Menziken
RAV, IV und Sozialdienste unter einem Dach: Sparen mit «Pforte Arbeitsmarkt»

Seit zwei Jahren läuft das Pilotprojekt «Pforte Arbeitsmarkt» im Oberwynental mit zehn Gemeinden. Die Arbeit in Menziken hat das Ziel, Stellensuchende schneller wieder in den Arbeitsmarkt zurückzuführen und Kosten zu sparen.

Peter Siegrist
Merken
Drucken
Teilen
Eros Barp leitet die Pforte Arbeitsmarkt und hat Mitarbeitende aus drei Institutionen zusammengeführt.

Eros Barp leitet die Pforte Arbeitsmarkt und hat Mitarbeitende aus drei Institutionen zusammengeführt.

Peter Siegrist

Pforte ist hier das Bild für ein Pilotprojekt im Sozialbereich. Im Businesscenter in Menziken ist die Abteilung von Stellenleiter Eros Barp untergebracht. Jeden Monat betreten rund 100 Personen dieses Haus ein erstes Mal und suchen Rat und Beratung bei den Mitarbeitenden der Pforte. Rund 100 können ihre Beratung jeden Monat abschliessen. Eros Barp: «Wir haben pro Monat im Schnitt 850 Fälle pendent.»

Rund 2750 Personen meldeten sich innert zweier Jahre bei der Pforte, 1900 Beratungen wurden abgeschlossen, «davon 1100 mit einem Stellenantritt». Diese Zahlen machen deutlich, dass der Verlust der Arbeitsstelle, aus welchen Gründen auch immer, die Stellensuche und die Wiedereingliederung im Oberwynental ein Dauerthema sind.

Eine tür, ein Dach und drei Institutionen

Das Projekt «Pforte Arbeitsmarkt» steht im Dienst von stellenlos gewordenen Menschen. Die Pforte hat zum Ziel, Stellensuchende rasch wieder in den Arbeitsmarkt zurückzuführen.

Weil häufig verschiedene Probleme zusammenfallen, auch unfall- oder krankheitsbedingte Einschränkungen, arbeiten bei der Pforte Mitarbeiter des RAV (Regionale Arbeitsvermittlung), der Sozialversicherung (IV) und der Sozialdienste eng zusammen.

Die Klienten haben in der Regel nur eine Ansprechperson, die ihren Fall gut kennt. Damit eine erfolgreiche Wiedereingliederung möglich ist, steht die Pforte mit Arbeitgebern in der Region in regem Austausch. Das Pilotprojekt startete im Frühjahr 2012 und ist vorerst auf drei Jahre beschränkt. Es wird extern evaluiert.

Beteiligt sind beim Verein «Pforte Arbeitsmarkt» das Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons (AWA), die Sozialversicherungsanstalt (SVA) und 10 Gemeinden (Beinwil am See, Burg AG, Gontenschwil, Leimbach, Menziken, Oberkulm, Reinach AG, Schlossrued, Unterkulm, Zetzwil). (psi)

Die Organisation der Pforte, wo RAV, Sozialdienst und IV unter einem Dach arbeiten, ermöglicht die Betreuung und Beratung von Klienten durch jeweils eine Fachperson. Die Arbeitslosenfälle seien am zahlreichsten. «622 RAV-Fälle, Stand Ende Januar». Reine IV-Fälle waren es 76. Weil bei einem Stellenverlust häufig auch gesundheitliche Probleme mitspielen, kommt es zu sogenannten Mischfällen, wo mehrere Institutionen beteiligt sind. «Da kann die Pforte ihre Stärken ausspielen», sagt Barp, «Wir gleisen das Zusammenspiel RAV-IV oder RAV-Sozialdienst rasch auf.»

Kaum Wartefristen, nur eine Beratungsperson, dies sind die Vorteile für Klienten und Klientinnen. Weil die Pforte Beziehungen zu Arbeitgebern in der Region unterhält, sind Vermittlungen möglich. «Es ist ja klar, ohne Stellen gibts keine Vermittlung», sagt Barp. Deshalb seien Angebote von Betrieben notwendig, «darunter auch Plätze, wo Klienten begleitet wieder eingegliedert werden können».

Dass es gelungen ist, im Jahr 2013 dank unkonventioneller Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und der Pforte 50 Arbeitsplätze zu erhalten, freut Barp. «Wir arbeiten präventiv, können so Entlassungen vermeiden.»

Eine erste Projekt-Evaluation habe positive Ergebnisse gezeigt. Sowohl Mitarbeiter der drei Institutionen als auch Klienten hätten sich bei den Befragungen positiv geäussert. Mehrfach sei erwähnt worden, dass Doppelspurigkeiten vermieden würden, dass die Verfahren beschleunigt seien. Das dürfe jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es heute immer schwieriger werde, Klienten im Alter 50 plus zu vermitteln.

Das Pilotprojekt ist vom Kanton und den zehn beteiligten Gemeinden für drei Jahre bewilligt worden. Jetzt, nach zwei Betriebsjahren, stellt die Pforte das Gesuch um Verlängerung bei der Regierung. Thomas Buchmann, Leiter des Amtes für Wirtschaft und Arbeit, sagt: «Klar ist schon heute, dass das Konzept der Zusammenarbeit von RAV/IV/Sozialdienst funktioniert, auch die Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern.»

Diese neuen Strukturen führten rasch zu Lösungen, also zur Wiedereingliederung. «Das ist alles positiv und spricht für die Pforte», sagt Buchmann. Nach nur zwei Jahren sei jedoch noch nicht zu beurteilen, ob für die Sozialwerke wie gewünscht die effektiven Kosten gesenkt würden.

Da brauche es mehr Erfahrungen. Daher sollte das Projekt um die maximal möglichen vier Jahre verlängert werden. Da könne man auch abklären, wie dieses System auf weitere Gemeinden ausgedehnt werden könnte, sagt Buchmann. Über den Kredit für eine Verlängerung muss der Grosse Rat entscheiden.