Casting
Recycling-Frau Karin Bertschi will «Bundesrätin» werden

Sie ist erst 24 Jahre alt und hat mit dem «Recycling-Paradies» in Reinach erneut den Aargauer Unternehmerpreis abgeräumt. Jetzt engagiert sich Karin Bertschi politisch: Sie steht in der Endrunde des «Blick»-Castings für den «8. Bundesrat».

Pascal Meier
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Unter diesem provokativen Titel sucht «Blick» einen inoffiziellen Bundesrat, der das sogenannte «Departement für das Volk» führen soll. Das Ziel: Der Riss zwischen Politik und Volk, der sich mit dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative erneut gezeigt hat, soll so über die Medien gekittet werden.

So wird gewählt

Am Montag, 12. Mai, können Karin Bertschi und ihre acht Mitstreiter als «8. Bundesrat gewählt werden. Details zur Wahl gibt es hier.

Das Interesse ist gross: 551 Personen wollten vom 18. August bis 14. September als «8. Bundesrat» amten. Dazu gehören ein Büro in der «Blick»-Redaktion, ein Dienstwagen und ein Bundesratslohn. Für die 45-tägige Amtszeit zahlt der Ringier-Verlag 50’000 Franken. Chancen auf Titel und Geld können sich noch neun Kandidaten ausrechnen, die in der Endrunde stehen und derzeit im «Blick» vorgestellt werden. Diese Woche steht Karin Bertschi im Fokus.

Frau Bertschi, warum wollen Sie «Blick»-Bundesrätin werden?

Karin Bertschi: Ich habe das Gefühl, dass die Politik oft den Draht zum Volk verloren hat. Unsere Bundesräte sind so mit ihren Dossiers beschäftigt, dass sie keinen Bezug mehr haben zur Bevölkerung.

Glauben Sie denn, dies als fiktive Bundesrätin eines Medienunternehmens verändern zu können?

Ich mache mir da keine Illusionen und bin mir bewusst, dass ein «Blick»-Bundesrat wenig mit einem richtigen Politiker zu tun hat. Ich möchte jedoch aufnehmen, was dem Volk unter den Nägeln brennt und dies thematisieren. Ich selber habe klare politische Ansichten, will mich hier aber nicht selbstverwirklichen.

Welche Themen brennen Ihnen persönlich unter den Nägeln?

Erstens ärgere ich mich über die Kuscheljustiz, die schlussendlich unserer Sicherheit schadet. Zweitens sollten die Strassen ausgebaut und der öffentliche Verkehr zuverlässiger werden. Und drittens wünsche ich mir, dass alle Menschen, die arbeiten können, sich mit ihren Fähigkeiten einbringen. Auch benachteiligte oder leicht behinderte Menschen dürfen in der Gesellschaft nicht diskriminiert werden. Wir begleiten in unserem Betrieb deshalb Menschen, die trotz einer Beeinträchtigung den Weg zurück in die Privatwirtschaft schaffen wollen. Dies sollte vermehrt gefördert werden.

Wo stehen Sie selbst politisch?

Für mich stehen Themen im Zentrum, darum bin ich weder links noch rechts. Geht es um Tierschutz oder Bildung, stehe ich eher links, bei unternehmerischen Fragen oder der Strafverfolgung eher rechts. Mich stört das Parteiengehabe. Parlamentarier sollten für die beste Lösung kämpfen, auch wenn diese nicht dem Links-rechts-Schema entspricht. Zu oft stellen Politiker ihre eigene Interessen und jene der Partei über das Allgemeinwohl der Gesellschaft. Das sind schlechte Voraussetzungen, um unser Land weiterzubringen.

551 Leute wollten «Blick»-Bundesrat werden. Sie sind unter den letzten neun. Wo haben Sie gepunktet?

Ich hatte sicherlich gute Chancen, weil ich eine Frau bin. Für das Casting hatten sich vor allem Männer beworben. Zudem bin ich breit engagiert: Ich führe mit dem «Recycling-Paradies» ein Klein-Unternehmen, das sich dem Recycling und so dem Naturschutz verschrieben hat. Der Mix aus dem ökologischen Gedanken, der Idee, sozial schwachen Menschen eine Chance zu geben, Kinderbildung im Recycling ehrenamtlich zu fördern, und das alles als eigenständiges Unternehmen unter einen Hut zu bringen, hat die Jury vielleicht überzeugt.

Können Sie es sich zeitlich leisten, 45 Tage lang «Blick»-Bundesrätin zu spielen? Sie eröffnen am kommenden Samstag in Hunzenschwil ein weiteres «Recycling-Paradies».

Das lässt sich vereinbaren. Meine Mitarbeiter sind fantastisch: Sie arbeiten selbstständig und sind zuverlässig. Ich hätte etwas falsch gemacht, wenn der Betrieb ohne mich nicht laufen würde.

Der «Blick» ist Boulevard und Boulevard ein knallhartes Geschäft mit Schlagzeilen. Haben Sie keine Bedenken, sich hier zu exponieren und mit Ihren politischen Positionen Kunden zu verlieren?

Nein. Ich habe eine eigene Meinung und stehe dazu. Auch wenn diese in grossen Buchstaben im «Blick» steht.

Sie geniessen in der Bevölkerung Sympathie für Ihr ökologisches Engagement und sind stark in den Medien präsent. Zu präsent, sagen einige. Und jetzt wollen Sie noch «Blick»-Bundesrätin» werden...

Mir ist eine sachliche Medienpräsenz wichtig. Ich finde es schade, dass das «Recycling-Paradies» oft an einer einzigen Person aufgehängt wird. Auch die Politik sollte nicht so funktionieren. Schlagzeilen wie «Die Schöne und der Müll» oder «Recycling-Prinzessin» finde ich zu personenbezogen und teils grenzwertig. Es ist wichtig, die Bevölkerung über neue Recyclingtechnologien oder Abgabe-Sammelstellen zu informieren. Dies sollte von Seite der Medien auch ohne ein «blondes Aushängeschild» möglich sein.

Haben Sie selbst politische Ambitionen?

Heute nicht – ausser für eine sechswöchige Zeit als «Blick»-Bundesrätin (lacht). In der Privatwirtschaft kann ich derzeit mehr bewirken als in der Politik. Was in fünf oder zehn Jahren ist, da lasse ich mich aber überraschen.