Man schaut jetzt gerne hoch zum Schloss. Das Anwesen hat sich wieder zu einem Blickfang entwickelt: Die Fassaden strahlen weiss, Dachrinnen und Regenwasserrohre glänzen kupfern. Aussen ist die Sanierung von Schloss Rued seit einigen Monaten abgeschlossen. Und sie ist gelungen.

Dennoch gibt es Einwände gegen die Sanierung. Ein privater Einsprecher fordert eine Baueinstellung. Der Vorwurf: Nach Erhalt der Baubewilligung seien die Baufristen nicht eingehalten worden. Peter Lüthy, Gemeindeschreiber von Schlossrued, sagt: «Der Vorwurf zur Nichteinhaltung der Fristen liegt einige Jahre zurück.» Bis in die Jahre 2007/2008. Die deswegen geforderte Baueinstellung hatte der Gemeinderat 2015 abgelehnt.

In seinem Entscheid war er durch das kantonale Baudepartement bestätigt worden. Nun hat der Einsprecher aber gegen den Gemeinderatsentscheid beim kantonalen Verwaltungsgericht Beschwerde eingereicht.

Das Verwaltungsgericht kann, weil es sich um ein laufendes Verfahren handelt, zum Fall keine Stellung nehmen. Ausser, dass im Sommer mit dem Urteil zu rechnen sei.

Innen ist noch einiges zu tun

Auch die Erowa AG, die Besitzerin des Schlosses, will sich zum hängigen Verfahren nicht weiter äussern.

Die international tätige Firma, die in der Präzisionsmechanik und im Werkzeugbau gross geworden ist, hatte das Anwesen 2006 für 2,7 Millionen in einer Zwangsversteigerung ersteigert. Es sei zu diesem Zeitpunkt «ein Schloss im Dornröschenschlaf, kurz vor dem Zerfall» gewesen, schrieb die Aargauer Zeitung 2013. Der vorherige Besitzer habe die Mittel für eine Renovation nicht mehr gehabt.

Die neue Besitzerin Erowa AG will das Schloss künftig als Seminarzentrum nutzen. Es biete sich in idealer Weise für Weiterbildungsveranstaltungen an. Die Firma hatte in der Folge auch das ehemalige «Tanzhüsli» und das Restaurant Storchen erworben. Beide sind inzwischen renoviert. Die Sanierung des Schlosses aber zieht sich in die Länge. Es mussten Baubewilligungen eingeholt, Vorschriften beachtet und immer wieder mit der kantonalen Denkmalpflege das weitere Vorgehen abgesprochen werden.

Keine einfache Angelegenheit. Auch, weil das Schloss in der Vergangenheit von seinen vorherigen Besitzern allzu sehr vernachlässigt worden war. Gemäss Denkmalpflege sei immerhin die Grundsubstanz der Baute in gutem Zustand geblieben. Von aussen präsentiert sich das Schloss heute so, wie in seinen besten Zeiten – 1790 hatte es der einstige Schlossherr Carl Friedrich von May nach einem Brand wieder aufgebaut. Innen aber ist noch einiges zu tun. Die Erowa AG rechnet mit weiteren zwei bis drei Jahren.

Zwar läuft das Beschwerdeverfahren. Dennoch wird im Inneren des Schlosses nach wie vor gebaut. Möglich sei das, weil der Rechtsdienst des kantonalen Baudepartements in erster Instanz Nichteintreten verfügt hatte, wie Gemeindeschreiber Lüthy sagt. «Die Gemeinde hat ein grosses Interesse, dass das Schloss renoviert wird.» Das Schloss auf dem Felsvorsprung sei ein Blickfang und trage zur Attraktivität von Schlossrued bei. Man dürfe wohl auch davon ausgehen, dass der Betrieb des Seminarzentrums einige Arbeitsplätze in der Gemeinde mit sich bringen werde.

Sanierung irgendwie behindern

Laut Gemeindeammann Martin Goldenberger gehe es bei der Einsprache nicht um Substanzielles. Letztlich wolle der Einsprecher den Bauherrn irgendwie an der Sanierung des Schlosses hindern. «Das Geltendmachen von Nichteinhaltung der Fristen» diene ihm nun als Grund.