Reinach
Philipp Härri ist neu im Gemeinderat: «Erster Gratulant war Martin Heiz»

Wirtschatsprüfer Philipp Härri (31, FDP) sieht die Wahl zum Gemeinderat in Reinach als Auftrag von der Bevölkerung .

Natasha Hähni
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Philipp Härri: «Reinach ist besser als sein Image.»

Philipp Härri: «Reinach ist besser als sein Image.»

Fabio Baranzini

Hätte man ihn vor einem Jahr gefragt, wäre seine Antwort «Nein» gewesen. Um für den Gemeinderat zu kandidieren, müsse das Gesamtpaket stimmen. «Bei solchen Entscheidungen ist das Timing oft entscheidend», sagt Philipp Härri (31, FDP). Der Jungpolitiker hatte damals gerade erst den Sprung in den Grossen Rat verpasst – wegen 25 Stimmen weniger als Karin Faes. Eine Enttäuschung, schliesslich habe er viel in den Wahlkampf investiert. Gross hinterhergetrauert habe er dem Amt zwar nicht, auch, weil das knappe Resultat trotz Nicht-Wahl stark war, wie Härri findet.

Die Entscheidung zur Kandidatur in Reinach sei aber ein langer Prozess gewesen, einer mit Happy End. Das «End» ist in diesem Fall aber mehr ein Startschuss: Härri ist neu gewählter Gemeinderat in Reinach und hat sich in seinem Heimatdorf eine Eigentumswohnung gekauft. Hier wolle er sich niederlassen. Der 31-Jährige lebt seit seiner Kindheit im Wynental. Nur während seines Militärdiensts, seines Studiums (unter der Woche) und während eines Auslandsemesters in Südafrika lebte er nicht in Reinach. Seine Kindheit und Jugend verbrachte der FC-Aarau-Fan auf dem Fussballplatz. «Damals hiess der Verein noch FC Reinach», sagt er.

Mit Härri kommt der Umbruch

Die Entscheidung, für den Gemeinderat zu kandidieren, habe er sich mehrmals durch den Kopf gehen lassen. Schliesslich sei ihm bewusst, dass dieses Amt mit viel Verantwortung und Aufwand verbunden ist. «Anders als im Grossen Rat ist man im Gemeinderat nicht nur Teil des Gesamtgremiums», sagt der FDP-Politiker. Auf kommunaler Ebene sei man eben auch Ressortvorsteher. «Wenn ein Ressort nicht so läuft, wie es sollte, weiss man relativ schnell, wer verantwortlich ist», so Härri.

Mit seinen 31 Jahren ist er das jüngste Mitglied des Gemeinderats – mit Abstand. «Ich habe Kinder im Alter von Philipp, eine neue Generation tut dem Gemeinderat bestimmt gut», sagt seine neue Kollegin Pia Müller (FDP) an der Wahlfeier am Sonntagmorgen. Auch Härri findet: «Es wird zwangsweise einen Umbruch geben.» Wie diese konkret aussehen werden, zeige sich dann im Verlauf der neuen Legislatur.

«Ich bin überzeugter Miliz-Politiker»

Die in letzter Zeit wohl bekannteste Meinungsverschiedenheit zwischen Härri und dem bestehenden Gemeinderat war die flächendeckende Tempo-30-Zone. Obwohl Härri betont, dass er nicht auf diesen Vorstoss reduziert werden will, habe das Thema doch einen positiven Effekt auf die Kommunalpolitik: «Über 300 Menschen waren damals an der Gemeindeversammlung. Emotionale Themen wie dieses mobilisieren, das freut mich natürlich.»

Schon bei der Podiumsdiskussion vor den Wahlen thematisierte Härri zudem die Relevanz der Imagepflege. «Wir müssen die positiven Aspekte Reinachs viel mehr nach aussen tragen, nicht immer nur das Negative», findet Härri. Werbung für sein Dorf zu machen, ist sich das ehemalige Mitglied der Finanzkommission gewohnt. Unter anderem, weil seine Freundin nicht in der Region wohnt.

An der Wahlfeier in Reinach war Philipp Härri (Mitte) mit seiner Freundin Debora D'Elia zu Gast.

An der Wahlfeier in Reinach war Philipp Härri (Mitte) mit seiner Freundin Debora D'Elia zu Gast.

Natasha Hähni / Aargauer Zeitung

Mit der Kandidatur und jetzt der Wahl zum Gemeinderat hat Härri seinen Sprung in die Politik geschafft. «Natürlich gebe ich mit dem Amt der Politik einen höheren Stellenwert. Gemeindeammann zu werden, wie es sein Grossrat-Wahlkampfkollege Lukas Spirgi in Leutwil gemacht hat, steht im Moment aber nicht auf seiner Prioritätenliste.

Trotz Leidenschaft für die Kommunalpolitik sei der Gemeinderat ganz klar ein Nebenamt. «Ich bin überzeugter Milizpolitiker», sagt er. Sein Pensum wird der Wirtschaftsprüfer aber auf 90 Prozent reduzieren. «Ich möchte dem Amt schliesslich gerecht werden.»

Die Glückwünsche beantwortet er noch heute

Erfahren hat er von seiner Wahl, als er am Sonntagmorgen vom Joggen nach Hause kam. «Ich war noch nicht mal duschen, da kam das E-Mail und noch bevor ich es zu Ende lesen konnte, läutete schon mein Telefon», erinnert er sich. Am anderen Ende der Leitung war der jetzige Gemeindeammann Martin Heiz, um dem einzigen Neuen im Gremium zu gratulieren.

«Dass die Bevölkerung mir ihr Vertrauen schenkt freut mich natürlich enorm.» Mit ihm freuten sich etliche weitere Leute: «Ich bin heute noch daran, allen auf den verschiedenen Plattformen zu antworten, die mir auf gratuliert haben», so Härri. Obwohl er glücklich über die Zusprüche ist, seien sie für ihn dennoch «nur» Vorschusslorbeeren. «Die Wahl sehe ich als Auftrag.» Jetzt liege es an ihm, den Erwartungen gerecht zu werden.

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