Reinach
Hier faltet die grösste Solar-Faltdachanlage der Schweiz ihre Panels aus – und sie steht im Aargau

Über der gesamten Fläche der Kläranlage ARA Reinach steht seit Mai ein Solardach, das sich automatisch aus- und zusammenfaltet. Es produziert Biostrom für 100 Haushalte.

Flurina Dünki
Merken
Drucken
Teilen
Solarkraftwerk über der ARA Reinach: über den Klärbecken wird mit einer Solarfaltdachanlage aus Sonnenernergie Strom erzeugt, 20. Mai 2021.
6 Bilder
Solarkraftwerk über der ARA Reinach: über den Klärbecken wird mit einer Solarfaltdachanlage aus Sonnenernergie Strom erzeugt, 20. Mai 2021.
Solarkraftwerk über der ARA Reinach: über den Klärbecken wird mit einer Solarfaltdachanlage aus Sonnenernergie Strom erzeugt, 20. Mai 2021.
Solarkraftwerk über der ARA Reinach: über den Klärbecken wird mit einer Solarfaltdachanlage aus Sonnenenergie Strom erzeugt, 20. Mai 2021. von links: AOW-Verwaltungsrat Joe Eugster, EWS-Verwaltungsratspräsident Jürg Rubin, Gian Andri Diem von dhp Technology, EWS-CEO Christian Gerber, EWS-Projektleiter Sebastian Haller und Fabio Maurizio-Hirschier von dhp Technology.
Solarkraftwerk über der ARA Reinach: über den Klärbecken wird mit einer Solarfaltdachanlage aus Sonnenernergie Strom erzeugt, 20. Mai 2021.
Solarkraftwerk über der ARA Reinach: über den Klärbecken wird mit einer Solarfaltdachanlage aus Sonnenernergie Strom erzeugt, 20. Mai 2021.

Solarkraftwerk über der ARA Reinach: über den Klärbecken wird mit einer Solarfaltdachanlage aus Sonnenernergie Strom erzeugt, 20. Mai 2021.

Alex Spichale / WYs

Es ist eine Premiere für den Aargau. Über der ARA Reinach fangen auf einer Fläche von 4400 Quadratmetern 1440 Solar-Paneele das Sonnenlicht ein. Die Fläche entspricht vier Olympia-Schwimmbecken. Bei Sonnenaufgang fährt die seit kurzem installierte Solarfaltdachanlage automatisch aus, in der Nacht, bei Regen, Wind oder Schnee faltet sie sich wieder zusammen. Sie produziert mit. 450'000 Kilowatt Stunden pro Jahr voraussichtlich Strom für etwa 100 Haushalte. Oder wie es EWS-Geschäftsleiter Christian Gerber anlässlich der Solardach-Demonstration ausdrückte: «Wenn jemand in Reinach seine WC-Spülung drückt, dann kann damit jemand Elektroauto fahren.»

Die Anlage in Reinach ist erst die achte Solarfaltdachanlage in der Schweiz. Sie verfügt über ein Leichtbausystem, das mit Seilbahntechnologie funktioniert. Die Graubündner Firma dhp Technology AG produziert diese Anlagen erst seit 2017 und erhielt schon zwei Jahre später Besuch einer Delegation bestehend aus Vertretern der EWS Energie AG (Betriebs- und Geschäftsleiterin der ARA) sowie Wynen- und Seetaler Gemeinderäten. Man habe die Fläche der ARA Reinach - dank des Filters für Mikroverunreinigungen eine der modernsten im Kanton - doppelt nutzen wollen, so Gerber. Die EWS ist Betriebs- und Geschäftsleiterin der ARA. Die Photovoltaik-Paneele sind überdies auch gut für die Kläranlage: weil sie Schatten auf das Abwasser werfen, bilden sich weniger Algen in den Klärbecken.

Eine Anlage dieser Grössenordnung zu erstellen brachte manche Herausforderung mit sich. Nicht nur solche logistischer Natur, da parallel zum Bau der Betriebs der Kläranlage weiterlaufen musste, wie Projektleiter Sebastian Haller sagte. Die Spannkraft der Tragseile für das Ein- und Ausfahren beträgt 120 Tonnen pro Achse. Damit diese Zugkraft aufgenommen werden kann, mussten 26 Pfähle 20 bis 30 Meter in den Boden gerammt werden. Die Pfähle machen denn auch 300'000 Franken des Gesamtpreises von 1,5 Millionen Franken aus. Aufgrund dieser statischer Herausforderungen wurde die Realisierung des Innovationsprojektes zunächst verzögert.

Der Hauptzweck der neuen Stromproduktionsanlage ist aber nicht die doppelte Ausnützung der ARA Fläche. Die EWS ist ein innovativer Energielieferant, der bereits eine Tesla-Batterie ins Wynental brachte (sie speichert den Strom, den die Photovoltaikanlage auf der Reinacher Reithalle im Moos erzeugt) und der für seine Kunden den eigenen Mix aus herkömmlichem und Bio-Strom produzieren will. So sagte CEO Christian Gerber:

«Wir wollen für das Wynen- und Seetal Energie mitgestalten und unseren Kunden verschiedene Formen von Energie anbieten können»

Der Kunde kann den Bio-Strom für einen Aufpreis von 2.1 Rappen pro Kilowattstunde beziehen. Im Jahr 2020 hat sich Solarstrom-Produktion im Einzugsgebiet übrigens um 46 Prozent erhöht, rechnet man alle Solarpanels auf Privat-, Geschäfts- und Gemeindegebäuden zusammen. 3,9 Gigawattstunden Leistung ergäbe dies, so Gerber. Und die EWS möchte es zu noch mehr bringen: Im Obwerwynental sollen noch mehr Dach- und Fassadenflächen mit Solaranlagen versehen werden.