Kölliken

Referendumsabstimmung zum EWK-Verkauf: «Der Schritt ist emotional noch gross»

Peter Rytz ist ehemaliger Gemeindeammann und engagiert sich als Co-Koordinator im Referendumskomitee. MEI

Peter Rytz ist ehemaliger Gemeindeammann und engagiert sich als Co-Koordinator im Referendumskomitee. MEI

Soll das Elektrizitätswerk Kölliken verkauft werden? Peter Rytz (58) vom Referendumskomitee meint Ja. Im Interview erklärt er sich, spricht über Selbstbestimmung, Strompreise und seine Motivation.

Relativ knapp haben die Kölliker Ende November den Verkauf ihres Elektrizitätswerks an die Eniwa AG (ehem. IBAarau) abgelehnt. Im Dezember 2017 brachte ein Komitee das Referendum mit 433 Unterschriften zustande.

280 Unterschriften wären nötig gewesen. Nun kommt der Entscheid an die Urne. Peter Rytz (58), Co-Koordinator des Referendumskomitees, hat sich unseren Fragen gestellt.

Herr Rytz, wie erklären Sie sich, dass die Gemeindeversammlung im November mit 94 zu 78 Stimmen Nein zum Verkauf des Elektrizitätswerks Kölliken (EWK) sagte?

Peter Rytz: Es ist immer eine Frage der Zusammensetzung an der Gemeindeversammlung. Im November haben 184 Stimmberechtigte abgestimmt. Kölliken hat aber insgesamt 2806 Stimmberechtigte. Also hat insgesamt ein sehr kleiner Teil der Bevölkerung über den Verkauf entschieden.

Dazu kommt, dass die Gegner des Verkaufs im Vorfeld der Versammlung Flugblätter verteilt und dementsprechend besser mobilisiert haben als die Befürworter. Diese haben sich damals still verhalten und die Gemeindeversammlung abgewartet.

Die Eniwa AG bietet der Gemeinde Kölliken 12 Millionen Franken für das EWK. Wofür soll dieses Geld verwendet werden?

Die Verwendung des Geldes ist für uns nachrangig. Zuerst geht es darum, zu überlegen, was mit dem EWK in Zukunft passieren soll. Erst danach kommt die Frage über die Verwendung des Geldes. Es soll nicht einfach irgendwie eingesetzt werden, sondern in nachhaltige Investitionen oder Anlagen gesteckt werden.

Damit man lange davon zehren kann und nicht nur einen kurzzeitigen Nutzen hat. Der Verkaufsentscheid soll aber nicht vom Geld abhängen. Es geht in erster Linie um die Zukunftsperspektiven unseres Dorfes.

Wie kann man verhindern, dass die Millionen verprasst werden?

Es kann niemand in der Gemeinde einfach das ganze Geld ausgeben. 12 Millionen schon gar nicht. Das ist weit über der Kompetenz des Gemeinderats. Also haben die Stimmbürger jedes Jahr beim Budget und immer dann, wenn es um eine Investition geht, die Aufgabe zu entscheiden. Am Schluss bestimmen sie, ob man investiert oder nicht.

Bedeutet der Verkauf des EWK für Kölliken nicht einen Verlust von Autonomie, Selbstbestimmung?

Ein Verlust der Autonomie sicher nicht. Die Selbstbestimmung, die findet jetzt schon an einem sehr kleinen Ort statt. Die EWK Energie AG wurde ja bereits ausgelagert. Rein an den Abläufen, an der Beeinflussbarkeit oder in finanzieller Hinsicht ändert sich eigentlich nicht wahnsinnig viel.

Die Eniwa AG hat bereits heute die Geschäftsführung inne oder liest den Strom ab. Wir beziehen den Strom ja auch von ihr und sie ist die Hauptberaterin der Gemeinde in Sachen Strom. Der Schritt ist zwar emotional noch gross, aber organisatorisch schon seit geraumer Zeit vollzogen.

Eniwa ist 2018 die teuerste Stromanbieterin in der Region. Haben Sie keine Angst, dass der Kölliker Strom in absehbarer Zeit massiv teurer wird?

Kurz- bis mittelfristig habe ich keine Angst. In den Verkaufsunterlagen hat die Eniwa AG der Gemeinde Kölliken zugesichert, dass sie die bestehenden Tarife übernehmen und das noch eine Zeit so bleiben wird. Mittel- bis langfristig gehe ich aber eher davon aus, dass der Strompreis – nicht nur in Kölliken – steigen wird.

Dies wegen der natürlichen Entwicklung am Strommarkt und nicht weil die Eniwa das EW kaufen will. Man darf auch nicht vergessen, dass wir in Kölliken weniger sauberen Strom beziehen als beispielsweise die Aarauer. Der in Aarau gelieferte Strom der Eniwa ist zu 100 Prozent Wasserkraft. Es wäre unlogisch, wenn wir für unseren Strom gleichviel bezahlen würden wie die Aarauer für ihren.

Was ist in der Frage des Verkaufs der grösste Irrtum der Gegner?

Von einem Irrtum der Gegner zu reden, ist vielleicht ein bisschen hart. Die Gegner erkennen wahrscheinlich nicht, dass der Handlungsspielraum bei einem so kleinen Werk einfach verschwindend klein geworden ist. Den Anforderungen wird man immer weniger gerecht. Die Chancen nehmen ab und die Risiken nehmen zu.

Die Gegner glauben zudem: Wenn die Eniwa mit dem EW Geld verdienen kann, dann können wir das auch. Das ist sicher nicht unmöglich. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass wir so gute Profis finden, wie sie bei der Eniwa haben, ist viel kleiner.

Darum ist das Risiko, dass wir nicht so gut «gschäfte» viel grösser. Eine weitere mögliche Fehlüberlegung ist, dass man sagt: 2004 haben wir elf Millionen angeboten bekommen, jetzt zwölf Millionen. Vielleicht gibt es in Zukunft noch mehr Geld. Vielleicht gibt es aber irgendwann mal gar nichts mehr. Es ist sicher eine Gefühlssache, wann der richtige Zeitpunkt ist. Aber wahrscheinlich sind wir am Zenit angekommen.

Warum engagieren Sie sich zusammen mit Edi Roth so stark in dieser Sache? Profitieren Sie von einem allfälligen Verkauf?

Weder Edi Roth, der in der Baubranche tätig ist, noch ich als Pöstler profitieren von einem Verkauf. Uns geht es wirklich einfach um die Zukunft unseres Dorfes. Wir haben das Gefühl, wir machen etwas Gutes, wenn wir mindestens versuchen, den Stimmbürgern nochmals zu erklären, dass wir an einem Wendepunkt angelangt sind und jetzt der beste Moment ist für einen Verkauf.

Wir glauben, dass es richtig ist, wenn möglichst viele Leute über ein so wichtiges Geschäft abstimmen können. Und das ist dank dem Zustandekommen des Referendums nun am 4. März auch der Fall.

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