Bettwil

Regierungsrätin Hochuli zum Fall Bettwil: «Es liefen mir die Tränen herunter»

Regierungsrätin Susanne Hochuli über ihr Privatleben

Regierungsrätin Susanne Hochueli über ihre Privatleben

Regierungsrätin Susanne Hochuli tritt für einmal fernab von der grossen Aargauer Bühne auf. Zu Hause in Reitnau steht sie dem Publikum Red und Antwort – auch zur geplanten Asylunterkunft in Bettwil.

Susanne Hochuli sitzt am Rednerpult - für einmal nicht vor dem Grossen Rat, sondern in «Helen's Vinothek» in Reitnau. Sie nippt am Weinglas und züpfelt an ihrem Rock. Die Weinbar ist bis auf den hintersten Platz besetzt. Organisatorin Charlotte Hunziker von der Kultur- und Landschaftskommission Reitnau sagt: «So voll war es hier noch nie.»

Dann stellt sich Susanne Hochuli hinter ihren Stuhl und strahlt ins Publikum. Sie habe sich auf den Abend gefreut. «Er ist wie beim Apéro nach meiner Wahl: Mit den Leuten vom Dorf, die immer ehrlich zu mir sind und sagen, falls ich mich durch mein Amt zum Negativen verändere.»

Einmal pro Woche Gymnastik

Ohne weiter Umschweife erzählt sie, wie sie morgens früh raus geht, um mit dem Hund zu spazieren, um sich zu bewegen. Sie erzählt, wie sie sich auf Sitzungen vorbereitet, wie sie versucht in ihren Dossiers à jour zu bleiben und wie sie einmal pro Woche um fünf Uhr früh in den Stall geht. «Auch morgen stehe ich wieder im Mist. Das erdet schon.»

Wie eine Suchtkranke sei sie sich nach den ersten Tagen als Regierungsrätin vorgekommen. «Mir wurde der Stoff entzogen, den ich jeden Tag hatte, den ich brauchte: Ich war weg von der Natur.»

Ihr Büro sei eintönig und farblos gewesen. Sie habe Farbfolien aufgezogen und ihre Türe verkrizelt. Auch die Hierarchien innerhalb des Departements Gesundheit und Soziales beschäftigten die frischgebackene Chefin am Anfang, wie sie selbst sagt. Heute turnen Susanne Hochuli und ihre Mitarbeiter zusammen einmal pro Woche in der Spiralgymnastik. «Inkeinem Departement wird so viel gelacht, wie bei uns», sagt die Vorsteherin.

Asylunterkunft Bettwil sei sinnvoll

Zu lachen gab es für Hochuli in den vergangenen Tagen aber nicht viel. Wegen der Asylunterkunft in Bettwil und der Aargauer Spitalrevision wurde sie von Volk und Parlament arg kritisiert. Um zu entspannen, reiste sie mit den Akten unterm Arm auf die sonnige Rigi. «Dort liefen mir die Tränen runter, als ich realisierte, was in Bettwil passiert ist.»

Hochuli meint damit nicht die Schimpfwörter, die ihr von Bettwilern an den Kopf geworfen wurden. «Angst hatte ich nie.» Sie spricht von der Gefahr, die von aufgeheizten Emotionen ausgeht: «Es werden Worte gebraucht wie vor 80 Jahren.»

Susanne Hochuli: Eine Regierungsrätin öffnet ihre Stube

Susanne Hochueli: Eine Regierungsrätin öffnet ihre Stube

In der Fragerunde meldet sich neben ihrer Mutter nur ein Mann, der wissen will, wie es um die «Asylanten» steht. Hochuli holt aus und argumentiert, wieso eine Bundesunterkunft im Aargau sinnvoll ist. «Im Fall Bettwil würde ich fast alles wieder so machen», resümiert sie. Nur einen professionellen Moderator würde sie aufbieten und den Basler Roger Lang, der eine solche Unterkunft leitet, als Auskunftsperson mitnehmen.

Den Mut, hinzustehen und für seine Überzeugung zu kämpfen, bewundert der Mundartsänger Tinu Heiniger an der Aargauer Regierungsrätin. Und er sieht in ihr auch Parallelen zu seiner eigenen Person: «Wir beide gehen bei jedem Wetter in die Natur.» Susanne spaziere ebenfalls bei Dunkelheit durch den Wald. «Sie ist eine Frau, die sich ihren Ängsten stellt.»

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