«Wenn man das alles erklären wollte, müsste mal wohl eine ganze Zeitung füllen», sagt Matthias Merz schmunzelnd und faltet die Karte auf. Darauf zu sehen sind nebst einer Orientierungslauf-Route Dutzende für Laien unentzifferbare Symbole.

«Die Kreise stehen für die Posten», erläutert der ehemalige OL-Weltmeister, der für den diesjährigen Aargauer 3-Tage-OL in Rickenbach einen Teil der Bahnen legt.

Mitarbeit ist Ehrensache

Der traditionelle Anlass, der am kommenden Freitag beginnt und bis Sonntag dauert, wird dieses Jahr von zwei Vereinen organisiert. Einer davon ist der OLV Luzern, der andere die OLG Rymenzburg, bei welchem Matthias Merz Mitglied ist.

Da seien das Legen der Bahnen und die Mithilfe am Anlass Ehrensache. «Das freiwillige Mitanpacken aller Vereinsmitglieder ist Grundvoraussetzung für einen solchen Event», sagt Merz.

Der Lauf ist wie jedes Jahr in drei Etappen aufgeteilt und beginnt mit einem Sprint am Freitagabend. Am Samstag und Sonntag folgt dann jeweils ein OL über eine Langstrecke. Matthias Merz ist für die zweite Etappe am Stierenberg verantwortlich.

Doch selbst für den ehemaligen Profiläufer birgt das Gebiet im Hinblick auf das Legen der Bahnen die eine oder andere Schwierigkeit, vor allem bezüglich der teilweise überwucherten Pfade. «Ein-, zweimal kann man die Leute zwar durch Dornen und Brennnesseln laufen lassen, öfter jedoch nicht.»

Auch die unterschiedlichen Kategorien, in welchen beim 3-Tage-OL gestartet wird, waren eine Herausforderung für den Bauingenieur: «Für die einfacheren Bahnen musste ich mich zuerst wieder ein wenig einfühlen.»

Rickenbach ist zum dritten Mal Schauplatz des Aargauer 3-Tage-OL. Auch einige nationale Wettbewerbe wurden in der Region schon ausgetragen, zum Beispiel die Staffelmeisterschaft 2013.

«An manchen Tagen reizt es mich schon, wieder auf so interessanten Bahnen zu laufen, wie ich es zu Profi-Zeiten gemacht habe – gerade jetzt, wo die Weltmeisterschaften in Schottland stattfinden», sagt Merz knapp zwei Jahre nach seinem Rücktritt aus dem Profisport.

Seine Entscheidung bereut er jedoch nicht. Er sei über zehn Jahre lang an Weltmeisterschaften gestartet und ist glücklich mit seinem jetzigen Beruf als Bauingenieur. Auch wenn es eine ziemliche Umstellung war. «Als Sportler ist man flexibler. Ruhetage unter der Woche gehören genauso dazu wie das Training. Ausserdem sitze ich etwas mehr als früher.»

Eine Familienangelegenheit

Unterstützung erhält Matthias Merz unter anderem von seinem Vater Oswald, selber Mitglied beim OLG Rymenzburg. «Er ist der sogenannte Kontrolleur. Das bedeutet, er schaut, dass ich keine Fehler mache», lacht Merz.

Nebst einem provisorischen Zeltplatz verfügt das Gelände des 3-Tage-OL auch über einen Kinderhort. OL sei ein Familiensport. Das merke man auch an der Atmosphäre. «An einem solchen Anlass kennt jeder jeden. Es ist sehr familiär.»

Beim Wettkampf werde es dann aber bitterer Ernst. Der Sport erfordert höchste Konzentration, das merke man oft den Gesichtern der Läufer an. Deshalb hofft Merz, dass seine Bahnen ankommen werden.

Denn wenn die Läufer ihre eigenen Ziele nicht erreichen, bekomme man das als Bahnenleger oft zu spüren. «Es gibt viele, die sich im Ziel über die Bahn oder das Gelände beschweren.» Sorgen macht sich Merz jedoch keine, denn meist sei die Kritik bei einem Teller Spaghetti oder einer Bratwurst schnell wieder vergessen.

Selbst laufen wird Matthias Merz am 3-Tage-OL nicht. Er trainiere «nur noch» vier- bis fünfmal die Woche seit seinem Rücktritt. Der Sportler hofft vor allem auf viele Leute und Sonnenschein am 3-Tage-OL. «Beim Laufen spielt das Wetter keine Rolle. Als Helfer ist es jedoch schon angenehmer, wenn es schön ist.»

Auf die Frage, ob er einen Geheimtipp für die Orientierungsläuferinnen und -läufer habe, sagt OL-Spezialist Matthias Merz: «Klar, mehr trainieren – oder langsamer laufen.»