Schöftland

«Rumstochern bringt nichts. Wir stechen pro Arm nur einmal»

Blutspenden in Schöftland

Blutspenden in Schöftland

Der Samariterverein lud zum Blutspenden – 174 Spender kamen. Das Blut der 156 erfolgreichen Spender wird noch in der Nacht nach Bern gebracht und dort verarbeitet. Schon übermorgen kann es genutzt werden.

Nein, das Blut fliesst nicht. Zumindest nicht bei Susanne Krapf. Bei allen anderen füllen sich die Beutel.

Dabei war sie so tapfer, die 21-jährige Malerin aus Hirschthal. Gleich nach dem Arbeiten erschien sie zum Blutspenden. Immer noch in ihren weissen Malerkleidern, die Hände voller Farbe. Ruckzuck war der Fragebogen ausgefüllt. Der Finger gepikst und die Temperatur im Ohr gemessen – 36,4 Grad. Der Puls war regelmässig. Sie nimmt keine Medikamente und im Ausland war sie auch nicht im vergangenen halben Jahr.

«Eine gute Spende» wünscht die Frau vom Blutspendezentrum Bern. Nützen wird es nicht.

156 spendeten ihr Blut

Kurz darauf liegt Susanne Krapf auf dem Bett. Ihre Mutter Ruth steht am Tisch gegenüber und nimmt die prall gefüllten Beutel mit Blut entgegen. Sie ist eine der freiwilligen Helferinnen und Helfer des Samaritervereins Schöftland. Der Verein organisiert das Blutspenden dreimal im Jahr. Als ihre Tochter auf dem Bett liegt, kann sie es nicht lassen: «Susle, neue Schuhe wären also kein Luxus.»

Susanne Krapf ist nicht aufgeregt. Es ist ihr drittes Mal. Warum sie spendet? «Weil ich vielleicht auch einmal froh bin», sagt sie und zuckt mit den Schultern. Dann kommt die Pflegefachfrau des Blutspendezentrum Bern. Sie sucht die Vene. Sie fühlt und schaut. Schwierig. Krapfs Venen sind fein und nicht sichtbar. Darum zieht sie eine Kollegin bei. Auch sie versucht, die Vene zu erfühlen. «Nimm die, die ist sicherer», rät sie. Die Pflegefachfrau sticht. Kein Blut. Lange gefackelt wird nicht. «Rumstochern bringt nichts. Wir stechen nur einmal», sagt die Pflegefachfrau. Susanne Krapf bekommt einen grünen Verband. Aufgeben will sie nicht. «Wenn ich schon hier bin.» Für den zweiten Versuch am anderen Arm muss sie einen Moment warten.

Mittlerweile sind alle Betten besetzt. Nah liegen die Leute beieinander. Man kennt sich. Und man weiss in diesem Moment sehr viel Intimes voneinander. Zum Beispiel, dass hier niemand mehrere Sexualpartner hatte während der letzten 12 Monate. Oder, dass niemand, dessen Blut soeben in einen Beutel fliesst, während der letzten sechs Monaten ferienhalber in einem Malariagebiet war. Beides sind Ausschlussgründe vom Blutspenden.

Blut kommt in nationalen Bluttopf

Das Blut der 156 Spender ging noch in der Nacht nach Bern. Dort wird es auf Krankheiten untersucht und in seine Bestandteile aufgeteilt: Rote Blutkörperchen, Plasma und Blutplättchen. «Blut ist ein wertvolles Geschenk», sagt Anita Tschaggelar, die Leiterin des Blutspendemanagement Bern. Die rund 70 Liter Blut, die gespendet wurden, kommen in einen nationalen Bluttopf. Bei Engpässen wird das Blut an die Spitäler verkauft. 212,70 kostet ein Beutel roter Blutkörperchen. Der Preis ist vom Bundesamt für Gesundheit festgelegt. Der Spender erhält kein Geld, damit niemand aus einer finanziellen Notlage heraus sein Blut spendet.

Zurück zu Susanne Krapf, bei der jetzt eine Pflegefachfrau eine Vene am anderen Arm sucht. Sie sticht und das Blut fliesst. Nur leider zu langsam. Nun erhält sie einen blauen Verband. Bei allen Blutspendern um sie herum fliesst das Blut problemlos. Zum Beispiel bei Jürg Stenz aus Schöftland, der zum achtzigsten Mal Blut spendet. «Nach jeder Spende ist es mir wohler», sagt er. Auch bei Erika Seller aus Schöftland hat es zum fünfzigsten Mal problemlos geklappt.

Ein bisschen schade findet es Susanne Krapf schon, dass es nicht geklappt hat. «Hast du zu wenig getrunken», fragt ihre Mutter. Die Tochter verneint.

Trotzdem: Sie kommt nächstes Mal wieder, wenn der Samariterverband Schöftland zum Blutspenden einlädt. Und eines der 200 Schinkenbrötchen, welches die Samariter gestrichen haben, kriegt sie auch. Sie hat es verdient.

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