Kölliken
Referendum wegen Erschliessungskredit: Die «Wallenmatt» bereitet Zoff ohne Ende

Kölliken stimmt am 25. April über die Erschliessung des Grundstücks ab. Ein Problem, das seit über 20 Jahren immer wieder aufflackert.

Flurina Dünki
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So soll die Überbauung Wallenmatt dereinst aussehen.

So soll die Überbauung Wallenmatt dereinst aussehen.

zvg

Am 25. April stimmen die Kölliker an der Urne über den Verpflichtungskredit zur Erschlies­sung des Gebiets Wallenmatt ab. Es geht um 505000 Franken. Und um den Startschuss, das eine Hektare grosse Terrain zu bebauen. Es drängt. Ein Investor möchte darauf knapp sieben Wohnblöcke mit 77 Eigentumswohnungen bauen, das Baugesuch ist bewilligt. Dazu braucht es eine Erschliessung, damit künftig aus der Tiefgarage mit 125 Parkplätzen auf die Strasse herausgefahren werden kann.

Zur Urnenabstimmung kommt es, weil gegen das Gmeinds-­Ja zum Erschliessungskredit im November das Referendum ergriffen wurde (AZ vom 15.1.). Damals wurde der Kredit mit 22 zu 24 Stimmen äusserst knapp angenommen. Der Grund: Der über 20 Jahre dauernde Streit über die Erschliessungsstrasse war mit dem Traktandum wieder aufgeflammt.

Denn der gültige Erschliessungsplan aus dem Jahr 2000 sieht die Erschlies­sung des Grundstücks via Wallenmattstrasse vor. Über die Jahre haben sich jedoch Anwohner dieser Strasse immer wieder dagegen gewehrt. Sie finden eine Erschliessung via Wolfgrubenstrasse logischer, da das Grundstück im Gegensatz zur Wallenmatstrasse an diese Strasse grenzt.

«Schon Generationen haben daran gearbeitet»

Die Diskussion an der Gmeind vom 27. November war symbolisch für die Chronik des langjährigen Erschliessungsdramas. Während Anwohner der Wallenmattstrasse auf die Gefahr für Schulkinder durch Autos hinwiesen und vom Gemeinderat Antworten forderten, weshalb die Erschliessung nicht über die Wolfgrubenstrasse erfolge, verwies der Gemeinderat auf die langen Diskussionen, die man damals geführt hatte und dass man niemals alle Anwohner zufriedenstellen könne. Aus dem Saal meldete sich alt Ammann Peter Rytz, der warnte: «Schon Generationen von Gemeinderäten haben an diesem Erschliessungsplan gearbeitet, man ist immer wieder zur selben Erschliessung gekommen.»

Das Referendum wurde mit 363 Unterschriften eingereicht (nötig waren 287). Ziel des Referendumskomitees um Anwohnerin Sarah Mathys: Nach einer Ablehnung des Kredits soll der Gemeinderat zusammen mit dem Investor über die Bücher und den Erschliessungsplan ändern. Die Leidensgeschichte der Wallenmatt-Erschliessung zeigt jedoch: Eine Erschliessung über die Wolfgrubenstrasse zu erreichen, wurde bereits versucht, jedoch ohne Erfolg.

Hertha Schütz (heute Unterentfelden), die den Block an der Wallenmattstrasse 26 erbaut hatte und heute über 80 Jahre alt ist, ging Mitte der 90er-Jahre bis vor Verwaltungsgericht. Sie ging damals gegen den (1992 beschlossenen) Sondernutzungsplan vor, der vorsieht, dass die Erschliessungsstrasse über ihr Grundstück auf die Wallenmattstrasse führt. Damit wäre sie um die Fläche der Zufahrtsstrasse enteignet worden. Sie blitzte an sämtlichen Instanzen ab. 2004 verkaufte sie das Grundstück. Auf den Sondernutzungsplan stützt sich der geltende Erschliessungsplan aus dem Jahr 2000 – auch er wurde nicht ohne Ge-genwehr der Anwohner erreicht.

Weshalb aber entschied man überhaupt, dass sich die Wallenmattstrasse besser eignet? In Archiv-Artikeln der AZ wird die Breite der Strasse mit zwei Trottoirs regelmässig als Hauptargument genannt. Zudem ist, wie es Ammann Mario Schegner an der Wintergmeind sagte, die Einfahrt von der Wolfgrubenstrasse in die Hauptstrasse relativ schmal und ausserdem unübersichtlich. Dagegen argumentiert das Referendumskomitee, dass Auto­fahrer aus der Siedlung dereinst ohnehin den Weg in die Hauptstrasse via Wolfgrubenstrasse nehmen würden, da die Variante gen Süden über die Schönenwerdstrasse («Bären»-Einfahrt) weiter sei.

Für den neuen Besitzer geht es am 25. April um viel

Mehrere Jahre lang gehörte das Bauland der Pensionskasse der Jura Cement. Sie wollte eine Überbauung realisieren, tat das aber nie. Auch der neue Eigentümer der Wallenmattstrasse 62 wehrte sich gegen die Strasse über sein Grundstück (AZ vom 2.10.2012). Der Gemeinderat wollte sich mit ihm gütlich einigen. Eine gerichtlich erzwungene Enteignung sollte das letzte Mittel sein. Dieses wurde 2013 dann doch ergriffen, wie das Aargauer Spezialverwaltungsgericht auf Anfrage mitteilt. Im April 2017 wurde das Hauptenteignungsverfahren abgeschlossen. Der Abschluss geschah am Ende doch durch Einigung der Parteien (Grundstückeigentümer und Gemeinde).

Dann verkaufte die Jura-Cement-Pensionskasse das Grundstück 2018. Die neue Eigen­tümerin, die Neugut Immobilien und Verwaltungs AG in Dübendorf ZH, reichte im Oktober 2020 das Baugesuch der 77 Ei-gentumswohnungen ein. Bauherrin ist die Gehring und Trüb Bau AG. Eine 21⁄2-Zimmer-Wohnung kostet um 355000 Franken, eine mit 41⁄2 Zimmern um 580000 Franken. Gemäss Projekt-Website sind ein paar schon reserviert. Wohnungen mit solchen Preisen könnten schnell weggehen. Wegen des Wallenmatte-Zoffs verzögert sich der Bau bis mindestens Ende April – bei einem Nein zum Kredit auf unbestimmt.