Ende September wurden dem Reinacher Papageienfreund und -züchter Peter Willimann angeblich vier Kakadus gestohlen – darunter auch Publikumsliebling Köbeli. Nun ist ein Kakadu, nachweislich aus Willimanns Zucht, in Deutschland aufgetaucht. Handelt es sich dabei um einen der vier gestohlenen Vögel?

«Köbeli ist es nicht», da ist sich Peter Willimann sicher. Der handzahme Gelbhaubenkakadu ist nämlich nicht beringt und kann deshalb nicht so einfach identifiziert werden. Sein gefiederter Kollege, der mit ihm die Voliere hinter dem Café City geteilt hatte, hingegen schon. Und seine Nummer ist jetzt in Deutschland aufgetaucht. Genauer in Sonnenbühl, südlich von Reutlingen, rund 200 Kilometer von Reinach entfernt.

Davon zeugt ein Schreiben, das an Peter Willimann gerichtet ist und der az vorliegt. Es stammt von einer Frau, die angibt, der Vogel sei ohne Herkunftsnachweis beim Deutschen Tierschutz eingegangen. Als neue Besitzerin des Vogels hätte sie zwecks rechtmässiger Anmeldung vom Züchter gerne eine Kopie der Papiere. Die Ringnummer am Fuss des Vogels habe sie über Umwege zu ihm geführt. Weitere Details sind aus dem Schreiben nicht zu erfahren.

Widersprüchliche Angaben

«Der Kakadu ist seit zwei Jahren bei mir», sagt die Frau in Deutschland auf Anfrage der az am Telefon, während im Hintergrund Vogelrufe zu hören sind. Jemand Bekanntes habe ihn ihr vermittelt, weil das Tier geschrien und gebissen habe und für den Vorbesitzer nicht mehr tragbar gewesen sei. Der Vogel habe wohl schon mehrfach einen Halterwechsel erlebt, seit er aus dem Tierheim gekommen sei. Das hätten eigene Recherchen ergeben.

Folglich handelt es sich zwar eindeutig um ein Tier aus Willimanns Zucht, aber nicht um einen der vier im Herbst geklauten Kakadus?

Für Peter Willimann gibts keinen Zweifel: «Das ist die Nummer von Köbelis Kamerad.» Einen Namen hatte das Tier nicht. Nur Köbeli, dem Zirkusvogel, wurde diese Ehre zuteil. Trotzdem war der namenlose Kakadu für Willimann nicht einer von vielen, denn er hatte eine ganz besondere Geschichte. Und diese Geschichte ist es auch, die Willimann so sicher macht, dass der in Deutschland aufgetauchte Vogel tatsächlich Köbelis Kumpane ist.

Peter Willimann hat seine Vögel in der ersten Lebensphase nicht selber aufgezogen. Das hat eine befreundete Papageienzüchterin, Yvonne Nobel aus Menznau, für ihn übernommen. Sie hat die Tiere auch mit ihrer Züchternummer beringt, bevor sie verkauft wurden. «Einer der Kakadus liess sich einfach nicht verkaufen», sagt Yvonne Nobel auf Anfrage. Das sei im Jahr 2007 gewesen, sie erinnere sich, wie wenn es gestern gewesen wäre. Denn die Geschichte des Vogels habe schon traurig begonnen: «In jenem Jahr hat mir Peter Willimann nur zwei Kakadueier gebracht», so Yvonne Nobel. «Das war ungewöhnlich, sonst waren es meist vier, fünf.» Das sei besser, weil die Chance grösser sei, dass kein Küken alleine aufwachsen müsse, weil – die Züchterin kommt in Fahrt – Gesellschaft sei sehr wichtig bei Papageien. «Die brauchen ein Gspänli, wissen Sie.»

Nach längeren Ausführungen über Brutbiologie von Papageien im Allgemeinen und von Kakadus im Speziellen kommt sie wieder auf jene zwei Eier aus dem Jahr 2007 zu sprechen: «Das eine war steckengeblieben, wie wir im Fachjargon sagen», erzählt sie und fügt an: «Das heisst, das Vögelein ist nicht geschlüpft. Es war im Ei abgestorben.» Also war der andere Kakadu allein – und deshalb sei er auch der Einzige mit der Jahreszahl 2007 in der Züchternummer gewesen. Und weil er nicht habe verkauft werden können, habe ihn Peter Willimann wieder zurückgenommen – als Kamerad für Köbeli. «Ganz sicher war das 2007», die Frau wird energisch. Das lästige Nachhaken der Journalistin beginnt offensichtlich zu nerven. «Das können Sie mich in 30 Jahren noch fragen, ich erinnere mich so genau, weil ich so traurig war.»

Willimann braucht Beweis

Sagt die Frau aus Deutschland nicht die Wahrheit oder täuschen sich Peter Willimann und Yvonne Nobel? Die Kantonspolizei, die den Fall Köbeli gemäss Angaben von Mediensprecher Bernhard Graser mangels Beweisen bereits ad acta gelegt hatte, bestätigt, dass Peter Willimann mit den neuen Informationen vorstellig geworden sei. «Die Kantonspolizei Reinach ist mit Peter Willimann so verblieben, dass er den Beweis anzutreten hat, dass es sich beim fraglichen Tier um seinen Vogel handelt», so Graser. «Ohne diesen Nachweis werden wir keine Ermittlungen veranlassen und vorderhand nichts mehr in der Sache unternehmen.»