Reitnau
Als er einen Fuss in die Hotelbranche setzte, kam Corona – jetzt ist Marc Hochuli wieder Gemeindeschreiber

In Staffelbach hatte er als junger Chef eine Gemeindeverwaltung unter sich – dann entschied sich Marc Hochuli, nochmals zu studieren – und ganz unten neu anzufangen.

Flurina Dünki
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In Reitnau hat Marc Hochuli eine Aussicht in die Alpen, die durchaus als Touristenattraktion durchgehen könnte.

In Reitnau hat Marc Hochuli eine Aussicht in die Alpen, die durchaus als Touristenattraktion durchgehen könnte.

Flurina Dünki

Marc Hochuli wäre bereit gewesen, loszulegen. Doch just in dem Moment war die Welt nicht bereit für ihn. Zweieinhalb Jahre lang hatte er nochmals studiert. Er hatte seinen früheren Job gekündigt, «um nochmals etwas Neues zu lernen, solange ich noch jung bin». Das Neue war die Welt der Hotellerie, «wo die Welt zu dir kommt und du gar nicht zu reisen brauchst». Doch im März 2020, dem heute 35-Jährigen fehlte noch ein halbes Jahr zum Abschluss, konnte die Welt nirgends mehr hinreisen. Corona legte die Hotellerie-, die Gastro- und die Reisebranche mit einem Schlag lahm.

Heute empfängt Marc Hochuli, der in Schöftland wohnhaft ist, keine Gäste in der Lobby eines Hotels, sondern in der Gemeindeverwaltung Reitnau – ein Standort, der dank seiner freien Sicht in die Luzerner Alpen durchaus etwas von einer touristenwürdigen Aussicht hat. Hier ist er seit April Gemeindeschreiber und damit in seinen alten Beruf zurückgekehrt. Dank diesem Standbein konnte er sich selber aus dem Coronasumpf ziehen.

Stift an der Zürcher Bahnhofstrasse

Dabei hatte alles blendend begonnen – an bester Adresse an der Zürcher Bahnhofstrasse. Der Reiz des «ganz anderen», das einen täglichen Austausch mit vielerlei Kulturen mit sich bringen würde, hatte ihn ermutigt, den Schritt zu wagen und seine Stelle als Gemeindeschreiber in Staffelbach zu kündigen. In dem Dorf war er aufgewachsen, hatte auf der Gemeindeverwaltung seine Lehre gemacht und war nach einem Ausflug in die Privatwirtschaft als diplomierter Finanzverwalter zurückgekehrt. Als er von Staffelbach ging, hatte er zudem die Weiterbildung zum Gemeindeschreiber in der Tasche.

In der Hotelfachschule Belvoirpark in Zürich wurde der Finanz- und Verwaltungsprofi, der zuvor noch nie in der Gastro geschnuppert hatte, für sein künftiges Metier fit gemacht. Parallel sammelte er im Praktikum Erfahrung, was auch bedeutete, wieder ganz unten anzufangen. In Staffelbach hatte er als junger Gemeindeschreiber andere Mitarbeiter unter sich, plötzlich musste er sich für die Trinkgelder vermögender Businessleute bedanken. Denn ganz unten anfangen liess man ihn ausgerechnet im Luxushotel Schweizerhof beim Hauptbahnhof Zürich. Ganz schön Herzklopfen habe ihm das zu Beginn bereitet, «eine simple Kneipe ist das ja nicht gerade», sagt Hochuli. Den dortigen Chefs hatte es gefallen, dass sich da jemand völlig neu ausrichtete. Ein Glück für den Studenten, denn andere Praktikumsbetriebe hatten ihn deswegen nicht nehmen wollen.

Wiedereinstieg dank Mutterschaftsvertretung

Dann kam Corona. «Ich wusste, dass ich zwar in ein paar Monaten ein Diplom vorweisen kann, aber keine Erfahrung hatte, und das unter diesen schwierigen Bedingungen», erinnert er sich zurück. Der Zufall half ihm, dass er hierzu gar nicht lange grübeln musste. Sein früheres Standbein war seine Rettung. Und jene Kollegin der Gemeindeverwaltung Meisterschwanden, die ihm vorschlug, sich doch als ihre Mutterschaftsvertretung ab Oktober 2020 zu bewerben und nach ihrer Rückkehr im Teilzeitpensum zu bleiben. «Für die restliche Zeit wollte ich mir etwas in der Gastrobranche oder in der Hotellerie suchen», sagt er.

Doch noch würde sich diese Branche nicht erholen, im Gegenteil. Das Jahr 2021 wurde eingeläutet und die Situation war trüber denn je. Dennoch wollte Hochuli seinen Vorsatz, sein neuestes Standbein unter Beweis zu stellen, nicht über Bord werfen. Auch wenn er schon im Dezember gehört hatte, dass man oben in Reitnau einen neuen Gemeindeschreiber suchte. Es brauchte erst einen Anruf der Frau Gemeindeammann Katrin Burgherr persönlich, damit er sich die Sache ernsthaft überlegte. Und sich schliesslich dafür entschied.

Momentan arbeitet Marc Hochuli zu 60 Prozent in Reitnau als Gemeindeschreiber, den Rest in Meisterschwanden als stellvertretender Leiter Finanzen. Letztere Stelle hat er noch bis Ende Jahr inne. So konzentriert er sich statt auf Gästewünsche auf Reitnaus Melioration statt auf die Hotelfassadenrenovierung auf den fliessenden Übergang nach dem Ende der Schulpflege. Doch die Hotellerie, die sei nur aufgeschoben, nicht aufgehoben.