Hirschthal/Gränichen
Ratschläge der Mütter- und Väterberatung sind deutlich gefragter

Das Angebot der Mütter- und Väterberatung in Hirschthal und Gränichen wird immer mehr genutzt. Dafür gibt es verschiedene Gründe.

Christine Fürst
Merken
Drucken
Teilen
Doris Feusi (rechts) zeigt Annika Hellmers die richtige Lagerung von Noemi.

Doris Feusi (rechts) zeigt Annika Hellmers die richtige Lagerung von Noemi.

Christine Fürst

Mia ist gerade mal acht Monate alt, doch mit der Hilfe ihrer Mutter, die sie an den Händen hält, tanzt sie bereits wie eine kleine Ballerina. Stehen kann sie noch nicht, aber auf den Zehenspitzen balancieren, das kann sie.

Weder das Kopfvermessen noch das Wägen machen ihr etwas aus. Sie weiss auch nicht, dass sie tags darauf einen langen Flug nach Australien vor sich hat und ihr Mami Daniela Härdi deswegen ein wenig nervös ist.

Doris Feusi arbeitet bei der Mütter- und Väterberatungsstelle Region Aarau Plus. Zweimal pro Monat ist sie im Altersheim Schiffländi in Gränichen und hat ein offenes Ohr für die Fragen der Eltern.

Am Tag unseres Besuchs bringt sie Daniela Härdi Sonnencreme-Müsterli für Babys mit. Damit die noch junge Haut von Mia vor der australischen Sonne gut geschützt ist. Bereits hat Mia ihre ersten Zähnchen.

Doris Feusi erklärt, dass diese zum Erlernen des Zähneputzens zuerst mit Wasser, dann täglich mit ein wenig Zahnpasta geputzt werden müssen. «Das erste Kind ist immer das Hauptthema», sagt Daniela Härdi. Am meisten wundernimmt es sie jeweils, wie fest ihre Tochter gewachsen ist und wie viel Gewicht sie zugelegt hat.

Doris Feusi ist diplomierte Pflegefachfrau und arbeitet als Teamleiterin bei der Mütter- und Väterberatung Region Aarau Plus. «Manchmal werde ich bei den Beratungen auch in Situationen versetzt, die ich bei meinen eigenen Kindern erlebt habe», sagt sie.

Sie hat zwei Buben im Alter von fünf und sieben Jahren. Sie schätzt ihre abwechslungsreiche Arbeit und dass sie zu den Müttern und Kindern auch eine Beziehung aufbauen kann. Feusi weist die Eltern auch auf die Zusammenarbeit mit dem TCS hin. Ziel ist es, die Eltern für die richtige Verwendung des Kindersitzes im Auto zu sensibilisieren.

Pro-Kopf-Beitrag von Gemeinden

Verein bietet Telefonsprechstunden, Beratungen in den Gemeinden, Einzelberatungen aber auch Hausbesuche an. Das Angebot gilt für Eltern mit Kindern bis fünf Jahre. «Für mich ist das Angebot sehr wichtig und hilfreich, vor allem in den ersten Wochen», sagt Adrienne Schmidt. Sie ist am Tag unseres Besuchs mit ihrer Tochter Jessabelle in der Beratung. Diese findet es aber gerade nicht so toll – sie schreit.

Das Angebot ist gratis, die Gemeinden zahlen jeweils einen Pro-Kopf-Beitrag dafür. Die vorliegenden Zahlen des Vereins zu den Beratungen in Erziehungsfragen zeigen einen aufsteigenden Trend und die Zahl der erfassten Kinder hat deshalb stark zugenommen.

Im Jahr 2013 hat der Verein in 12 Gemeinden 1426 Eltern beraten. «Die Herkunft der Eltern und Kinder ist ganz unterschiedlich, die meisten sind aus der Schweiz, es gibt aber auch ausländische Staatsangehörige», sagt Feusi.

Wo sieht sie den Grund für die Zunahme? «Heute wohnen die Familien wieder vermehrt auseinander und man löst die Probleme nicht mehr intern in der Familie», sagt sie. Deshalb seien externe Stellen gefragt, die Auskunft geben können.

Zudem würden sich die Mütter auch mehr getrauen, zu fragen. Ein weiterer Grund sieht Doris Feusi darin, dass die Mütter- und Väterberatung wieder bekannter ist und man eben dort auch fragen darf.

Immer häufiger treffen die Beraterinnen auch sozial schwierige Gegebenheiten an. In diesen Fällen werden, wenn benötigt, auch andere Stellen hinzugezogen wie beispielsweise die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB). Merkt die Beraterin beispielsweise, dass eine Kindsgefährdung besteht, wird der Kinderschutz eingeschaltet. Doris Feusi selbst hat noch nie so was erlebt.

Arbeit im präventiven Bereich

«Wir sehen unsere Aufgabe vor allem im präventiven Bereich und wollen den Müttern und Vätern Tipps mit auf den Weg geben», sagt Feusi weiter. Präventiv arbeiten heisse, grössere Probleme früh zu erkennen und so den Kindern, Eltern, Bekannten oder sich selbst die bestmögliche Versorgung zukommen zu lassen. «Wirtschaftlich gesehen dient die Früherkennung der Kostensenkung im Gesundheitswesen», sagt Sonja Morgenthaler, Gemeinderätin von Hirschthal und Vorstandsmitglied des Vereins.

Die Beratungsstelle arbeitet auch mit Kinderärzten zusammen. «Aus Sicht der Kinderärzte ist die regelmässige Kontrolle des Gewichts und die Beratung in Bezug auf die Ernährung von Babys und Kleinkindern wichtig», sagt Kinderärztin Helena Gerritsma, die ebenfalls Vorstandsmitglied ist.

Daniela Müller, die mit ihrem fast 21 Monate alten Sohn Travis vorbeikommt, möchte wissen, wie sie es schafft, dass Travis am Morgen länger schläft. Seit der Zeitumstellung sei er bereits sehr früh am Morgen putzmunter. Doris Feusi rät, den Mittagsschlaf zu kürzen, weil Travis am Abend immer noch zur selben Zeit zu Bett geht.

Kurze Zeit später kommt Fabienne Stalder mit Fiona. Ihre Tochter will sich partout nicht messen lassen. Sie vergräbt sich in den Armen der Mutter. Noemi hingegen, die vier Wochen alte Tochter von Annika Hellmers, wehrt sich überhaupt nicht. Weil sie zum ersten Mal zur Beratung kommen, hat Doris Feusi noch einige Fragen, die sie sorgfältig in der Akte notiert.

Auch Fragen zum Stillen beantwortet Feusi kompetent. Am Schluss zeigt sie der Mutter noch, wie Noemi richtig gelagert wird. Denn ihr ist aufgefallen, dass das Baby den Kopf oft nur auf die eine Seite dreht. Doris Feusi ist mit Herzblut bei der Arbeit – am Nachmittag warten noch einige Eltern auf sie und ihre Ratschläge.