Reitnau

Priorität für Blumen: Bäume und Sträucher müssen weg

Aufforstung: Rot markiert sind diejenigen Bäume, die stehen bleiben.

Aufforstung: Rot markiert sind diejenigen Bäume, die stehen bleiben.

Auf dem Reckholderhubel in Reitnau werden Baume und Sträucher entfernt, um für Orchideen Platz zu schaffen. Damit sich die Blume ausbreiten kann, bezahlt der Kanton 12000 Franken.

Für einmal markierte der Förster jene Bäume rot, die stehen bleiben sollen. «Das ging ringer», sagt Martin Leu. In bloss zwei Tagen fällten drei Forstarbeiter rund 80 Prozent der Bäume auf dem Reckholderhubel. Am dritten Tag karrte einer alleine das Holz weg. Der Forstbetrieb Oberes Suhrental lichtet den Wald für Orchideen aus. Förster Leu stapft in Wanderschuhen übers Gestrüpp und kommentiert den spärlichen Waldbestand: «Föhre, Eiche, Linde – die wertvollen Bäume bleiben stehen.»

Damit sich die Orchidee ob Reitnau ausbreiten kann, bezahlt der Kanton gemäss Leu 12000 Franken. Damit bestärkt er den Natur- und Vogelschutzverein Reitnau, der bereits eine kleine Fläche mit Orchideen bewirtschaftet. Die Blumen wachsen seit Jahren natürlich auf dem Reckholderhubel. Jetzt erhalten sie mehr Licht. Denn gedeihen können sie nur dort, wo kein Schatten ist. Sonst aber sei die Pflanze zäh. «Wind und Kälte machen ihr nichts aus. Nur wenn man draufsteht, geht sie kaputt», sagt Martin Leu, der behauptet, kein Orchideenspezialist zu sein.

Jedenfalls weiss er aber, welche und wie viele Bäume er fällen muss, damit die Blume gedeihen kann. Er betont mehrmals: «Es ist ein grosser Eingriff.» Und: «Wer den gelichteten Wald erstmals sieht, wird erschrecken.» Was der Eingriff bedeutet, würden die Einwohner von Reitnau wohl erst erkennen, wenn die Bäume und Sträucher weggeräumt sind. «Dann wird es leer aussehen.»

Orchideen blühen auf Moräne

Auf den 0,82 Hektaren Land – vergleichbar mit der Grösse eines Fussballfelds – werden auch alle Sträucher geschnitten, bis auf jene direkt am Wegrand. In den kommenden fünf bis sechs Jahren müssen die Forstwarte mindestens zwei Mal jährlich die unerwünschten Stauden und Jungbäume stutzen. «Intensivpflege», nennt Martin Leu die Arbeit. Ohne diesen Aufwand würde der Wald innert kurzer Zeit wieder vordringen. «Die Pflanzen wachsen schnell.»

Und das, obwohl der Boden auf dem Reckholderhubel vergleichsweise trocken ist. Leu: «Wir stehen hier auf der Seitenmoräne des Reussgletschers.» Zwar ist das Eis längst verschwunden. Zurückgeblieben sind aber die Moränen und die Kalksedimente. «Auf der sauren Braunerde, die wir sonst im Suhrental haben, wächst die Orchidee nicht.» Nur auf dem Kalkboden. «Dass wir eine solche Vielfalt an Orchideen haben, ist aussergewöhnlich», sagt der Förster. «Auch wenn die Blüten hier nicht so spektakulär sind, wie wenn man sie im Laden kauft.»

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