Wynental
Roger Müller: «Absoluter Alleingang ist zu teuer und ineffizient»

Roger Müller, Präsident von aargauSüd impuls, sagt, dass die Region heute als solche wahrgenommen wird. Auf den 1. Januar 2013 übergibt er das Präsidium an Martin Widmer. Im Gespräch mit der Aargauer Zeitung hält er Rückblick auf seine Amtszeit.

Peter Siegrist
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Roger Müller ist Gemeindeammann in Unterkulm und führt eine eigene Informatikfirma. Peter Siegrist

Roger Müller ist Gemeindeammann in Unterkulm und führt eine eigene Informatikfirma. Peter Siegrist

Von 2009 bis Ende 2012 hat der Unterkulmer Roger Müller zuerst die Zusammenführung der Regionalplanung Wynental mit dem Wirtschaftsförderverein aargauSüd geleitet, dann war er Präsident des neuen Verbandes aargauSüd impuls.

Roger Müller, in den Leitzielen von 2012 steht, die Zusammenarbeit und der Austausch zwischen den Gemeinden sei zu fördern. Ist das gelungen?

Roger Müller: Ja, bestimmt. Ich denke spontan an die Runden Tische, wo die Raumplanung Thema ist. Da ist wichtig, dass sich die Exponenten der Gemeinden einmal an den gleichen Tisch setzen und aufzeigen, welche Pläne sie für ihr Dorf haben.

Derartige Gespräche gab es vorher gar nicht?

Nein, da hat doch jede Gemeinde schlicht ihr Programm ausgeführt.

Das ist das Verdienst von aargauSüd impuls?

Diese Gespräche hat wohl vorher die Regionalplanung ins Leben gerufen. Für mich weiterführend und wichtig ist, dass wir den Fokus nicht allein auf die Raumplanung richten.

Was gehört den sonst noch dazu?

Wir wollen zusätzlich die Wirtschaft, die Kultur und die Gemeinden ins gleiche Boot holen.

Gibt es ein konkretes Beispiel?

Da ist die Wasserversorgung ein Muster. Es war neu, dass sich die Leute der Wasserversorgungen zusammensetzten und kennenlernten. Diese Fachleute haben innerhalb eines Jahres wesentliche Sachen realisiert, wie neue Wasserverbünde. Wir haben es fertiggebracht, dass die Leute miteinander reden.

Sie haben während ihrer Amtszeit mehrmals auf den regionalen Gedanken hingewiesen. Denken die 12 aargauSüd-Gemeinden regional?

Wir sind auf dem Weg, aber der Weg ist lang. Ich glaube, alle haben gemerkt, dass der absolute Alleingang zu teuer und ineffizient ist. Dabei denke ich nicht ausschliesslich an die Gemeinden.

Wer soll denn weiter eingespannt werden?

Ganz klar auch die Wirtschaft und die Kultur. Für beide öffnen sich Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Die Wirtschaft war doch zuerst eher zurückhaltend aargauSüd gegenüber.

Gibt es bereits konkrete Beispiele von Zusammenarbeit?

Das Projekt Lehrbetriebsverbund ist eines. Betriebe spannen in der Lehrlingsausbildung zusammen und sorgen dafür, dass in der Region genügend gute Ausbildungsplätze angeboten werden.

Die Kultur soll auch mitziehen, sagen Sie.

Ja, haben wir das Erzähltal als erfolgreiches Projekt und den Kulturkalender, eine Serviceleistung von aargau Süd impuls.

Ist im regionalen Denken etwas in Bewegung geraten?

Ein gutes Beispiel ist die Wirtschaft. Beim letzten «Zu Besuch bei» einem Firmenbesuch in der Region, nahmen über 80 Personen teil. Schon mehrmals haben Vertreter von KMU festgestellt, dass ein Betrieb im Nachbardorf etwas produziert, was sie selber schon im Ausland suchten. So können im Tal Synergien genutzt werden, und dies bei kurzen Wegen.

aargauSüd impuls hat mit grossem Aufwand ein Altersleitbild entwickelt. Können Sie sicherstellen, dass das Dokument von den Gemeinden umgesetzt wird und nicht zum Papiertiger verkommt?

Wir verfolgen jedes Projekt weiter, steht einmal ein Konzept. So auch das Altersleitbild. Es gibt eine Arbeitsgruppe, welche sich mit der Umsetzung befasst. Wir haben mit dem Projekt vorerst die Leitplanken gelegt. Jetzt geht es um die Kosten, die Reihenfolge der Umsetzung von Teilschritten. Diese Gruppe verhindert, dass das Leitbild zum Papiertiger wird.

Regional denken bedeutet, über den Dorfzaun hinauszublicken. Geschieht das?

Wir nehmen das im Tal selber weniger stark wahr, wie weit wir bereits sind. Ich habe im Herbst unser Modell in der Region Bremgarten-Mutschellen vorgestellt. Die dortigen Gemeindevertreter waren erstaunt zu erfahren, welche Zusammenarbeit in unserem Verband in Politik, Wirtschaft und Kultur bereits Realität ist. Wir sind tatsächlich die erste Organisation dieser Art.

Sind Sie selber überrascht, dass das gelungen ist?

Es heisst doch immer wieder, der konservativste Bezirk im Land sei Kulm. Da bin ich ehrlich stolz auf alle Einwohner aus den zwölf Gemeinden, Sie haben schliesslich Ja gesagt zu diesem Konzept der regionalen Zusammenarbeit.

Sie hören vor Ablauf der Legislatur auf. Warum eigentlich?

Es wurde ganz einfach zu viel. Ich blicke auf ein äusserst intensives Jahr in meiner Firma zurück und die Arbeit, welche zum Gemeindeammann-Amt gehört nimmt auch zu. Wir beschäftigen uns gegenwärtig mit der Fusion Unterkulm-Oberkulm, und da bin ich gefordert.

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