Reinach
Die Stiftung Lebenshilfe feiert ihren Gasthof «Schneggen»

In Reinach ist der «Schneggen» seit zehn Jahren ein Erfolgsmodell. Morgen Samstag gibts ein grosses Fest.

Cynthia Mira
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«Ein ausgezeichneter Koch und vor allem Mensch»: Lebenshilfe-Chef Philippe Crameri (l.) über Peter Jörimann.

«Ein ausgezeichneter Koch und vor allem Mensch»: Lebenshilfe-Chef Philippe Crameri (l.) über Peter Jörimann.

Cynthia Mira

«Manche Gäste treten bei uns ein und merken nichts, andere wiederum wissen es», sagt Peter Jörimann. Er ist Gastgeber und Küchenchef im Reinacher Hotel und Restaurant «zum Schneggen». Seit 10 Jahren vereint der Gasthof Sozialauftrag und Gastronomie unter einem Dach. Es ist ein Vorzeigeunternehmen der Reinacher Stiftung Lebenshilfe, die Menschen mit einer Beeinträchtigung ausbildet und in den ersten Arbeitsmarkt integriert.

Das 10-Jahr-Jubiläum dieser Integrationseinrichtung wird morgen Samstag mit einem Tag der offenen Tür von 10 bis 16 Uhr gefeiert. Neben Tombola und einem Karussell gibts ein Konzert der Wynavalley Oldtime Jazzband.

Gutes Klima unter den 20 Angestellten

«Alle machen bei uns in ihrem Lernbereich alles», sagt Peter Jörimann. Es gebe bei der Arbeitsaufteilung innerhalb der einzelnen Lehrberufssparten keinerlei Unterschiede zwischen Personen mit oder ohne Beeinträchtigung:

«Wir bilden Lehrlinge aus, die eine zwei-, oder dreijährige Ausbildung absolvieren.»

Die Stellen sind regelmässig im Service, in der Küche oder in der Hauswirtschaft zu besetzen. Die Betreuung sei bei Menschen mit Handicap teils intensiver und es brauche mehr Geduld und Zeit für die Übertragung der Aufgaben, aber es sei möglich. Das Klima unter den 20 Angestellten und Lehrlingen sei stets lösungsorientiert. «Es gibt auch keinen Streit zwischen dem Servicemitarbeitenden und der Küchencrew, wie es in diversen Gastrobetrieben vorkommen kann», sagt Jörimann. Auch wenn es manchmal anspruchsvoll sei, den Spagat zwischen den Bedürfnissen der Gäste und den Lernenden zu meistern:

«Wir wollen, wie andere Betriebe auch, die Wünsche der Gäste bestmöglich erfüllen.»

Jörimann weiss, wovon er spricht. Bevor er sich 2013 dieser für ihn komplett neuen Aufgabe in Reinach widmete, mischte der Bündner im Gourmethimmel zwischen «Gault-Millau» und «Michelin» mit. Er ist ein 17-Punkte-Koch, der nach diversen Stationen im Graubünden und in Zürich den Weg nach Reinach fand. Er führte in St. Moritz sein Unternehmen Jörimann’s Refugium.

Er hatte damals aber zwei Mal abgesagt, bevor er sich motivieren liess und sich den «Schneggen» doch noch ansah. «Ich habe die Region nicht gekannt und scherzeshalber gefragt, ob dieses Tal noch in der Schweiz liege», sagt der heute 62-Jährige. Ursprünglich war er als kurzfristige Aushilfe eingestellt worden, aber er übernahm rasch den Betrieb und trug entscheidend zum Erfolg des Gasthofs bei.

Jährlich schaffts eine Person in regulären Arbeitsmarkt

«Er ist ein ausgezeichneter Koch und vor allem Mensch», beschreibt Philippe Crameri ihn. Er ist seit 2020 Geschäftsführer der Lebenshilfe.

«Diese Kombination ermöglicht es ihm, den Betrieb auch ohne Ausbildung im Sozialbereich mit Herz und Verstand zu führen.»

Das Ziel sei es, die Chancen für Menschen mit Handicap bei einem späteren Einstieg in den regulären Arbeitsmarkt zu erhöhen. Peter Jörimann und seinem Team ist es bisher jährlich gelungen, eine Person erfolgreich zu integrieren. Pro so gesicherten Arbeitsplatz kann der Staat im Jahr rund 20 000 Franken einsparen, was auf 10 Jahre hinweg eine stolze Summe ergibt. Die Stiftung sei stolz auf den Betrieb und zelebriere das Jubiläum zusätzlich mit einer internen Feier, sagt Crameri.

Es sei auch für die Gemeinde von grosser Bedeutung, dass es dem «Schneggen» gutgehe. Denn das Bauwerk aus dem 17. Jahrhundert gehört der Gemeinde Reinach. Mit der Betriebsübernahme durch die Lebenshilfe wurde den ehrwürdigen Räumen neues Leben eingehaucht. Die Bilder an den Wänden stammen ebenfalls aus dem Atelier der Stiftung. Man sei froh, dass es nach den pandemiebedingten Einschränkungen nun wieder aufwärtsgehe, sagt Jörimann.

«Langsam kehren die Gäste zurück.»

Das sei wichtig, denn der Betrieb lebe vor allem von den Grossanlässen. Das Gebäude beherbergt zudem zehn Hotelzimmer und besitzt eine auffällige Turmspitze. Am Samstag kann auch diese besichtigt werden. Jörimann sagt:

«Das Turmzimmer kann man für romantische Dinners reservieren.»

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