Bezirksschulstreit

Renate Gautschy: «Das zerschlagene Geschirr muss entsorgt werden»

Renate Gautschy wünscht eine Aussprache auf Stufe Gemeinderat.

Renate Gautschy wünscht eine Aussprache auf Stufe Gemeinderat.

Die ehemalige Projektleiterin Renate Gautschy fordert, dass der Gemeindeverband den Lead übernimmt und die Gemeinden an einen Tisch holt

Frau Gautschy, in der «Schweiz am Wochenende» vom vergangenen Samstag hat Martin Widmer erklärt, weshalb für ihn die Wiederaufnahme des Kreisschulprojekts so wichtig ist. Teilen Sie seine Einschätzung?

Renate Gautschy: Ich teile vor allem die Meinung, dass die politischen Entscheidungsträger jetzt gemeinsam in die Zukunft schauen und Verantwortung übernehmen müssen. Es wurden jahrelange Abwägungen gemacht, jetzt braucht es Entscheidungen.

Was sind das für Entscheidungen?

Soll eine Kreisschule unter einem Dach, das heisst mit einer Führung, aber an verschiedenen Standorten angestrebt werden, oder behalten wir zwei Kreisschulen. Oder zeichnet sich sogar ein ganz neues Modell ab.

Welcher Schritt sollte in Ihren Augen als nächstes gemacht werden?

Jetzt muss eine Aussprache auf Stufe Gemeinderat (politische Ebene) mit allen Betroffenen stattfinden. Was vorbei ist, sollte weit zurückgelassen werden, sonst kommen wir nicht weiter.

Glauben Sie, dass angesichts des vielen Geschirrs, das zerschlagen wurde, eine fruchtbare Zusammenarbeit schnell wieder möglich ist?

Ja, ich habe den unerschütterlichen Glauben, dass eine weitere Zusammenarbeit möglich ist – aber nicht auf der Basis des zerschlagenen Geschirrs, das muss entsorgt werden. Wie schnell das geht, wird sich zeigen.

Im Herbst werden die Gemeindebehörden neu bestellt. Glauben Sie, dass das zur Entspannung der Situation beiträgt?

Wir sollten in jeder Situation in der Lage sein, uns wieder entspannen zu können. Das mute ich uns zu. Sowohl aktuelle wie auch neue Leute können für oder gegen eine Sache sein. Es braucht vor allem Lösungen und die Bereitschaft, verändern zu wollen.

In Reinach und Menziken ändert sich an der politischen Zusammensetzung nicht allzu viel.

Was sich künftig ändert, auch in anderen Gemeinden, wissen wir heute nicht. Was wir aber wissen, ist, dass wir Handlungsbedarf haben. Und aufgrund dieser Faktenlage sollten wir nicht auf neue Leute oder Wunder warten, sondern heute für die Zukunft handeln. Offen und konstruktiv sollten wir an einer neuen Vertrauensbasis arbeiten. Weiter ist es wichtig, dass Gemeinderäte und andere Gremien nach innen und aussen die gleiche Sprache sprechen. Ein Gremium muss unbedingt zum «Wording», das vereinbart wurde, stehen.

Was meinen Sie damit?

In der turbulenten Phase wurden zu der Sache ganz unterschiedliche Meinungen kundgetan.

Wie sähe die Ideallösung für das Problem im Wynental in Ihren Augen aus?

Es wäre nicht richtig, wenn ich jetzt über die Köpfe hinweg eine Ideallösung propagieren würde. Um dieses Ziel anzugehen, müssen wir uns gemeinsam an einen Tisch setzen. Vom Gemeindeverband aargauSüd impuls wird sicher in den nächsten Tagen eine entsprechende Einladung eintreffen.

Der Gemeindeverband soll in Ihren Augen das Heft also wieder in die Hand nehmen?

Ja, das habe ich bereits Mitte Januar 2017 wieder angeregt. Der Handlungsbedarf wurde allenfalls auch eingesehen, gehandelt wurde aber nicht. Ich denke, ein Hinderungsgrund war das Wissen, wie schwierig eben Veränderungen in der Schullandschaft sind. Aber jetzt gibt es in dieser Sache keinen Fortschritt mehr ohne Veränderungen.

Meistgesehen

Artboard 1