Wiliberg ist eine spezielle Gemeinde. Sie ist nicht nur die kleinste im Kanton, sondern nebst Kallern im Freiamt auch die einzige, die keinen Anschluss an den öffentlichen Verkehr hat. Wer in Wiliberg wohnt, der braucht ein Auto. Trotzdem wünschen sich viele Einwohnerinnen und Einwohner wieder einen Anschluss an den öV. Grund genug für den Gemeinderat, ein Projekt auszuarbeiten. Dieses wurde der Bevölkerung nun vorgestellt.

«Eines vorweg: Eine Buslinie, wie wir sie bis Ende 2007 hatten, wird es nicht mehr geben», sagte Gemeindeammann Patric Jakob anlässlich der Infoveranstaltung. Tiefgründige Abklärungen des Gemeinderates haben ergeben, dass das Ruftaxi die wohl einzige vom Kanton akzeptierte und für die Gemeinde zahlbare Variante einer Anbindung an den öV darstellt.

Als möglicher Partner hat sich die Firma Walter Tschannen AG aus Zofingen angeboten. Sie ist das einzige Unternehmen in der Region, das über mehrere Taxis verfügt, einen 24-Stunden-Service bieten kann und nicht zu weit von Wiliberg entfernt ist. Die Taxibetriebe aus Reiden lägen zwar näher, verfügen aber alle über zu wenig Autos.

Noch fehlt Zofingen im Angebot

Weil ein Ruftaxi das Angebot des öffentlichen Verkehrs nicht konkurrenzieren darf, sind in der Planung die Verbindungen von Wiliberg nach Bottenwil, Reiden, Reitnau und zurück vorgesehen. An der Infoveranstaltung forderten mehrere Wiliberger, dass der Gemeinderat auch das Angebot nach Zofingen prüfen und rechnen lassen soll. «Wir fahren überall auf der Welt hin», sagt Markus Zinniker von der Firma Walter Tschannen AG aus Zofingen. «Die Frage ist nur, wer es bezahlt.»

Eine Normalfahrt mit dem Ruftaxi von Wiliberg in die drei vereinbarten Nachbargemeinden kostet 12 Franken pro Person und wieder 12 Franken für die Rückfahrt. Die Gemeinde Wiliberg subventioniert jede Fahrt mit 45.80 bis 53.50 Franken, je nachdem, wo die Passagiere abgeholt und hingebracht werden müssen. Ein Zuschlag für Nachtfahrten ist nicht vorgesehen.

Eine günstigere Variante ist die Sammelfahrt. Sie kostet pro Fahrt 10 Franken und erfolgt nach einem vorgesehenen Fahrplan mehrfach pro Woche in die Gemeinden Bottenwil, Reiden und Reitnau und einige Stunden später wieder zurück. Während die Normalfahrt in einem Taxi erfolgt, werden die Sammelfahrten in einem mehrplätzigen Bus durchgeführt.

Der Kanton beteiligt sich während dem maximal dreijährigen Probebetrieb mit 25 Prozent an den Kosten, die Gemeinde bezahlt 75 Prozent. Wird das Ruftaxi definitiv eingeführt, werden die Kosten zwischen Kanton und Gemeinde halbiert. «Das Ruftaxi ist keine Luxusvariante», betont Gemeindeammann Jakob, «aber die einzige Möglichkeit, wieder Anschluss an den öV zu erhalten». In einer Konsultativabstimmung befürworteten alle 37 anwesenden Stimmberechtigten (von total 160) die Einführung eines Ruftaxis. Der Gemeinderat beabsichtigt, die Vorlage an der Sommergmeind zu traktandieren.