So kam es, dass Ruth Baumann die Kirchenglocken in den letzten Jahren nur noch einmal im Jahr von Hand in Schwung gesetzt hat. Nämlich dann, wenn es hiess, das alte Jahr aus- und das neue einzuläuten. Ruth Baumann verbrachte die Jahreswechsel jeweils mit ihren Liebsten in der Kirche. Einmal fror die Kirchenuhr ein. «Mit einer Rechaudkerze habe ich die Rädchen der Uhr wieder aufgetaut», erinnert sich Ruth Baumann. Sie sei dafür nachts in den Turm hinaufgestiegen.

Erlebt habe sie überhaupt sehr viel. «Ich könnte diverse Müsterchen erzählen.» Es habe Leute gegeben, die Fahnen am Turm aufhängten, welche sich dann um die Kirchenuhrzeiger wickelten. «Viel zu tun hatte ich oftmals nach Hochzeiten. Wenn die Leute Blumen auf den Kirchenboden streuten und alle darübergingen, musste das wieder geputzt werden.» Beerdigungen hat sie über 400 erlebt und in ihrer Amtszeit mehrere Pfarrer wie auch Organisten kommen und gehen sehen.

Vor eine grosse Herausforderung haben sie die Weihnachtsbäume gestellt. «Einmal galt es, einen Vier-Meter-Baum in die Kirche zu tragen.» Zum Kerzlianzünden half ihr jeweils das Ehepaar Messer, ihre Stellvertreter. Man brauchte dazu immer eine Leiter. Und: Einmal sei eine Maus in den Gottesdienst marschiert. Mit Fallen konnte sie nicht gefangen werden, der Hund der Nachbarin habe diese Aufgabe dann übernommen. Schneeschaufeln musste die Sigristin auch, heute tut dies der Gärtner.

Eigentlich habe sie alles gerne gemacht, was zur Arbeit als Sigristin dazugehört, ausser Kirchenbänke putzen. So oder so: «Es war schon auch ein wenig meine Kirche und es waren auch irgendwie meine Kirchenglocken», sagt Ruth Baumann und lächelt bescheiden.

Die vielen kleinen Dinge

«Was mein schönstes Erlebnis war, kann ich nicht sagen.» Vielmehr seien es kleine Dinge gewesen, die ihren Alltag als Sigristin bereichert hätten, so Ruth Baumann. Zur Arbeit kam sie übrigens früher mit dem Töffli. Denn gleich um die Ecke lag die Kirche nicht. Ruth Baumann lebt noch immer im Bauernhaus, in dem sie aufgewachsen ist und in dem sie auch ihren Sohn René – DJ Bobo – aufgezogen hat. «Wenn ich nicht mehr als Sigristin arbeite, werde ich auch wieder mehr Zeit mit ihm und der Familie verbringen können», freut sich Ruth Baumann. Und: «Ja, ich gehe auch an seine Konzerte.» Anfangs sei es nicht so einfach gewesen, von allen Leuten immer darauf angesprochen zu werden.

Was hat die langjährige Sigristin sonst so vor mit ihrer neu gewonnenen Freizeit? «Mein Ziel ist es, so gut es geht, Wandern zu gehen.» In der Kirche werde sie wohl nicht mehr so oft anzutreffen sein wie bisher. «Ich finde meinen Frieden auch gerne in der Natur.»

Am 7. September wird Ruth Baumann in einem Gottesdienst verabschiedet. Danach gibt es einen Apéro in der Arche. Sie hat sich gewünscht, dass die Schlüssel zur Kirche ihrer Nachfolgerin Gabi Schacher persönlich zu überreichen.