Reinach

Im Wynental geplant: Der grösste Moschee-Neubau im Aargau

In Reinach werden fünf Millionen Franken in den grössten Moschee-Neubau im Aargau investiert.

Die Predigt der albanisch-islamischen Gemeinschaft Reinach findet an grossen Feiertagen jeweils in der Tennishalle im Reinacher Moos statt. In den bestehenden Räumlichkeiten an der Hauptstrasse hat es für die über 300 Mitglieder schon längst nicht mehr genügend Platz. Gebetsstunden müssen teilweise in den Gängen des Gebäudes, das an der Hochhauskreuzung liegt, abgehalten werden.

Seit 25 Jahren befindet sich das gesellschaftliche und religiöse Zentrum des Vereins dort. Gegründet wurde er 1992. Die Mitglieder sind albanischer, kosovarischer, mazedonischer oder serbischer Herkunft. «Wir machen da keine Unterschiede», sagt Vorstandsmitglied Liridon Racaj.

Jetzt will der Verein eine Moschee bauen. Kostenpunkt: fünf Millionen Franken. «Nach drei Generationen unseres Vereins ist es nun unser ambitioniertes Ziel, ein eigenes Kulturzentrum zu bauen», schreibt die Gemeinschaft auf ihrer Website. Das Baugesuch soll noch diese Woche eingegeben werden.

Die Finanzierung wird von den Mitgliedern, die hauptsächlich im Oberwynental wohnen, selbst übernommen. 20 Prozent der Kosten sind bereits durch Spendengeldern gedeckt. Gesammelt wird weiter. Laut Pressemitteilung soll das geplante Gebäude baulich kein religiöses Wahrzeichen setzen. Auch wenn es das Bauverbot in der Bundesverfassung nicht geben würde: «Ein Minarett ist für uns überhaupt kein Thema», sagt Racaj.

Das gekaufte Grundstück in Reinach befindet sich zwischen Landi, Aldi und Karin Bertschis Recyclinghof. Der Moschee angegliedert werde das Kultur- und Begegnungszentrum «Tulipan», das Menschen aller Glaubensrichtungen offenstehen soll. Geplant ist eine Kita, Klassen für Islam- und Deutschunterricht, eine Bibliothek, ein Restaurant sowie Gebetsplätze für Männer und Frauen.

Die Nutzfläche beläuft sich auf 2225 Quadratmeter. Auch als Eventlocation soll das geplante Kulturzentrum genutzt werden können. «Ein Jugendraum, geführt von Sozialarbeitern, bietet zudem Jugendlichen aller Kulturen die Möglichkeit zur Freizeitgestaltung und Begegnung», schreibt der albanisch-islamische Verein in seiner Pressemitteilung.

Gemeindeammann findet das Projekt gut

Das Investment in eine Infrastruktur diene nicht nur der Eigennutzung, sondern solle bewusst ein integratives Zeichen setzen. «Tulipan» wird ein religiöses und soziales Begegnungszentrum mit stark integrativem und kulturell verbindendem Charakter. Bei einem Ausländeranteil von rund 40 Prozent in den Gemeinden Reinach und Menziken ist Integration ein wichtiges Thema.

So äussert sich auch Reinachs Gemeindeammann Martin Heiz in der Pressemitteilung: «Das geplante neue Begegnungszentrum der albanischen Gemeinde ist weit mehr als eine neue Infrastruktur zur würdigen Ausübung ihrer Religion. Es ist ein Bekenntnis zu unserer Region und ein Brückenschlag zwischen Religionen und Kulturen – initiiert von einer Minderheit, die sich bei uns offenbar wohlfühlt und der Allgemeinheit ihre Wertschätzung ausdrücken will. Darum ist dieses Projekt absolut unterstützenswert.»

Autor

Melanie Eichenberger

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