Jede Sekunde zählt. Die Einsatzkräfte reagieren schnell, pumpen Wasser aus der Suhre und richten die Schläuche auf die drei aufgestellten Container. «Wasser Marsch!» Drei Gruppen sind auf dem Feld, abwechselnd hantieren sie an einem Hohlstrahlrohr, einem Druckvernichter und einem Wasserwerfer. Danach wird abgerechnet: «Wer die Behälter am schnellsten füllt, ist heute der Sieger», sagt David Rickenbach.

Unter Wettkampfbedingungen will er den Ernstfall üben. Nahe an der Realität sein, aber nebenbei auch Motivation und Spass fördern. Zur Belohnung gabs nach der Übung Pizza in der Hirschthaler «Traube».

Die Regiowehr Suhrental ist in Schöftland, Holziken, Hirschthal und Staffelbach für die Brandbekämpfung zuständig. David Rickenbach, 33, ist seit diesem Jahr ihr Kommandant. Er, der schon sein halbes Leben der Feuerwehr gewidmet hat. Seit er 17 ist, ist er dabei. Bereits als Kind sei er fasziniert gewesen, erklärt er. Er habe früh gewusst: «Sobald ich darf, will ich das auch.»

Ein Drittel der ganzen Regiowehr ist neu

Der ehemalige Pressesprecher der Schweizer Armee hat viel vor für seine Zeit als Regiowehr-Chef. Als eines von zahlreichen Dingen hat er es sich zur Aufgabe gemacht, Übungen, wie jene an diesem Mittwoch in Schöftland, spannend zu gestalten. Um damit Männer und Frauen langfristig an die Feuerwehr zu binden – und Erfahrung reinzubringen. «Uns fehlt ein Stück weit die Routine. Wir hatten doch einige Fluktuationen, viele neue Mitglieder», sagt Rickenbach. 100 Personen zählt die Regiowehr Suhrental.

Die Regiowehr Suhrental testet den Ernstfall bei einer Feuerwehrübung in Schöftland

Die Regiowehr Suhrental testet den Ernstfall bei einer Feuerwehrübung in Schöftland

Ein Drittel der gesamten Belegschaft ist erst seit kurzem dabei, viele der Neuen sind nicht in der Region aufgewachsen und kennen das Einsatzgebiet nicht ausreichend genug.Ihnen will Rickenbach unter die Arme greifen. Mithilfe technologischer Gadgets wie Tablets, Navigationsgeräten, Wärmebildkameras und digitalen Listen. Rickenbach ist überzeugt: Heute führt man eine Feuerwehr nicht mehr nur mit Schlauch und Beil, sondern eben auch mit dem iPad. Es verändere sich heute vieles sehr schnell, sagt Rickenbach. «Du kannst nie alles wissen. Deshalb ist es zentral, dass wir die wichtigsten Informationen abgespeichert haben.» So müsse man darauf vorbereitet sein, wenn es in einem Haus eine neue Liftanlage hat oder kürzlich Solarpanels montiert wurden. Besonders Letztere könnten beim Löschen zur Gefahr werden.

Im Gruppenwettkampf der Maschinistenübung wurde der Ernstfall geprobt.

     

Auch ganz Alltägliches wird erfasst. Rickenbach nennt ein Beispiel: «Kürzlich ging ein Brandalarm in der Migros um 1 Uhr in der Nacht los. Da muss der zuständige Einsatzleiter nachschauen können, an welchen Haken in welchen Schrank wir den Schlüssel gehängt haben.»Daneben habe sich auch die Kernaufgabe der Feuerwehr, das Löschen von brennenden Objekten, stark gewandelt, sagt Rickenbach. «Heute gibt es glücklicherweise immer weniger klassische Häuserbrände. Die Isolation und die Art zu bauen wird besser.» Die wahren «Brandherde» verortet er an einer anderen Stelle: in Naturkatastrophen wie Waldbränden oder Überflutungen. «Sie werden in Zukunft deutlich zunehmen», so Rickenbach.

Hier fordert er ein Umdenken. Er wünscht sich, dass die Grundausbildung angepasst werde, weil die Tätigkeiten in der Feuerwehr immer diverser und komplexer würden. Veränderungen machen auch beim Löschen per se nicht Halt. «Wenn etwas brennt, reicht Schaum und Wasser nicht immer aus», sagt Rickenbach. Er denkt an Phänomene wie die Zunahme an Elektrobatterien in Velos und Autos, die ein ganz anderes Feuerpotenzial entwickeln würden. «Wie lösche ich ein E-Bike, wie lösche ich einen Tesla? Darauf muss ich als Feuerwehrmann zwingend eine Antwort haben.»

Es sind Aussagen, die unterstreichen: Rickenbach will seine Leute fit machen, sie auf alle Eventualitäten vorbereiten. Das seien nicht einfach leere Worthülsen, sondern entscheidende Punkte, betont er. Dafür, dass die Regiowehr Suhrental zukunftsfähig sein kann. Für eine Feuerwehr 4.0.