Holziken
Projekt in Holziken bringt Generationen zusammen

Das Mehrgenerationenprojekt «Vivace» in Holziken möchte mehrere Generationen unter einem Dach zusammenbringen. Das Projekt soll auch einen Beitrag gegen die zunehmende Vereinsamung in der Gesellschaft leisten.

Manuel Bühlmann
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Ursina Häfliger auf dem Bauland, wo im Herbst kommenden Jahres die ersten Bewohner des Mehrgenerationenprojekts einziehen.

Ursina Häfliger auf dem Bauland, wo im Herbst kommenden Jahres die ersten Bewohner des Mehrgenerationenprojekts einziehen.

Chris Iseli

Was lange selbstverständlich war, wird immer seltener: Grosseltern, Eltern und Kinder leben zusammen unter einem Dach und helfen einander im täglichen Leben. Das Mehrgenerationenprojekt «Vivace» in Holziken möchte dieser Entwicklung entgegenwirken. An der Hauptstrasse gleich neben dem Dorfladen entstehen drei Neubauten mit insgesamt 17 Wohnungen und sechs Studios. Die Kosten von rund zehn Millionen Franken übernimmt die Impact Immobilien AG. Ab Herbst 2013 sollen dort Familien, Singles, Alleinerziehende, Paare und Senioren wohnen - und sich gegenseitig zur Hand gehen.

Voneinander profitieren

Ursina Häfliger, Geschäftsführerin des verantwortlichen Vereins Convivenda, weiss um die Vorzüge des intergenerativen Wohnens. «Ich bin ein Dreigenerationenkind und als berufstätige sechsfache Mutter froh um die Unterstützung der Schwiegereltern, die in der Nähe wohnen.» Ziel des Pilotprojektes ist es, dass jede Generation sich so in die Gemeinschaft einbringt, wie sie kann. «Die älteren Bewohner können die Kinder hüten und die arbeitstätigen Eltern entlasten, diese wiederum können sich beispielsweise mit einem Fahrdienst zum Arzt revanchieren», sagt Häfliger. Und die jüngste Generation könne den älteren Menschen den Umgang mit PC und Handy näherbringen.

Cafeteria als Treffpunkt

Das Projekt soll auch einen Beitrag gegen die zunehmende Vereinsamung in der Gesellschaft leisten. «Nicht nur ältere Leute sind einsam, sondern auch jüngere Alleinstehende können darunter leiden», sagt Ursina Häfliger. In der neuen Überbauung ist deshalb eine teilweise öffentliche Cafeteria und eine Lounge eingeplant. Dort können die Bewohner Familienfeste feiern, Sitzungen machen oder gemeinsam Fussball schauen.

Wer lieber für sich allein ist, kann sich problemlos zurückziehen. Die 1.5- bis 4.5-Zimmer-Wohnungen sind für sich abgeschlossen. «Nicht alle Bewohner müssen sich einbringen», sagt Häfliger. Es bestehe auch die Möglichkeit, Dienstleistungen einzukaufen oder sich nur zum Wohnen am Projekt zu beteiligen. Menschen, die auf Pflege angewiesen sind oder nach einem längeren Spitalaufenthalt noch nicht selbstständig sind, können temporär in einem der sechs möblierten Studios untergebracht werden. Die Betreuung übernimmt der Verein Convivenda zusammen mit der Spitex.

Bereits erste Reservationen

Wie genau das generationenübergreifende Zusammenleben aussehen soll, wird mit den künftigen Bewohnern besprochen. «Möglich wäre eine Zeitbörse, wo zum Beispiel eine Stunde Putzen gegen eine Stunde Kinderhüten eingetauscht wird», erklärt Häfliger. Nicht ausgeschlossen ist, dass einige mehr profitieren als sich einbringen wollen. Eine Betriebsleiterin, die das Gemeinschaftsleben koordiniert, versucht dies zu verhindern. Drei Ehepaare, eines davon jüngeren Alters, und eine alleinstehende Frau haben bereits eine Wohnung reserviert. «Unser Angebot ist für alle offen», sagt Ursina Häfliger.

Wenn sich das Pilotprojekt in Holziken bewährt, seien ähnliche Häuser in weiteren Gemeinden möglich. Attelwil wäre ein potenzieller Standort. Allerdings konnten dort bislang noch keine Investoren gefunden werden.