Schmiedrued-Walde
Ruedertaler «plättlet» in Brasilien um die Wette

Plattenleger Mike Brunner darf im August an die World Skills nach Sao Paulo –dort warten zwei leere Wände und ein Boden auf ihn.

Peter Weingartner
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Mike Brunner bei der Arbeit. wpo

Mike Brunner bei der Arbeit. wpo

Peter Weingartner

«Gefühl fürs Material, Genauigkeit und Geschwindigkeit, das brauchts», sagt Mike Brunner, der 20-jährige Plattenleger aus Walde. Am 4. August fliegt er als einziger Aargauer Teilnehmer der World Skills, der Berufsweltmeisterschaften, nach Sao Paulo in Brasilien.

Kreativität ist nicht gefragt an solchen Meisterschaften, heissen sie nun Swiss, Euro oder World Skills. Vielmehr geht es darum, einen genauen Plan umzusetzen. «Wir haben extra Keramikplättli aus Brasilien bestellt», sagt Mike Brunner und zeigt eine deutsche und eine brasilianische Platte. Nicht nur die Normmasse sind verschieden. Der brasilianische Ton ist rot, der deutsche härter. Letzteres hat einen Einfluss auf das Schneiden und Brechen der Platten.

World Skills: 40 Schweizer in Brasilien

Die World Skills Competitions, Berufsweltmeisterschaften, finden alle zwei Jahre statt und 2015 erstmals in Südamerika, und zwar in der grössten Stadt Brasiliens, Sao Paulo. Mit dabei sind 40 Schweizer Berufsleute, die sich in 38 Berufen mit den Weltbesten ihres Fachs messen – auf dem grössten Messegelände Südamerikas: Es ist rund 200'000 Quadratmeter oder 37 Fussballfelder gross. Vom 12. bis 15. August kämpfen über 1200 Berufsleute unter 22 Jahren aus 63 Nationen in 50 Berufen um die Medaillen. Die Siegerehrungen finden am 16. August statt, und am 19. August kommen die 40 Berufsleute mit ihren Betreuern wieder in Zürich an. (wpo)

Bereits elf Male hat Mike Brunner den Übungsplan für die World Skills, den alle Teilnehmenden erhalten haben, umgesetzt. «Ein Drittel der Aufgabe wird anders aussehen, wenn wir dann am 12. August den effektiven Plan erhalten», sagt der junge Berufsmann. Deshalb gelte es, sich die Flexibilität zu erhalten. Ein Trumpf der Schweizer gegenüber der härtesten Konkurrenz aus Südkorea: Die Vorgänger Brunners haben 2013 und 2011 den Titel geholt. Wenn das nicht Druck gibt!

Er lernt den Umgang mit Stress

«Ich habe einen Mentalcoach», sagt Mike Brunner. Auch für den Umgang mit Stress, für Fokussierung und Abschalten und für die Motivation, denn mehr als zehn Mal das Gleiche zu bauen, sei nicht immer lustig. Zumal ein solches Objekt vier Tage intensive, konzentrierte Arbeit bedeute.

Zu gestalten sind zwei Wände und ein Boden. Auf die eine Wand ist hervorstehend eine stilisierte Jesusform zu machen samt Zuckerstock, auf der anderen sind die Umrisse Brasiliens mit integrierter Flagge das Sujet, und auf den Boden kommt in Schrift und Zahlen zu stehen, um welchen Anlass es geht: die World Skills 2015 in Brasilien.

«Als ich das Objekt zum ersten Mal machte, brauchte ich dafür 46 Stunden», sagt Mike Brunner. In Sao Paulo muss er doppelt so schnell sein. Seit November 2014 trainiert er jeden Monat eine Woche. Die Firma Dätwyler Ofenbau, wo er nach einer Ofenbauerlehre die Zusatzlehre als Plattenleger absolvierte, gibt ihm diese Zeit. «Du darfst nie leer laufen, und jeder Handgriff muss sitzen», sagt der Handwerker.

Es werde immer enger an der Spitze, nimmt Mike Brunner etwas Druck weg. «Ich sage mir, ich gebe vollen Einsatz, mehr liegt nicht drin, wenn man voll arbeitet», sagt er. Nun komme Vorfreude auf, auf den Wettkampf und das Erlebnis. Am 4. August fliegt die Schweizer Delegation mit 92 Personen, davon 40 Teilnehmende an den Wettkämpfen, ab. 12 Tonnen Material, darunter 500 Kilogramm Werkzeuge für den Plattenleger, reisen per Frachter nach Brasilien. Vom 12. bis 15. August gilt es in Sao Paulo ernst.

Eine Lebensschulung

Für Mike Brunner ist die Teilnahme an den World Skills mit den intensiven Monaten der Vorbereitung eine «Lebensschulung». «Ich werde reifer und stärker, auch dadurch, dass ich an Grenzen gehe», sagt er. Die vielen Kontakte bereichern; bereits jetzt vergehe kaum ein Tag, an dem er nicht auf die World Skills angesprochen werde. Ob sich für ihn durch diesen Leistungsausweis auch beruflich neue Türen öffnen? Er möchte der Branche treu bleiben und weitere Berufserfahrung sammeln. Die Firma Dätwyler und ihre Kunden wirds freuen. Und der regionale Rotary-Club hat Mike Brunner bereits angefragt für einen Erfahrungsbericht über die World Skills.

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