Bezirksgericht Zofingen

Rentner rammt Schikane-Block: «Ich bin sicher nicht alleine schuldig»

Der Rentner hat den grauen Betonquader nicht gesehen. (Symbolbild)

Der Rentner hat den grauen Betonquader nicht gesehen. (Symbolbild)

Vor dem Bezirksgericht Zofingen ging es um Frage: Ist der massive Betonquader oder der unaufmerksame Autofahrer schuld? Der 78-Jährige ist mit der Busse gar nicht einverstanden.

Die Tempo-30-Zone an der Brittnauerstrasse in Zofingen hat viel zu reden gegeben – und sie gibt es immer noch. Vor allem die Betonquader, die den Verkehr beruhigen sollen, entpuppten sich als Stein des Anstosses. Im wahrsten Sinne des Wortes: Innerhalb von kürzester Zeit gab es im November 2015 mehrere Unfälle von Auto- und Velofahrern, die die neu gestellten Betonquader übersehen hatten und mit ihnen zusammengestossen sind. Einer dieser Unfälle wurde vor dem Bezirksgericht Zofingen verhandelt.

Der 78-jährige Beschuldigte aus der Region hatte gegen den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm Einspruch erhoben. «Ganz unschuldig bin ich nicht», gab er vor der Gerichtsverhandlung zu, «aber ich bin sicher nicht alleine schuldig. Die Quader waren nicht gut genug markiert.»

Mann musste ins Spital

Die Polizei war nach dem Unfall vor Ort und nahm auf, dass es an jenem Morgen kurz vor 8 Uhr bereits hell war. «Diese Betonquader sind gross. Die übersieht man nicht, und wenn doch, müsste man sehr unaufmerksam sein», warf die Richterin ein und hielt dem Beschuldigten vor, dass man gerade in 30er-Zonen besonders vorsichtig fahren müsse. «Ich fahre seit 1956 Auto und habe mir nie etwas zuschulden kommen lassen. Ich fahre wirklich vorsichtig», sagte der Beschuldigte. «Solche Quader müssten einfach vernünftig markiert werden. Grau in Grau – das sieht keiner.»

Während sich die Richterin mit dem Gerichtsschreiber beriet, zog der Beschuldigte im Vorraum ein Foto hervor. «Am Tag nach meinem Unfall, es war ein Samstag, hat die Stadt veranlasst, dass um die Betonquader herum eine Markierungslinie gezogen worden ist. An einem arbeitsfreien Samstag. Das sagt doch alles.»

Einzelrichterin Kathrin Jacober bestätigte den Strafbefehl und damit auch die Busse über 300 Franken. «Ich könnte eine Strafe von bis zu 10 000 Franken verhängen. Sie können also sehen, dass ich Ihr Verschulden nicht als sehr gross einstufe.» Mehr reduzieren könne sie die Busse nicht. «Sie sagen, der Quader sei schwer zu erkennen gewesen – aber auch ein Fussgänger oder ein Fahrradfahrer könnten schwer zu erkennen sein.» In einer 30er-Zone müsse man umsichtig fahren. Und wenn der Beschuldigte das getan hätte, hätte er den Quader gesehen.

Der Mann war enttäuscht. Wenn er das Urteil schriftlich vor sich habe, werde er wohl mit seinem Anwalt Rücksprache nehmen, sagte er nach der Urteilsverkündung. Den Weiterzug ans Obergericht schliesse er nicht grundsätzlich aus.

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