Fahrgäste

Rüpel-Trend: Schwarzfahrer beschimpfen das Bahnpersonal häufiger

Trend bei der WSB: Die Hemmschwelle zur Respektlosigkeit ist gesunken – das Personal muss sich mehr gefallen lassen.

Trend bei der WSB: Die Hemmschwelle zur Respektlosigkeit ist gesunken – das Personal muss sich mehr gefallen lassen.

Bei den Aargauer Transportunternehmen werden Fahrgäste, die Kontrolleureattackieren oder beschimpfen, konsequent angezeigt. Bei der BDWM haben zurzeit sogar14 Personen Hausverbot.

Am Dienstag wurde ein 28-jähriger Schweizer zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt (az vom 22. 1.). Der Hauptgrund: Er rastete bei einer Kontrolle in der Wynental-Suhrental-Bahn aus, weil er das falsche Billett dabei hatte – das richtige lag zu Hause.

Der Kontrolleur zog sich zurück, meldete es der Polizei. Der Fahrgast wurde später zu Hause abgeholt. Da er psychische Probleme hat, wird die Freiheitsstrafe zugunsten einer ambulanten Therapie aufgeschoben.

Dass Passagiere rot sehen, das erleben Mitarbeiter im öffentlichen Verkehr immer wieder. Erwin Rosenast, Mediensprecher von AAR bus+bahn, kann zwar nicht genau beziffern, zu wie vielen solchen Vorfällen es jährlich kommt. Das sei unter anderem auch abhängig von Witterungseinflüssen, sagt er.

Dass die Gewalt in den Zügen der WSB zugenommen hat, will Rosenast nicht bestätigen. Er sagt aber: «Wir können feststellen, dass in der Gesellschaft die Hemmschwelle zur Respektlosigkeit, Rücksichtslosigkeit eher gesunken ist. Das heisst, dass sich auch unser Personal mehr gefallen lassen muss.»

Bei der BDWM Transport AG, zu der auch die Bremgarten-Dietikon-Bahn gehört, wurde im vergangenen Jahr sechsmal ein Mitarbeiter von einem Fahrgast angegriffen. Alle Täter wurden von der Polizei verhaftet, wie René Fasel, Leiter Bahnproduktion, sagt. Zurzeit haben 14 Personen ein Hausverbot, 11 Personen erhielten die Androhung zum Hausverbot.

Beschimpfen lassen müssen sich die Mitarbeiter der BDWM häufiger: 54-mal wurde deswegen 2013 ein Rapport erstellt. «Dabei sind Schwarzfahrer, die sich ungerecht behandelt fühlen und ihre Aggression mit Schimpfwörtern zeigen, nicht mitgezählt», sagt Fasel.

Vandalismus und Aggressionen hätten merklich abgenommen, seit eigene Sicherheitsleute eingesetzt werden. Hilfreich sei auch die Videoüberwachung in den Bahnhöfen. Im Vergleich mit der Anzahl Fahrgäste – rund 3,5 Millionen pro Jahr – sei der Anteil der renitenten Passagiere allerdings verschwindend klein.

Grundsätzlich wird bei der BDWM aber jede Drohung konsequent zur Anzeige gebracht. Das ist auch bei den SBB so. 2012 wurden gesamtschweizerisch 235 Tätlichkeiten registriert – die Zahl ist damit zum ersten Mal seit 2008 wieder gestiegen.

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