Reinach
Schriftengestalter kann auch Kunst

In Heinz Mazohls Kunstpavillon in Reinach stellt der Künstler seine Werke aus 30 Jahren aus.

Peter Weingartner
Drucken
Teilen
Heinz Marzohl hängt so an seinen Bildern, dass er keines im Original verkauft. Bild: Peter Weingartner

Heinz Marzohl hängt so an seinen Bildern, dass er keines im Original verkauft. Bild: Peter Weingartner

Peter Weingartner / Aargauer Zeitung

Heinz Marzohl, Malermeister, hat als Mitgründer der Marzohl Werbetechnik AG wohl unzählige Firmenlogos entworfen und auf seine unverkennbare Art Betonanlagen mit Grafiken ein Gesicht gegeben. Seine Töchter führen inzwischen das Unternehmen weiter. Der 75-Jährige hat sich nun einen eigenen Kunstpavillon geleistet, sein «Privatmuseum», wie er scherzhaft sagt. Und darin zeigt er seine Bilderserien, die in den letzten 30 Jahren entstanden sind. Über 50 farbenfrohe Bilder auf Leinwand in unverwechselbarem Stil und rund 100 Skizzen und Studien.

Inspiriert von Reisen im In- und Ausland

Ein findiger Mensch ist Heinz Marzohl, sei’s in seiner früheren Tätigkeit, aber auch, wenn er seiner Leidenschaft, dem Malen frönt. Findet er die Motive oder finden sie ihn? Wer die Bilder in seinem Kunstpavillon betrachtet, findet Unterschiedliches. Reisen inspirieren ihn, sei’s ins Wallis oder nach Ägypten. Aus ersten Bleistiftskizzen, relativ naturalistisch, entwickeln sich Abstraktionen, Verformungen, und wenn er Farbe verwendet, zeigt sich sein Sinn für die Komposition auch in den Formen.

Wer mit dem Künstler durch die Ausstellung geht, kommt dessen Farb- und Formensprache auf die Spur. Da stecken unaufdringlich Symbole drin, die wie Leitmotive auftauchen. Wer will, kann Gspon im Wallis im verzogenen Kirchturm sehen. Oder Amrum im Reetdachhaus, im Leuchtturm. In erster Linie aber sieht man Bilder mit Tiefe, mit einer mehrheitlich lebensfrohen Ausstrahlung, heiterem Klang der Farben, Bilder, in die man sich versenken kann, ohne dass sie erklärender Erklärungen bedürfen.

Leuchtende Farben und archaische Linien

Wem Kandinsky oder noch mehr Franz Marc einfällt, liegt nicht ganz daneben. «Ich habe gespürt, was sie ausdrücken wollen», sagt Heinz Marzohl. Künstler wie sie haben ihn inspiriert. Er mag leuchtende Farben, sieht in Gesteinsstrukturen aber auch Formen und archaische Linien. Da ein Gesicht, dort ein Frauenkörper, ein Turm, eine züngelnde Flamme. Geheimnisvoll. «marzohl-mystische-malerei.com» heisst denn auch seine Website.

Das Unbewusste findet Ausdruck in dem, was der Künstler malt. Rorschachtest, ohne zu psychologisieren. Von «Träumen» und «Raben im Hirn» spricht Heinz Marzohl. Der christlich geprägte kulturelle Hintergrund spielt hinein. In seinen Bildern steckt auch die Ermunterung an die betrachtenden Personen, selber auf Entdeckungsreise zu gehen, sei’s in seinen Bildern oder in der Natur.

Ein genauer Arbeiter mit Humor

Heinz Marzohl ist sich genaues Arbeiten gewohnt. Nicht nur vom Berufsleben her; er hat 1983 den Bahnhof in Beinwil am See im Massstab 1:87 nachgebaut, preisgekrönt vom Verkehrshaus der Schweiz, nun im Altersheim Dankensberg zu bewundern. Obwohl die Bilder leicht daherkommen, überlässt der Maler nichts dem Zufall. Oder wenig. «Zuerst sind das Gefühl, die Stimmung, der Klang», sagt er, «die umgesetzt werden wollen.» Oder ein Gedanke. Das Bild wird also geplant; die letzte, gültige Skizze vergrössert. Grundsätzlich, doch «spontane Ausbrüche» seien möglich. Und ab und zu leistet sich der Künstler einen kleinen Ausbruch hintergründigen Humors, etwa, wenn in einem Bild, vom Elsass inspiriert, ein Ballon auf den Weinkonsum anspielt.

Marzohl verkauft seine Originale nicht

Einen Teil seiner Bilder zeigt Heinz Marzohl noch bis zum 3. Oktober an der Art International Zürich 2021. Sein «Privatmuseum» können Interessierte auf Anfrage (heinz.marzohl@me.com) besuchen. Er verkauft seine Bilder nicht, da er «30 Jahre persönlicher Substanz» in seine Kunst gesteckt hat und sie in seinem Kunstpavillon wissen will. «Zwei Bilder, die ich einmal verkauft habe, konnte ich zum Glück zurückkaufen», sagt Heinz Marzohl.

Allerdings kann man «Künstler-Duplikate» erwerben. Das sind Kopien, vom Künstler selber hergestellt, im Zehnfarbendruck auf Leinwand gedruckt und auf Keilrahmen gespannt. Und wenn das Lenbachhaus im München neben Kandinsky, Klee und Marc auch einen Original-Marzohl präsentieren möchte? «Dann würd ich’s mir wohl überlegen», schmunzelt Heinz Marzohl.

Aktuelle Nachrichten