Staffelbach
Projekt mit grössten Windrädern der Schweiz ist weit fortgeschritten

Das Windradprojekt «uf em Chalt» könnte vier Gemeinden Strom liefern. Und es ist auf einem guten Weg. Nächster Schritt: Die breite Öffentlichkeit soll ins Vorhaben eingeweiht werden.

Rahel Plüss
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Vom Restaurant Kalthof (r.) hätte man einen direkten Blick auf eines der beiden Windräder. Fotomontage zvg

Vom Restaurant Kalthof (r.) hätte man einen direkten Blick auf eines der beiden Windräder. Fotomontage zvg

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«In fünf Jahren steht auf dem Chalt ein Windrad», das haben sich Ruedi Müller und Nik Walther im Jahr 2010 gesagt, als sie auf dem Hügelzug zwischen dem Suhren- und dem Uerkental mit ersten Windmessungen begannen. Inzwischen sind gut fünf Jahre vergangen. Ein Windrad steht noch keines.

Initiant Nik Walther: «Das Abschaltregime für Fledermäuse würde den Jahresertrag nur um 1,7 Prozent reduzieren. Ich habe selber gestaunt, als ich das ausgerechnet habe.»

Initiant Nik Walther: «Das Abschaltregime für Fledermäuse würde den Jahresertrag nur um 1,7 Prozent reduzieren. Ich habe selber gestaunt, als ich das ausgerechnet habe.»

Rahel Plüss
Windprojekt «uf em Chalt»: Mögliche Standorte für die zwei Windräder

Windprojekt «uf em Chalt»: Mögliche Standorte für die zwei Windräder

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Die beiden Vordenker möchten zwei grosse Windräder realisieren. In luftigen 160 Metern über Boden sollen sich dereinst die Mittelpunkte der Rotoren befinden. Die Blattspitzen recken auf ihrer rauschenden Fahrt gar 220 Meter in die Luft. Solch hohe Windräder kennt die Schweiz noch nicht. «Das ist unser Handicap», sagt Nik Walther, «die Leute können nichts Vergleichbares in der Region anschauen.» Und was man nicht kennt, hat es bekanntlich schwer. Deshalb setzen die Initianten auf fundierte Vorabklärungen und holten schon früh andere Interessensgruppen wie die Vogelwarte Sempach oder den Fledermausschutz mit an den Tisch.

Abschaltregime für Fledermäuse

All die Abklärungen haben viel Zeit in Anspruch genommen. Doch für Nik Walther ist klar: «Unser Ziel ist es, sowohl technisch wie von der Beeinträchtigung der Bevölkerung her das Optimum herauszuholen.» Ein Windrad allein soll mehr als 5 GWh Strom pro Jahr liefern. Das entspricht dem Verbrauch aller Haushaltungen der Gemeinden Attelwil, Reitnau, Staffelbach und Wiliberg.

Reaktion: Das sagen die betroffenen Gemeinden

Nicht alle vier betroffenen Gemeinden sind gleichermassen begeistert von der Windradidee. Während der Gemeinderat Staffelbach dem Projekt grundsätzlich positiv gesinnt ist, sofern gewisse Bedingungen wie Rentabilität oder Umweltverträglichkeit gegeben seien, wie Gemeindeammann Max Hauri-Kalt sagt, tut sich die zweite Standortgemeinde schwer: Die Reitnauer Gemeinderäte äusserten in einer Stellungnahme zuhanden der Initianten Vorbehalte, vor allem bezüglich der geplanten Waldrodung, der Nähe zu den Wohnbauten oder betreffend Auswirkungen auf Bevölkerung und Gegend. Die Gemeinderäte von Wiliberg stehen dem Windrad «uf em Chalt» sehr kritisch gegenüber. Sie fürchten, dass «die Auswirkungen auf die Gemeinde um ein Vielfaches grösser sind als bisher angenommen». So heisst es in ihrer Stellungnahme. Attelwil hingegen ist offen eingestellt, hält sich aber als Nicht-Standortgemeinde bewusst «ein bisschen zurück», wie Gemeindeammann Roger Lehner sagt. In einem Punkt sind sich die Gemeinden aber einig: An der Infoveranstaltung vom 2. November in der Mehrzweckhalle Reitnau soll sich die Bevölkerung ihr eigenes Bild machen. (rap)

Geplant ist, die Bevölkerung, gewichtet nach ihrer Betroffenheit, am Erfolg zu beteiligen. Dazu wurde ein Schlüssel ausgearbeitet, der Parameter wie die effektive Distanz zu den Windrädern, die Geräuschimmission, den Schattenwurf und die Beeinträchtigung durch die Leitungsführung sowie Zufahrten berücksichtigt. Die Kosten pro Windrad sind auf rund 7 Millionen Franken veranschlagt. Ist das Baugesuch bewilligt, soll man sich auch mit dem Kauf von Aktien beteiligen können. Noch ist es dafür aber zu früh. «Das Projekt kann immer noch scheitern. Wir wollen nicht die Bevölkerung das Risiko tragen lassen», sagt Nik Walther.

Militärhelikoptern im Weg

Fünf Jahre sind seit Projektstart vergangen. Damals hätte sich Nik Walther weder träumen lassen, dass er in der Zwischenzeit ein Ingenieurstudium in Energie- und Umwelttechnik absolvieren, noch dass er sich dereinst mit Anflugszenarien für Schweizer Militärhelikopter befassen würde. Ein zuerst geplanter dritter Standort stünde nämlich just jenen Militärhelikoptern im Weg, die – im Notfall – die in der Region gelagerten Notaggregate für die Schweizer Atomkraftwerke an ihren Bestimmungsort fliegen müssten.

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